Trinkgeld

Gretchenfrage: Wie hältst du’s mit dem Trinkgeld?

München, 18.34. Die Wolken ziehen sich bereits zusammen, ein rauher Wind weht durch die Strassen. Nach vielen Stunden harter Marscherei schmerzen mir schon langsam die Füße. Und auch mein Magen meldet sich zu Wort.

„Wollen wir hier bleiben?“, fragt mein Freund, nachdem wir uns schon in das teure Restaurant gesetzt haben. Ich bin zwar nicht ganz zufrieden mit dem Lokal, aber ich habe wirklich keine Lust mehr, nach einem neuen Plätzchen zu suchen. Weil das Wetter so kühl wird, setzen wir uns nach drinnen — heute spielt sogar Live-Musik im Stübchen. „Cool“, denke ich mir und freue mich schon drauf. Mir fällt allerdings erst nach der Bestellung auf, wie grausig der Sänger die Töne trifft und schon bald nervt mich die Dudelei.

Ja, das Gekrächze stresst mich anstatt mich zu entspannen und ich fühle mich sichtlich unwohl. Links von uns sitzt eine große Gruppe asiatischer Touristen und zu unserer Rechten findet wohl ein Junggesellinnen-Abschied statt. Das Lokal ist spärlich besucht — ob es wohl an der Musik liegt? Meinen bestellten Apfelstrudel und mein Getränk versuche ich so schnell wie möglich zu essen, bevor wir wieder den stummen Kellner, der das Lächeln verlernt hat, zu uns rufen. Wir wollen bezahlen. Fast 20€ (für Nichts) leichter, stehe ich auf und wende mich zum Gehen — den giftigen Blick des Kellners nicht im Visier.

„Das ist unverschämt, was du gemacht hast“, flüstert mir mein Freund zu, während wir die Treppen hinunterlaufen. Mein Vergehen?

Ich habe 0,00€ Trinkgeld gegeben.

Nicht das erste Mal

Zugegeben — es war nicht das erste Mal. Letzten Sommer ist mir das Gleiche mit einer Freundin passiert. Ich habe kein Trinkgeld gegeben und meine Freundin hat mich dann hinterher auf den bösen Blick des Kellners aufmerksam gemacht.

„Der hat dich voll böse angeschaut grad“, lacht sie nervös. Wir hatten dann eine kleine Diskussion, dass Kellner auf das Trinkgeld doch angewiesen seien und es in Deutschland eine Selbstverständlichkeit wäre, Trinkgeld zu bezahlen. Sie habe selber mal gekellnert und hätte ohne Trinkgeld kein nennenswertes Nebeneinkommen erwirtschaftet. Und auch mein Freund ist der Meinung, dass ich dem Kellner doch wenigstens 10 Cent hätte dazu legen können?

Ganz ehrlich — nein!

Schon bei 10 Cent hätte ich mich danach geärgert und auch ein falsches Statement gesetzt. Denn erstens hat sich der Kellner gar keine Mühe gegeben — wir wurden stumm und emotionslos bedient, es war ein Standard, den es überall gibt. Nichts Besonderes. Man findet sogar günstige Restaurant-Ketten, in denen der Service viel besser ist. Zweitens war es ohnehin schon sehr teuer, also nehme ich mal an, dass der Kellner wohl nicht hungern wird und ihm auch kein Anreiz geboten wird, sich anzustrengen. Und drittens, habe ich mich in dem Ambiente so unwohl gefühlt, dass ich mich mit dem Essen beeilt habe, was schon wirklich etwas heißen mag. Das will ich mit keinem Cent belohnen.

