Tesla Model 3

Wird Tesla zum Untergang der deutschen Automobilindustrie führen?

Zu meinem letzten Beitrag zu Tesla sind innerhalb von kürzester Zeit viele ausführliche Kommentare geschrieben worden. Vielen Dank dafür. Gerne gehe ich auf die Kommentare in diesem Beitrag ausführlich ein und möchte meine Sichtweise zu dem Thema darstellen.

Investition vs. Spekulation

Ein paar der Kommentatoren haben angemerkt, dass es sich bei Tesla um keine Investition, sondern eine Spekulation handelt. Ich denke das hängt zu einem großen Teil davon ab, was das eigene Verständnis zum Thema Risiko ist und was du unter einer Spekulation explizit verstehst.

Ist es eine Spekulation, wenn Du Geld in Coca Cola investierst?

Bei einer Investition in Coca Cola spekulierst Du schließlich, dass es das Unternehmen in den nächsten Jahren noch geben wird und dass sich die Produkte weiterhin gut verkaufen werden.

Wir sind uns vermutlich alle einig, dass das Risiko einer Pleite bei Tesla deutlich größer ist als bei Coca Cola und eine Investition in Coca Cola tendenziell deutlich sicherer ist. Doch ist Tesla dann schon eine Spekulation?

Beziehungsweise ab welchem Grad von Risiko ist es eine Spekulation und wann ist es noch eine Investition?

Ich glaube die Frage muss jeder für sich beantworten und ist an sich auch sehr subjektiv. Es lässt sich also darüber trefflich streiten.

Ich verstehe noch unter einer Spekulation, dass es eher kurzfristiger Natur ist. Du kaufst die Tesla-Aktie zum Beispiel bei 190 €, weil Du glaubst, dass diese in den nächsten Monaten auf 300 € steigt. Zu dem Zeitpunkt würdest Du diese dann wieder verkaufen. Es kommt Dir nur darauf an einen kurzfristigen Gewinn zu erzielen.

Ich habe vor Tesla langfristig (5 – 10) Jahre zu halten und nicht bei einer Verdoppelung direkt zu verkaufen. Natürlich werde ich die Nachrichten rund um die Automobilindustrie aufmerksam verfolgen und nicht einfach nur darauf hoffen, dass sich Tesla gut entwickelt. Wenn sich Tesla in die falsche Richtung entwickelt (z.B. nicht mehr neue Dinge entwickelt und nicht mehr an der autonomen Zukunft arbeitet), werde ich auch verkaufen.

Market-Timing bei der Tesla Aktie

Paraphrasiert:

„Der Kurs der Aktie wird sich nicht über Nacht verzehnfachen. Deswegen solltest Du erst bei einem Anzeichen einer Vervielfachung investieren. Dann nimmst Du nicht die ersten 20 – 50 % des Anstiegs mit. Dafür ist das Risiko geringer.“

Ich habe keine Glaskugel. Ich weiß nicht, wann sich der Kurs in welchem Umfang bewegen wird. Wenn ich das wissen würde, wäre ich bereits längst Milliardär.

Natürlich wird sich die Aktie auch nicht über Nacht verzehnfachen. Das glaube ich auch gar nicht. Aus meiner Sicht besteht allerdings eine sehr große Wahrscheinlichkeit, dass Tesla das autonome Fahren hinbekommen wird. Wenn sie dann per Knopfdruck über ein Software-Update in den USA mehrere hunderttausende Autos zu autonom fahrenden Autos machen, wird der Kurs sich über Nacht verdoppeln oder auch „nur“ um 50 % steigern.

Das kann in zwei, drei oder fünf Jahren der Fall sein. Niemand kann das Ereignis hervorsehen. Vielleicht tritt es auch gar nicht ein und Tesla ist vorher pleite. Wer weiß das schon. 😉

Tesla wäre schon längst pleite/ macht nur Verluste

Es ist unglaublich hart ein Unternehmen aufzubauen, das Autos produziert. Und die Niedrigzinsphase der letzten Jahre war vermutlich einer der Hauptgründe dafür, dass es überhaupt gelungen ist einen neuen großen Automobilhersteller aufzubauen.

Ich glaube es sollte bei der Betrachtung nicht vergessen werden, dass Tesla ein großes Wachstumsunternehmen ist. Es hat in den letzten Jahren seinen Umsatz mehrfach vervielfacht. Von knapp 500 Millionen Dollar Umsatz im Jahr 2012 auf über 20 Milliarden Dollar Umsatz in 2018. Dieses enorme Umsatzwachstum, der Aufbau von vielen Fabriken und einem Ladenetzwerk kostet erstmal viele Milliarden, bevor die Investition wieder Geld einspielt. Nicht zu vergessen die ganze Forschung und die Entwicklung im Zusammenhang mit dem autonomen Fahren, das bisher noch kein Geld einspielt.

