Students For Liberty: Interview mit Chairman Rick Wendler

Die meisten jungen Menschen und Studenten wollen dringend das neuste IPhone oder die hippen Sportschuhe von Adidas und schimpfen gleichzeitig auf die Wirtschaft. Es grenzt schon fast an Schizophrenie auf der einen Seite die Wirtschaft (und damit auch die Unternehmen) schlecht zu finden und gleichzeitig sehnsüchtig auf die neusten Produkte gerade dieser Unternehmen zu warten.

Doch nicht alle junge Menschen teilen diese Einstellung. Gerade durch Finanzblogs und Investorentreffen konnte ich in den letzten Jahren viele junge Menschen kennenlernen, die sich intensiv mit Finanzthemen und der gesamten Wirtschaft auseinandersetzen. Dabei bin ich vor kurzem durch Pascal (einen meiner Leser) auf die Students For Liberty hingewiesen worden. Ein Netzwerk von jungen Menschen, die sich mit den Themen Wirtschaft und Freiheit auseinandersetzen. Da war mein Interesse natürlich sofort geweckt.

Ich freue mich daher heute ganz besonders Rick Wendler (Chairman des Executive Boards von Students For Liberty Deutschland) im Interview zu Gast zu haben.

Willkommen zum Interview Rick. Ich danke Dir vielmals, dass Du Dir die Zeit für ein Interview genommen hast. Dann lass uns direkt starten:

Was sind die Students For Liberty?

Hallo Dominik, ich freue mich auch sehr über Dein Interesse!

Die Students For Liberty sind ein Netzwerk junger Leute, dem jeder beitreten kann, der sich für die Ideen des Liberalismus begeistert und zu deren Verbreitung beitragen möchte. SFL gibt es mittlerweile auf der ganzen Welt, in Indonesien, genauso wie in Venezuela oder Nigeria. Entstanden ist die Idee 2008 durch nur eine Handvoll Studenten in den USA. In Deutschland gibt es eigenständige Studens For Liberty seit 2012. Mittlerweile gibt es in Deutschland ca. 20 Hochschulgruppen und 30 so genannte Local Coordinators, also Studenten die ein eigenes Training durchlaufen haben, um erfolgreich die Ideen des Liberalismus kommunizieren zu können. Jeder kann sich bewerben, um Local Coordinator zu werden!

Einige Sachen sind besonders an SFL. Zum einen ist das Netzwerk sehr dezentral. Das heißt, der maßgebliche Input kommt von den Leuten an der Basis, in ihren jeweiligen Hochschulgruppen. Jeder Local Coordinator hat eigene Projekte, an denen er arbeitet. Sei es das Leiten einer Hochschulgruppe, das Planen einer landesweiten Kampagne, das Herausgeben eines Studentenmagazins oder das Organisieren einer Konferenz für Studenten aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. Die übergeordneten Strukturen (wie das deutsche Executive Board) sind überwiegend nur dazu da, den Leuten bei Ihren Projekten zu helfen.

Außerdem vertreten die Students For Liberty nicht „den einen“ Liberalismus. Wir wollen Anlaufstelle für alle sein, die sich mehr Individualismus, Marktwirtschaft und Selbstbestimmung wünschen, egal ob klassisch Liberaler, Neoliberaler, Objektivist oder Anarchokapitalist. Wir wollen gemeinsam herausfinden, welche Wege es für eine freiere Gesellschaft gibt.

Eine Sache würde mich persönlich interessieren. Wie bist Du dazu gekommen bei den Students For Liberty aktiv zu werden und sogar eine zeitraubende ehrenamtliche Tätigkeit auf Dich zu nehmen? Du wirst schließlich mit Deiner Promotion bereits gut ausgelastet sein.

