Dividenden

Niemand wechselt von der Dividendenstrategie zum aktiven Trading…

Die Dividendenstrategie sorgt immer mal wieder für den ein oder anderen zynischen Kommentar in der Finanzblogszene. Das ganze sei doch nur eine Taschenspielerei (schließlich falle der Kurs der Aktie durch Ausschüttung der Dividende um den gleichen Betrag) und würde eine schlechtere Performance als ein ETF-Weltportfolio geben.

In den letzten drei Jahren ist mir ein Effekt allerdings immer wieder aufgefallen:

Unglaublich viele Menschen, die von ihrer Investorengeschichte erzählen, kommen irgendwann zur Dividendenstrategie.

So hatten Sie zuerst planlos mit dem Kauf und kurzfristigen Handel von Aktien angefangen und dabei viel Geld verbrannt. Viele machen auch zu Beginn den Fehler und handeln mit Optionsscheinen oder Hebel-Produkten. Doch dann kommt irgendwann der Moment, wo sie die Dividendenstrategie (zum Beispiel durch dieses geniale Buch*) für sich entdecken und anfangen danach zu handeln. Es erscheint plötzlich so logisch einfach immer gute und solide Unternehmen zu kaufen, die sich eine steigende Dividendenzahlung leisten können und diese dann perspektivisch für immer zu halten.

Die gegenteilige Geschichte habe ich in den letzten Jahren allerdings noch nicht gehört. Dass jemand die Dividendenstrategie verfolgt und sich dann irgendwann dazu entscheidet jetzt aktiv mit Aktien, Optionsscheinen oder anderen Produkten zu handeln. Doch was ist der Grund dahinter?

Ich glaube der einzige Grund mit Optionsscheinen oder Hebelprodukten zu handeln oder mit Aktien zu spekulieren ist, dass Du der Überzeugung bist Du könntest damit schnell Geld verdienen. Das suggerieren schließlich gerne die Medien (die Finanzpornographie) und die Geschichten über das schnelle Reichwerden.

Eine Dividendenstrategie verfolgst Du hingegen nicht mehr, um dadurch schnell reich zu werden. Du hast verstanden, dass gute Unternehmen über die Zeit immer mehr wert werden, ihre Gewinne weiter steigern und dadurch auch immer höhere Dividenden ausschütten können. Du wirst langsam immer reicher und kannst Dein passives Einkommen von Jahr zu Jahr steigern. Du hast Dich dazu entschieden Dein Geld langfristig in der Wirtschaft zu investieren und nicht kurzfristig Geld zu verdienen.

Ein ETF-Weltportfolio tut es doch auch?

Um Dein Geld erfolgreich zu vermehren, musst Du nur einige grundsätzliche Anlageregeln berücksichtigen:

  1. Habe eine (funktionierende) Anlagestrategie
  2. Denk langfristig
  3. Investiere statt zu spekulieren
  4. Achte auf die Kosten
  5. Kaufe und verkaufe möglichst nie

Warum ist bei vielen Menschen die Dividendenstrategie so beliebt, obwohl es doch auch ein ETF-Portfolio tun würde?

Ich glaube der große Mehrwert der Dividendenstrategie ist, dass sie so extrem leicht zu verstehen ist.

Du kannst die Strategie in ganz wenigen Sätzen erklären und sie ist selbst für kleine Kinder leicht verständlich. Wir kaufen Anteile an guten Unternehmen, die zum Beispiel Konsumgüter wie Rasierschaum, Pampers, Lebensmittel oder ähnliches verkaufen und dadurch auch in Krisenzeiten Geld verdienen. Mit der Dividende/Ausschüttung wirst Du dann an dem Erfolg des Unternehmens beteiligt. Zudem suchst Du Unternehmen aus, die mit sehr großer Wahrscheinlichkeit in den nächsten Jahrzehnten ihre Dividende immer weiter steigern werden.

Vergleichbar mit einer Immobilie als Kapitalanlage, wo Du regelmäßig Mietzahlungen erhältst.

Alle anderen Strategien wie ein ETF-Portfolio, Value-Investing oder bestimmte Trading-Strategien sind entweder in der Umsetzung schwieriger oder Du musst Dir vorher viel mehr Wissen aneignen, um die Strategie verstehen und umsetzen zu können. Die Strategien sind auf jeden Fall abstrakter und schwerer zu fassen.