Tesla ist weiterhin auf einem rasanten Wachstum und hat das Ziel seine Produktion im Vergleich zum letzten Jahr wieder um mehr als 50 % zu steigern. Sie haben noch mehrere Milliarden Cash und können damit mit ähnlichen Verlusten wie in Q1 2019 mindestens bis Mitte 2020 ohne weitere Kapitalspritzen arbeiten.

Insolvenz

Zudem besteht aus der Sicht von Tesla auch noch die Möglichkeit das eigene Wachstum und die Investitionen zu reduzieren, sodass sie keine Verluste mehr machen.

Elon Musk hat den Fokus auf dem Verbreiten von erneuerbaren Energien und interessiert sich nicht so sehr für die kurzfristige Gewinnsituation. Ihm geht es um die langfristige Vision. Dazu ist er bereit massiv in der Gegenwart zu investieren. Auch wenn der kurzfristige Gewinn darunter leiden mag und vielleicht weiteres Kapital aufgenommen werden muss.

Ein gewisses Restrisiko bleibt natürlich bestehen, dass Tesla in einer großen Wirtschaftskrise kein weiteres Kapital aufnehmen kann. Trotz Elon Musks großer Vision und seiner Fähigkeit Investoren und Kapitalgeber zu überzeugen.

Kein Geld zur Übernahme von Tesla durch Automobilhersteller

Das Worst-Case-Szenario tritt ein. Tesla erhält kein weiteres Geld und ist pleite. Wird das Unternehmen einen Käufer finden?

Ich bin mir da zu 100 % sicher und habe gar keine Zweifel. Tesla ist viel zu fortschrittlich und die Marke und Technologie sind viel zu wertvoll.

Wie Jenny schon darauf hingewiesen hat, werden die normalen Automobilhersteller vielleicht Probleme haben das Geld wirklich aufzutreiben. Obwohl das ein wirkliches Armutszeugnis wäre.

Techkonzerne wie Google oder Apple könnten das Unternehmen aus der Portokasse bezahlen und müssten dafür noch nicht mal einen Kredit aufnehmen. Beide Unternehmen haben in der Vergangenheit bereits ihr Interesse an dem Unternehmen gezeigt. Gerade für Google mit ihrer autonomen Tochter Waymo wäre die Technologie und das Unternehmen sehr interessant.

Mir ist als Investor egal, wer im Worst-Case-Szenario das Unternehmen kauft. Wichtig ist, dass es gekauft wird und dadurch nicht auf 0 € sinken kann.

Autonomes Fahren: Zu wenig Sensoren im Auto

Ich bitte meine Kommentatoren das bitte nicht persönlich oder als Angriff gegen sie zu verstehen. Ich möchte nur folgenden Gedanken mal als Anregung formulieren:

Bei Tesla arbeiten viele sehr gute Experten. Experten aus dem Bereich KI, Ingenieurwesen, IT, Machine Learning und vielen weiteren Fachrichtungen. Bevor Du anfängst ein autonom fahrendes Auto zu bauen, wirst Du Dir sehr viele Gedanken gemacht haben, welche Sensoren Du brauchst und wie Du das Problem konkret lösen willst. Du musst am Anfang die Grundsatzentscheidung treffen, ob Du auf Lidar setzt oder auch nicht.

Tesla wird unter der Führung von Elon Musk mit einem Expertenteam zusammen das intensiv durchdacht und dann eine Entscheidung getroffen haben. Besonders weil diese Entscheidung im Prinzip nicht mehr umgekehrt werden kann und über den Erfolg des Unternehmens entscheidet.

Ich persönlich maße mir nicht an beurteilen zu können, ob das die richtige Entscheidung war. In keiner der obengenannten Bereichen bin ich ein Experte. Aus meiner laienhaften Sicht war nach dem Autonomy Day von Tesla verständlich, warum Tesla auf Kameras anstatt auf Lidar setzt und welche Vorteile es bringt.

Ich kann mich da allerdings auch vollkommen irren, weil ich mich wie gesagt nicht in der Tiefe mit dem Thema auskenne. Im Gegensatz zu dem Team bei Tesla, welches an der Lösung des Problems arbeitet.

Ich glaube daher, dass die Mitarbeiter bei Tesla viel tiefer in der Materie sind als die meisten Kommentatoren, Journalisten und Privatpersonen und es mit den Sensoren möglich ist das autonome Fahren zu realisieren.