Im Gegenteil

Im Gegenteil, ich finde diese Anspruchshaltung sogar ziemlich übertrieben. Was kann ich als Kunde dafür, dass der Service vom Arbeitgeber nicht „ausreichend“ entlohnt wird? Wenn ein Kellner am Hungertuch nagen muss, dann ist sein Arbeitgeber die erste Anlaufstelle und nicht die Almosen eines Kunden. Zweitens — wieso sollte ich einem Kellner Trinkgeld geben, wenn er sich keine Mühe gibt? Wieso sollte man so ein Verhalten belohnen? Der Kunde steht immer im Mittelpunkt des Geschäfts. Er ist in jedem Unternehmen der wichtigste Stakeholder und selbst als das kleinste Rädchen im Getriebe ist es wichtig, diesen Zusammenhang zu erkennen.

Die Hand, die uns füttert

Mir ist klar, dass viele im Angestelltenverhältnis nur für das Geld arbeiten, das ihr Vorgesetzter zahlt. Sie sehen nur, dass ihr Arbeitgeber ihnen das Geld auszahlt, er ist also derjenige, dem man gerecht werden will. Und die Hand, die einen füttert, die beißt man bekanntlich nicht.

Aber hier kommt ein kleines Geheimnis: eurem Arbeitgeber geht es ganz genauso. Er wird niemals die Hand beißen, die ihn füttert. Und diese Hand reicht ihm der Kunde. Ein gewissenhafter Arbeitgeber versteht, dass der Kunde immer König ist und immer Recht hat. Er wird es auch in jeder Situation vermeiden, mit einem unzufriedenen Kunden zu diskutieren, denn schlechtes „Word to Mouth“-Marketing ist das Schlimmste, was einem Unternehmen passieren kann. Wer also als Angestellter Kundenkontakt pflegt, sitzt vor den Vorgesetzten seiner Vorgesetzten! Das darf man niemals vergessen.

Keine Frage — der Job als Kellner ist hart. Er ist körperlich anstrengend, erfordert gleichzeitig viele soziale Skills und eine hohe Aufmerksamkeit. Die andere Frage ist aber: Wenn so wenig bezahlt wird, und man auf variable Gelder, die von der Laune des Kunden abhängen, angewiesen ist — wieso macht man diesen anstrengenden Job überhaupt?

Hat man wirklich keine andere Wahl?

Was kann ich als Kunde dazu, dass sich jemand so einen Job auswählt und für weniger arbeitet, als er gerne hätte? Es gibt so viele Nebenjobs — wieso muss es dieser sein und wieso muss ich als Kunde diese Wahl „selbstverständlich“ belohnen? Würden sich die Menschen weigern, zu dem Preis regulär zu arbeiten, dann würde sich das Lohnniveau ganz von selbst heben. Schließlich braucht die Gastronomie zwingend Kellner. Zumindest noch.

Denn man muss auch der Wahrheit ins Gesicht sehen — die Kellnerei ist ein Job, der sehr leicht ersetzt werden kann. Er ist leicht zu bekommen und leicht zu verlieren. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wird diese Arbeit irgendwann von Maschinen erledigt — Will Robots Take My Job? spricht von einer 94%igen Wahrscheinlichkeit, dass dieser Job für Menschen nicht mehr existieren wird. Und ich habe es auch mit eigenen Augen gesehen — auf der CeBiT 2017 wurden Roboter vorgestellt, die bereits sehr hübsch einen Kaffee servieren können. Es ist nur eine Frage der Zeit und vielleicht eine logische Konsequenz aus dem ständigen Jammern.

Wenn du — deiner Meinung nach — zu wenig verdienst, dann kümmere dich um lukrativere Einnahmequellen, anstatt um Almosen von Kunden zu ringen. 

Soweit ich sagen kann, trifft man diese überzogene Haltung vor allem bei eher kostspieligen Gastronomien. Als meine Mutter in Moskau war, erzählte sie, dass dort ein Kaffee umgerechnet 8€ kostete. Sowas stimmt mich nachdenklich — auch in München kam mir der Gedanke: Führen sehr reiche Menschen eigentlich ein qualitativ schlechteres Leben? Immerhin scheinen sie täglich Dinge für ein viel schlechteres Preis-Leistungs-Verhältnis zu erwerben.