Wie war bei Dir der Verlauf? Hast Du von Anfang an Deine aktuelle Anlagestrategie verfolgt oder musste sich das erst entwickeln?

9 Kommentare

  • Ich verstehe nicht bzw. sehe dein Argument nicht, wieso ein ETF Portfolio – welches prinzipiell nur aus einem einzigen Produkt bestehen muss z.b. auf dem MSCI All Country World Index oder gerne auch dem ftse all-world in der Umsetzung schwieriger sein soll, als die Unternehmen rauszupicken, die sich noch erfolgreich in zwanzig Jahren noch Konsumgüter verkaufen, die auch noch sehr zyklisch sind und dem ein oder anderem dann in dunklen Phasen vielleicht doch zu einem vorschnellen verkauf verleiten werden…

    • finanziell-frei-mit-30.de

      Hallo tbee,

      danke Dir für Deinen Kommentar.
      Das war in meinem Beitrag vielleicht undeutlich formuliert. Ich meinte nicht damit, dass es schwieriger ist vom Aufwand her ein ETF-Portfolio aufzubauen.
      Ich wollte ausdrücken, dass das direkte Kaufen von Aktien weniger abstrakt und damit leichter zu verstehen ist.
      Ansonsten hast Du natürlich recht, dass ein ETF leichter in der Umsetzung ist.

      Schöne Grüße
      Dominik

  • Hallo Dominik,
    mit zunehmender Erfahrung wächst auch das Vermögen (sollte es zumindest). Mit ein paar Tausend Euro kann man viel leichter Traden als mit mehreren 100.000 €. Wenn das Vermögen eine halbe Million und mehr ist, schaut man verstärkt auf Sicherheit. Da rückt der langfristige Ertrag verstärkt in den Vordergrund.

    Viele Grüße
    Alexander

    • finanziell-frei-mit-30.de

      Hallo Alexander,

      das ist noch ein weiterer wichtiger Aspekt.
      Wenn Du 10.000 € verlierst, ist das verschmerzbar, weil Du es in relativ kurzer Zeit wieder zurück verdienen kannst.
      Das ist bei 100.000 € schon etwas schwieriger…

      Schöne Grüße
      Dominik

  • Deswegen habe ich zwei ausschüttende ETFs 😉

  • Hallo,

    Warum nicht beides?

    Begonnen habe ich mit Sparplänen auf thesaurierende. ETF (50% MSCI World, 30% MSCI EM, 20% Stoxx eu 600). Dies soll bis 5 Jahre vor Renteneintritt so bleiben. (Hin und wieder muss wegen der Kosten mal ein ETF gegen einen anderen ausgetauscht werden aber das war’s auch schon).
    Dann plane ich auf Dividendenstrategie zu wechseln und das Kapital sukzessive bis zur Rente in Dividenden-ETF zu transferieren, so dass ich dann ein schönes monatliches Nebeneinkommen habe. Hierbei kann ich nach Bedarf schauen wieviele ETF getauscht werden müssen. Der Rest bleibt unangetastet.
    Somit glaube ich in der Anspar- und Verzehrphase das optimale für mich herausgeholt zu haben. Wer in jungen Jahren mit diesem Konzept startet dürfte eine gute Basis neben den Allmosen (der staatlichen Rente) haben
    Leider hab ich erst vor 7 Jahre, als ich 50 wurde, mit diesem Konzept begonnen. Ich gehöre noch zu der Generation, der man suggeriert hat, dass eine KLV das einzig wahre ist und die Rente sicher ist.

    • finanziell-frei-mit-30.de

      Hallo Ralf,

      das Problem ist natürlich bei einem Umschichten, dass Du die Gewinne der ETFs dafür realisieren und damit versteuern muss.
      Das können sehr schnell zehntausende Euros sein, die Du zusätzlich zahlen musst. In jedem Fall stehst Du mit Investitionen am Ende Deines Lebens natürlich deutlich besser da, als wenn Du das nicht getan hättest.

      Schöne Grüße
      Dominik

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