Das stimmt. Ich bin tatsächlich schon während meines Studiums auf die Ideen des Liberalismus gestoßen. Damals war der Ausbruch der Finanz- und Eurokrise noch nicht so lange her und ich bin zum ersten Mal in Kontakt mit der Österreichischen Schule der Nationalökonomie gekommen und habe erst mal viel Hayek und Mises gelesen. Das ist jetzt schon ein paar Jahre her, aber es ist mir immer noch nicht langweilig geworden, mich mit den grundlegenden Ideen des Liberalismus zu beschäftigen. Aber irgendwann wollte ich nicht nur für mich alleine lesen, sondern mich auch mit anderen austauschen. Und dafür bieten die Students For Liberty den perfekten Rahmen.

Bei den Students For Liberty habe ich unglaublich viele schlaue und ambitionierte Leute getroffen, die die gleiche Begeisterung für Freiheit teilen wie ich. Von daher hat es mir einfach Spaß gemacht, mich für SFL zu engagieren und mit den anderen zusammen Projekte umzusetzen. Das ist für mich das wirklich Besondere an Students For Liberty: dass man immer die Möglichkeit hat, eigene Ideen umzusetzen. Sei es, Vorträge zu Themen veranstalten, die einen selbst interessieren, oder Blog-Beiträge schreiben und vieles mehr. Früher war es sehr schwierig, interessante Angebote zu liberalen Themen zu finden. Heute sind wir nicht mehr darauf angewiesen, dass irgendwo etwas angeboten wird. Wir machen das einfach selbst.

Ich habe an meinem Campus in Jena eine Hochschulgruppe gegründet, mit der wir regelmäßig Vorträge, Podiumsdiskussionen, Filmabende, Lesekreise und vieles mehr organisieren. Mittlerweile bin ich an dem Punkt, wo es mir als Chairman am wichtigsten ist, meine Erfahrungen weitergeben und die anderen Local Coordinators in unserem Netzwerk unterstützen zu können. Aus all dem habe ich eigentlich immer mehr Energie rausgezogen, als reingesteckt.

Peace Love Liberty – So heißt Euer Studentenmagazin, welches im deutschsprachigen Raum kostenlos an Studenten verteilt wird. Wie werden Eure Themen von den anderen Studenten angenommen und welche Reaktionen erhaltet Ihr darauf?

Die Reaktionen sind sehr gut. Denn mit unserem Magazin haben wir die Gelegenheit, Themen in aller Tiefe und aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten, so wie mit unserer letzten Ausgabe zu Innovationen. Und mit einem Printmagazin erreicht man am Campus vor allem auch Leute außerhalb der eigenen Filterblase, die normalerweise vom online-Algorithmus aussortiert werden. Dann wird auch deutlich, dass Freiheit und Liberalismus keine Nischen-Themen sind, sondern jeder einen Bezug dazu hat.

Unter dem Motto „FREIHEIT IS FUTURE“ fand im letzten Jahr eine eigens organisierte Konferenz in Jena mit vielen spannenden Wirtschaftsthemen statt. (Informationen dazu in dem Konferenzbericht.) Es ging anscheinend sogar soweit, dass die Linke Basisgruppe in Jena (Pekari) zur „Gegenwehr“ aufrief. Das würde ich zuallererst mal als Lob auffassen, dass ihr einiges auf die Beine stellen konntet.

Mich würde mal interessieren, wie ihr das geschafft habt eine eigene Konferenz auf die Beine zu stellen und wie Du die „Gegenwehr“ wahrgenommen hast?

Wir haben in Deutschland inzwischen seit 2012 jedes Jahr eine eigene Konferenz organisiert, die auch immer sehr gut besucht war. Eine Konferenz auf die Beine zu stellen ist vor allem viel Arbeit. Dazu gehört natürlich ein Programm zusammenzustellen, Redner anzuschreiben und Sponsoren zu suchen (wir kriegen nämlich von nirgendwo Steuergelder oder Asta-Zuschüsse). Dann muss man die Promo planen und sich schließlich auch um Sachen wie Deko und Catering kümmern. Damit sind eine Handvoll Leute schon mal alles in allem ein Jahr beschäftigt, ohne dass jemand von uns dafür bezahlt würde. Das geht nicht ohne eine große Portion Idealismus und Spaß an der Sache.