Zurückweisung — wir kämpfen alle damit

Ein weiterer Aspekt, der mich in der Hinsicht beschäftigt, ist, dass wir alle lernen müssen mit Zurückweisung umzugehen. Wenn man sich keine Mühe gibt, aber dafür — wie selbstverständlich — eine Belohnung erwartet, dann läuft etwas gehörig falsch. Schließlich erhälst du in jedem anderen Job auch kein „Trinkgeld“, wenn du deinen Job einfach machst, wie du ihn machen sollst. Belohnungen und Anerkennungsprämien — wie ich das Trinkgeld als solches verstehe — gibt es nur bei besonderer Leistung. Das erinnert mich an eine kleine Passage aus UNSCRIPTED* von MJ DeMarco. Eine Grundschule in Michigan hatte den Eltern der Schüler folgende Mitteilung geschrieben:

„The purpose of the day is for our school to get together for an enjoyable two hours of activities and provide an opportunity for students, teachers and parents to interact cooperatively. Since we believe that all of our children are winners, the need for athletic ability and the competitive „urge to win“ will be kept to a minimum. The real reward will be the enjoyment and good feelings of participation.“

(Der Zweck dieses Tages ist es, dass unsere Schule für zwei unterhaltsame Stunden lang zusammenkommt und Schülern, Lehrern und Eltern die Möglichkeit bietet, miteinander in Kontakt zu treten. Da wir der Überzeugung sind, dass alle unsere Kinder Gewinner sind, wird der Bedarf an sportlichen Fähigkeiten und der kompetitive „Drang zu gewinnen“ auf ein Minimum reduziert. Die wahre Belohnung wird die Freude und die guten Gefühle der Teilnahme sein.)

MJ’s Kommentar dazu:

„– Ahh, „good feelings of participation“– God knows life is filled with those, right? Merely „participate“ at work and you get fired. How’s that for good feelings? […] Similarly, a Rhode Island middle school pushed the mediocrity mandate by trying to cancel their traditional honors night because rewarding students who do well is „exclusive“. After an uproar from some parents, they backtracked. […] Perhaps next year, the Rhode Island school can honor the students who thought heir homework sucked and played Call of Duty for four months straight. […] They’re brainwashed to believe that life is fair and it will protect your feelings. Hard work, optional. Competing, optional. Going above the call, optional. […]“

(Ahh, die „guten Gefühle der Teilnahme“ – Gott weiß, dass das Leben voll damit ist, richtig? Nimm lediglich bei deiner Arbeit teil und du wirst gekündigt! Wie ist das für deine guten Gefühle? […] In ähnlicher Manier hat eine Rhode Island Middle School das Mittelmäßigkeits-Mandat durchgesetzt, indem sie versucht hat, ihre traditionelle Ehrennacht abzusagen, weil die Belohnung von Schülern, die gut abschneiden, „exklusiv“ ist. Nach dem Aufruhr einiger Eltern zogen sie das jedoch zurück. […] Vielleicht kann im nächsten Jahr die Schule in Rhode Island die Studenten ehren, die dachten, ihre Hausaufgaben wären unnötig und die lieber vier Monate lang ohne Unterbrechung Call of Duty gezockt haben. […] Sie werden einer Gehirnwäsche unterzogen, um zu glauben, dass das Leben fair sei und Rücksicht auf deine Gefühle nehme. Harte Arbeit, optional. Konkurrenz, optional. Mehr leisten als nötig und sich anstrengen, optional.)

Die Menschen wollen fürs Nichtstun bezahlt werden und auch hohe Gehälter bei niedriger Arbeitsqualität erhalten. Sie wollen dafür gelobt und belohnt werden, dass sie überhaupt erscheinen und teilgenommen haben. Heutzutage wollen wir die Gefühle der Menschen beschützen und sie loben, obwohl kein Lob angebracht ist. So gehst du niemals leer aus.