Technologischer Vorsprung ist nicht uneinholbar

Kommentar zusammengefasst:

„So weit ist Tesla jetzt ja auch nicht mit der Technologie. Ich glaube nicht, dass der Vorsprung uneinholbar ist. Siehe dazu die Energiedichte der Batterien.“

Vielen Dank für den Kommentar. Mir ist dadurch klargeworden, dass ich den Gedanken in meinem ersten Beitrag nicht besonders deutlich formuliert habe. Besonders weil ich nur auf die Reichweiten von Tesla abgestellt habe.

In einzelnen Bereichen kann es sehr wohl sein, dass die anderen Automobilhersteller aufholen. Vielleicht werden die deutschen Automobilhersteller es schaffen Autos mit gleicher Reichweite zu bauen.

Das Problem ist aus meiner Sicht allerdings, dass Tesla in vielen Bereichen der Konkurrenz meilenweit voraus ist. Zum Beispiel bei der Ladeinfrastruktur, dem Bereich autonomen Fahren (vielleicht abgesehen von Waymo und anderen Techkonzernen außerhalb von Deutschland), der Batterieentwicklung, der Massenfertigung von Elektroautos, dem Spaßfaktor (Spiele, Fahrspaß), der Software mit Over-the-Air Updates und vielem mehr.

Ladenetzwerk von Tesla

Ich glaube, dass dieses Gesamtpaket von keinem deutschen Automobilhersteller erreicht werden kann. Dafür ist der gesamte Vorsprung in den verschiedenen Bereichen aus meiner Sicht viel zu groß.

Zudem ruht sich Tesla auch nicht auf ihren bisherigen Erfolgen aus. Sie sind weiterhin fleißig in der Entwicklung von neuen Technologien, mit denen sie die Autoindustrie disruptieren werden.

Wenn die deutschen Autokonzerne Tesla einholen wollen, dann müssen sie also deutlich schneller als Tesla in der Forschung und Entwicklung sein. Das halte ich aufgrund von den kulturellen Unterschieden (siehe dazu Beitrag 1) für ausgeschlossen.

Zukunft der Automobilindustrie

Die deutschen Automobilkonzerne sind unheimlich arrogant und haben Tesla lange Zeit verspottet. Jetzt haben die meisten erkannt, dass sie wohl doch nicht darumkommen und Elektroautos bauen müssen. Im letzten Jahr hatte Tesla massive Probleme die Produktion des Tesla Model 3 hochzufahren. Und das obwohl dort sehr viele intelligente Köpfe mit jahrelanger Erfahrung aus deutschen Automobilkonzernen involviert waren.

Einer der führenden Manager für diesen Bereich hatte sinngemäß dazu gesagt:

„Meine 20 Jahre Erfahrung im Automobilsektor haben mir fast nichts genützt, weil der Bau von Elektroautos etwas komplett anderes ist. So als würdest Du in einer anderen Industrie arbeiten. Wir mussten komplett von Null anfangen.“

Automanager bei Tesla

Ja, die deutschen Automobilkonzerne werden in den nächsten Jahren Elektroautos auf den Markt bringen. Ich bezweifle nur sehr stark, dass es einfach sein wird die Produktion hochzufahren. Selbst für einen erfahrenen Autobauer. Oder sollte ich sagen erst recht für einen alten Autobauer, der an alten Traditionen festhalten will?

Auto

Dazu kommt noch das Problem genügend Batterien für die Produktion zu bekommen. Aus dem Grund überlegt Tesla ja bereits eigene Batterien zu entwickeln. Oder sogar noch einen Schritt weiter zu gehen und auch in die Produktion der Rohstoffe zu gehen.

Unter Betrachtung der gesamten Kosten eines Autos (Total Cost of Ownership) werden Elektroautos immer günstiger. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Elektroautos deutlich günstiger als konventionelle Autos sind.

Sobald das eintritt oder Tesla sogar autonom fahrende Autos anbietet, werden die Verkäufe von alten Verbrennern massiv einbrechen.

Dabei sollten wir eines bedenken:

Die Nachfrage kann deutlich schneller einbrechen, als die Produktion der Elektroautos hochgefahren werden kann.

Und das würde die größte Krise oder sogar den Tod von einigen deutschen Automobilkonzernen bedeuten. Erst recht, wenn es dann autonom fahrende Autos gibt, mit denen Besitzer auch noch Geld verdienen können und die deutschen Konzerne weiterhin nur ihre manuell fahrenden Autos anbieten können.

Ich würde mir wünschen, dass es in 10 Jahren noch alle deutschen Automobilkonzerne gibt. Das bezweifle ich allerdings mittlerweile massiv.

Ich hoffe ich konnte meine Gedanken verständlich erklären. Wenn Du irgendwelche Fragen hast, dann gerne hier in die Kommentare. Vielleicht mache ich dann noch einen dritten Teil.

Meine Frage an Euch:

Wie seht ihr die Zukunft der deutschen Automobilindustrie?

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