Monopoly Spiel

Spielend leicht zur Finanziellen Freiheit? – Finanzbildung durch Spiele

Was können wir durch Spiele zum Thema Geld und Finanzen lernen?

Sebastian ist Leser meines Blogs und hat sich mit dieser Frage mal etwas intensiver auseinandergesetzt. Dabei kommt er auf erstaunlich viele verschiedene Spiele und Möglichkeiten etwas über Wirtschaft und Geld zu lernen.

Bühne frei für den ersten Leser-Gastbeitrag auf meinem Blog:

== Monopoly und Cashflow 101 ==

Der Klassiker unter den Brettspielen „Monopoly“ simuliert das „Hamsterrad“ erstaunlich gut: Wenn man keine Straßen und Häuser besitzt, zahlt man jede Runde das aktive Einkommen (durch die gewürfelte Bewegung, wenn man jede Runde wieder über Los kommt) an die Besitzer eben dieser Häuser und Straßen, das Finanzamt oder die Bußgeldbehörde (Ereigniskarten) etc.

Investiert man jedoch in die Straßen, auf die man kommt, so erhält man ein passives Mieteinkommen von den anderen Spielern, und tauscht man clever Straßenzüge zusammen, kann man auch in Häuser und Hotels investieren. Das Risiko liegt dabei einerseits in Zufällen wie den berüchtigten Straßen- und Gebäude-Sanierungskarten, wie auch laufenden Ausgaben (Miete auf fremden Straßen, schwankt aber durch Würfelglück und -pech etwas mehr als im echten Leben).

Wenn alle das soweit durchdrungen haben, und außer dem „Notgroschen“ für die Ausgaben sowenig Bargeld wie möglich halten, hängt es natürlich hauptsächlich vom Würfelglück ab, jedoch ist Verhandlungsgeschick immernoch von Vorteil, um einen guten Deal zu machen und günstig an neue Straßen (und damit Einnahmen zu kommen).

Der größte Vorteil von Monopoly ist, dass es sehr viele Leute kennen und dass die Anschaffung des Spiels durch die Vielzahl an erschienenen Versionen auch kein riesiges Loch in den Geldbeutel reißen muss.

„Cashflow 101“ wird oft als „erwachsenere“ Variante von „Monopoly“ mit deutlich mehr Realitätsnähe (die zufälligen Kosten sind Konsumkosten, die normalen monatlichen Kosten von Miete bis Konsumkredit sind planbar) und mehr Komplexität (es gibt zusätzlich zu Immobilien auch Aktien, Goldmünzen und co.) beworben. Gerade für Brettspiel- und Finanz-Neulinge ist der Zugang aber schwerer, und der Preis für die Anschaffung ist für ein Brettspiel sehr hoch, sodass es bei Bedarf eher Sinn ergibt, eine Gruppe zu finden die das Spiel schon hat, oder zusammen kaufen möchte.

Beide Spiele zielen generell auf die Grundideen von passivem vs. aktivem Einkommen und Ausgaben ab und stellen die Folgen sehr praktisch dar.

== Die Siedler von Catan und Funkenschlag ==

Die „Siedler von Catan“ als sehr bekanntes Brettspiel dreht sich darum, mittelalterliche Siedlungen und Städte aufzubauen und die dafür notwendigen Resources aufzutreiben. Durch die Zahlen, die auf die Resourcenfelder gelegt werden, und die sehr unterschiedliche Ergebnisverteilung bei 2 Würfeln (eine Summe von 2 oder 12 gibt es nur, wenn beide Würfel eine 1 zeigen, eine Summe von 6 oder 8 kann jeweils aus 10 Kombinationen gebildet werden und erscheint damit auch 10 mal so häufig) sind immer einige Ressourcen eher knapp, was ein gutes Verständnis für Angebot und Nachfrage und den Markt schafft – ein Ressourcenfeld mit einer selteneren Zahl kann sich im Tausch der Erträge mit den Mitspielern als wertvoller als eines mit einer häufig gewürfelten Zahl erweisen, wenn die Ressource wenig produziert und für viele Bauvorhaben benötigt wird.