Nein, nein und nochmals nein

Ich sehe mich noch jetzt — nach vielen Ermahnungen — nicht in der Verantwortung, einem Kellner, der schlechten bis durchschnittlichen Service liefert, ein höheres Einkommen zu finanzieren. Abgesehen davon, ist es sowieso in gewisser Weise irritierend und arrogant, dass man sich für einen Fremden verantwortlich fühlen muss — ein Fremder, der gut situiert in einem Industrieland aufgewachsen ist, lesen, schreiben, klar denken und eigene Entscheidungen treffen kann. Der vielleicht sogar akademisch gebildet ist (Studentenjobs). Ein Fremder, der ganz klar in der Lage sein sollte, sich selbst zu helfen, wenn er in Schwierigkeiten gerät.

Ein Trinkgeld ist für mich eine Art Anerkennungsprämie, die nur bei besonderer Leistung gezahlt wird. Dazu muss der Restaurant-Besuch für mich ein schönes Erlebnis gewesen sein — mit freundlichem Service, der mich ernst nimmt und beachtet. Ich denke schon, dass ein Lächeln und freundliches Auftreten dabei Standard sein sollte.

Geiz ist geil?

Manche würden dieses Verhalten vielleicht als Geiz bezeichnen. Aber das würde ich nicht sagen. Ich versuche ja kein Geld zu sparen. Ich besuche schon teure Restaurants und beschwere mich nicht über die Preise. Ein kleiner Apfelstrudel für 10€ ? — Ja, okay, meinetwegen. Wenn es aber kein superduper Apfelstrudel ist und der Kellner sich kein Lächeln oder eine freundliche Mine herauskitzeln kann, gibt es eben auch keinen Cent Trinkgeld. So einfach ist das.

Am nächsten Tag habe ich übrigens sehr wohl wieder Trinkgeld gegeben — in einem anderen teuren Lokal, bei dem ich das Essen super fand. Ich gestehe, dass es zum Teil nicht nur vom Verhalten des Kellners abhängt, ob ich Trinkgeld gebe, sondern auch viele weitere Dinge mit einspielen: Wie ist das Ambiente — fühle ich mich wohl? — Ist das Essen gut? Usw. Manchmal kommt es sogar schlicht auf meine Laune an. Manchmal weiß ich gar nicht, warum ich mich so gut oder schlecht fühle, wenn wir irgendwo sitzen. Da spielen wahrscheinlich viele unbewusste psychologische Faktoren mit, die zu der Entscheidung führen.

Wie hältst du es mit dem Trinkgeld? Ein Muss — ohne Wenn und Aber? Oder siehst du das so ähnlich wie ich?

Ich bin gespannt auf eure Kommentare 🙂

Anna

Zum Weiterlesen: „Muss ich Trinkgeld geben?“

Anmerkung von Dominik: Dies ist der erste Beitrag von Anna hier auf dem Blog (siehe dazu meine Ankündigung). Wird deutlich, dass der Beitrag nicht von mir ist oder sollten wir das auf andere Weise am Anfang deutlicher machen?

Abgesehen davon, dass Anna viel bessere Texte schreibt? 😉

36 Kommentare

  • Christian Wimmer

    Als jemand der selbst als Dienstleister arbeitet, runde ich zumindest zum nächsten Euro auf. Aber ich sehe das wie du. Ist der Service schlecht und fühle ich mich nicht wohl gibt es nix extra, das Grundgehalt kriegt der Kellner ja sowieso.

    • Hey Christian 🙂
      Danke für den Kommentar.
      Da bin ich ja froh, dass ich nicht ganz alleine bin^^ Ich fühle mich manchmal, als wäre ich die Einzige, die das eher skeptisch sieht …

      Viele Grüße 🙂
      Anna

  • Hi Anna,

    da kann ich mich zu 100 % wiederfinden! Ich gebe auch nicht immer Trinkgeld und wenn variiert die Höhe sehr stark abhängig von der Qualität der Kellner-Leistung. Bei mir liegt genau der eine Satz dahinter, den Du auch geschrieben hast: „Mir zahlt auch niemand Trinkgeld, wenn ich meinen Job schlecht mache“. Tatsächlich zahlt mir noch nicht einmal jemand Trinkgeld, wenn ich ihn sehr gut mache – aber gut, dafür habe ich wohl auch ein höheres Grundgehalt als ein Kellner; auf der anderen Seite war es auch schwieriger meinen Job zu bekommen und ich würde auch behaupten, er ist eine höhere Herausforderung als simples Kellnern.