Wie gesagt, unsere Konferenzen kommen immer gut bei unseren Gästen an. Aber natürlich gibt es auch Leute, die unsere Ideen nicht für gutheißen. Aber anstatt die Studenten sich schlicht ihre eigene Meinung bilden zulassen, meinen die, sie müssten uns als „gefährliche rechte Neoliberale“ brandmarken. Auf der einen Seite lässt es uns schmunzeln, dass wir für so gefährlich gehalten werden, dass man vor uns warnen müsste. Auf der anderen Seite nervt es auch ein bisschen, wenn man über lange Zeit viel Arbeit in so ein Projekt gesteckt hat und dann Leute Stunk verbreiten wollen, nur weil sie selbst eine andere Meinung haben. Aber das gehört auch zu einer freiheitlichen Gesellschaft dazu und so lange alles friedlich bleibt, haben wir auch nichts dagegen. Wir scheuen mit niemandem die inhaltliche Auseinandersetzung. Im Endeffekt war es auch sehr gute Werbung für uns unter den Jenaer Studenten.

Unsere nächste Konferenz findet unter dem Motto „FREIHEIT unternehmen“ am 24. November wieder in Jena statt. Wir freuen uns wieder auf spannende Vorträge und Diskussionen rund um das Thema Unternehmertum im weitesten Sinne. Man kann sich kostenlos anmelden.

Students For Liberty ist, wenn ich es richtig verstanden habe, keine politische Organisation. Mich würde es daher mal interessieren, welche Ziele ihr verfolgt und was ihr dadurch erreichen wollt.

Das ist richtig. Wir kümmern uns nur sehr begrenzt um Tages- oder gar Parteipolitik. Uns sind die grundlegenden Ideen wichtiger, die in unserer Gesellschaft prägend sind.

Wir möchten einen langfristigen gesellschaftlichen Wandel erreichen, indem wir gerade jungen Leuten die Bedeutung einer offenen Gesellschaft vermitteln. Viele Organisationen, die etwas verändern wollen, adressieren Politiker, weil sie hoffen, dass ihre eigenen Vorlieben vom Staat den Mitmenschen diktiert werden. Das wollen wir gerade nicht. Wir wollen in einer Gesellschaft leben, die aus sich heraus die Werte von Individualismus, Eigenverantwortung und Marktwirtschaft schätzt und das auch von der Politik einfordert. Ansonsten ist die Politik der Schweif, der mit dem Hund wedelt. Wir sollten sowieso nicht immer nur auf die Politik schauen, wenn wir Veränderungen sehen wollen. Wenn man Eigenverantwortung haben möchte, sollte man nicht darauf warten, dass sie einem gegeben wird. Wir sind davon überzeugt, dass wir dazu beitragen können, mehr Freiheit zu haben, indem wir selbst Verantwortung übernehmen.

Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für ein Interview genommen hast. Ich denke der ein oder andere Leser könnte Interesse daran haben an einem Eurer Treffen teilzunehmen oder Eurer Organisation beizutreten. Was ist der beste Weg, um mit Euch in Kontakt zu treten?

Sehr gerne! Um schlicht auf dem Laufenden zu bleiben, kann man uns über Social Media (Facebook, Instagram oder Twitter) folgen oder unseren Newsletter abonnieren. Wer sich selbst für die Freiheit engagieren möchte, kann sich gleich als Local Coordinator bewerben. Wer uns darüber hinaus unterstützen möchte, der kann das unkompliziert über unseren Förderverein tun. Wer einfach eine Frage hat, schreibt uns oder mir am besten eine Mail. Wir freuen uns darauf!

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