In „Funkenschlag“ spielt wiederum jeder einen Energiekonzern, der Städte an sein Stromnetz anschließt und diese mit Kraftwerken versorgt. Je nach Kraftwerkstyp werden verschiedene Rohstoffe benötigt, um sie zu betreiben. Die Rohstoffe werden nach einem festen Plan jede Runde aufgefüllt, wobei der Preis ebenfalls fest vorgegeben mit abnehmender Zahl der Rohstoffe für jede weitere Einheit steigt. Kraftwerke selbst werden unter den Spielern versteigert, was meist dazu führt, dass Kraftwerke für bisher nicht verwendete (und damit günstige) Rohstoffe beliebter (und damit in der Versteigerung teuer) sind.

 

Hier schaffen die Spiele ein gutes Verständnis für Angebot und Nachfrage und damit den Markt bzw. dessen Preisbildung. (Ergänzend sei erwähnt, dass auch „Cashflow 101“ das tut, es dort aber aus der Gesamtkomplexität nicht so hervortritt.)

== X: Beyond the Frontier ==

Als Kreuzung aus Space Shooter und Wirtschaftssimulation ist die X-Reihe für den PC ein „Vom Tellerwäscher zum Millionär“-Simulator im Weltraum. Man fängt in einem bescheidenen Raumschiff als kleiner Händler oder Piratenjäger an, kann aber im späteren Spielverlauf in den meisten Teilen der Serie auch von einer „Handels-KI“ gesteuerte Schiffe kaufen und losschicken, die ohne eigenes Zutun Waren kaufen und mit Gewinn verkaufen, und sogar eigene Fabriken besitzen. Die Nicht-Spieler-Fabriken richten ihren Preis dabei strikt nach dem Lagerstand aus, d.h. bei leerem Rohstoffeingangslager wird mehr für angelieferte Waren gezahlt, bei vollem Warenausgangslager werden die produzierten Waren günstiger verkauft, um einen Fabrikstillstand zu vermeiden. Nach einer Weile übersteigt das passive Einkommen im Spiel das aktive aus Missionen oder selbst geflogenen Transporten/Handelsrouten deutlich, was man sich ja auch im echten Leben wünscht.

== Eve Online ==

Als Weltraum-Massive-Multiplayer Spiel mit ungewöhnlich freier Wirtschaft und Spieler-gemachten Verträgen hat Eve-Online dort nicht nur einen Markt, sondern auch Spieler-geführte Firmen („Corporations“) und Banken – wobei sich dahinter teilweise auch Betrüger verstecken, die ein Ponzi-Scheme(1) aufgebaut haben. Aufgrund der steilen Lernkurve, des großen Zeitaufwands und der Beschränkungen der vor ca. 2 Jahren eingeführten Free to Play Accounts ist Eve eher ein Spiel, über das ich gerne lese, als dass ich es noch aktiv spielen würde. Dennoch lässt sich auch aus den dortigen Geschichten einiges lernen (gerade über den Graumarkt unregulierter Investments).

 

Fußnoten:

(1) https://kotaku.com/5830482/oh-look-another-multizillion-spacedollar-scam-hit-eve-online


Gibt es Spiele, durch Die ihr viel über das Thema Geld gelernt habt? Kennt ihr vielleicht das ein oder andere Spiel, das Sebastian heute vorgestellt hat?

4 Kommentare

  • Hey, cooler Artikel =)
    Ich glaube der Wirtschaftsaspekt wird bei vielen Spielen erst auf den zweiten Blick sichtbar. Ich habe lange Zeit World of Warcraft gespielt und das Handelssystem ist sehr umfangreich. Besonders interessant finde ich, dass es in „unsere“ Realwirtschaft übergreift. Sog. „Goldfarmer“ – (meistens aus Asien) sammeln Rohstoffe u.ä. zusammen, um diese dann bei Ebay gegen echtes Geld zu verkaufen. Wenn man den richtigen Beruf hat, kann man aus günstigen Rohstoffen teure Endprodukte herstellen. Und seit neuerem kann man mit dem im Spiel verdienten Gold sich auch seine 12 € / Monat sparen und sich die Spielzeit kaufen.
    Also nach wie vor ein MMORPG und quasi eine Wirtschaftssimulation in einem.

    • WoW habe ich auch Mal eine Zeit lang gespielt – die Preisbildung im Auktionshaus war auch sehr spannend, die über eBay gehandelten Gegenstände natürlich auch 😉

      Spielzeit von anderen Spielern mit ingame-Währungen zu kaufen, ging bei Eve Online ja auch schon sehr lange, bevor es free to play wurde.

  • Spiele aus meiner Jugend
    Hotel / Monopoly / Mankomania 🙂

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