    Die Servicequalität in deutschen Restaurants ist leider insgesamt echt schlecht – ich finde eigentlich fast immer Verbesserungspotential (und sei es nur, mich nicht 30 Minuten vor einem leeren Glas sitzen zu lassen…). Ist der Kellner wenigstens freundlich, runde ich den Rechnungsbetrag eigentlich immer auf. Bei tollem Service bin ich auch bereit etwas mehr zu geben. Aber genauso eben bei schlechtem Service oder mangelnder Freundlichkeit gar nichts zu geben.

    Ach und im Eissalon um die Ecke gebe ich aus Prinzip kein Trinkgeld mehr – die Preise sind einfach inzwischen zu unverschämt…wenn Eis doch nur nicht so lecker wäre 😉

    Viele Grüße
    Marielle

    P.S. Ich habe sofort gemerkt, dass Dominik seinen Schreibstil irgendwie verändert hat – allerdings war ich dann doch überrascht als am Ende stand, dass der Artikel von Dir ist 😉 Ich finde eine zusätzliche Kennzeichnung ist nicht nötig – so bleibt es bis zum Ende spannend / ich kann raten, wer wohl heute von Euch geschrieben hat.

    • Huhu Marielle!
      Danke für deinen Kommentar 🙂
      Genau, dein Job war ja sicherlich auch mit einer längeren Ausbildung verbunden, die auch erst mal gestemmt werden musste. Als Kellner kann man auch ohne große Vorkenntnisse anfangen, der Job ist leichter zu bekommen. Das wird wohl bei der Vergütung eine Rolle spielen. Ich habe zwar selbst nie gekellnert, aber ich glaube, der Job ist schon nicht so ohne. Dann finde ich es aber umso komischer, wenn man bereit ist, für so wenig zu arbeiten. Ist ja auch eine Sache von Angebot/Nachfrage.

      Ich finde die Servicequalität meistens auch nicht so toll. Vor allem finde ich es ein bisschen dreist, wenn das Personal dann eben völlig selbstverständlich Trinkgeld erwartet und dann einen mit geschockten Gesichtern anstarrt … nach dem Motto: „Ich kann machen, was ich will, ich krieg immer was, ist ja selbstverständlich“ …

      Haha, aber spätestens bei „mein Freund“ hätte man doch stutzig werden müssen!! 😀

      Viele Grüße 🙂

    • Grundsätzlich stimme ich dem Artikel und deinem Kommentar zu. Jedoch: Jeder hat eine andere Sichtweise darauf, was guter und was schlechter Service ist. Ich kann es beispielsweise gar nicht ab, wenn der Kellner die ganze Zeit um einen herum scharwenzelt und/oder dauernd ankommt und fragt, ob ich noch etwas möchte. Da kann er noch so aufgeschlossen und (echt und nicht nur gespielt) freundlich sein, dann gibt es nicht viel. Andere hingegen wünschen sich genau das. Woher soll der Kellner aber nun wissen, welcher Typ man ist?

      • Hey Markus! Danke für deinen Input!

        Du hast Recht – da hat jeder einen anderen Geschmack und Vorlieben. Genau deswegen ist es auch nicht so gut, die Bezahlung vom Kunden abhängig zu machen, vielleicht. Am Ende spielen viele Faktoren rein, bei denen der Kellner nicht einschreiten kann. Zum Beispiel spielt die Qualität des Essens ja auch eine Rolle, ob man zufrieden ist. Manchmal war das für mich schon ein Grund, doch ein Trinkgeld zu geben. Das wäre dann aber eher ein Kompliment für den Koch, aber der Kellner heimst dann die Lorbeeren ein. Ich finde das Thema schwierig … Am besten fände ich es, wenn das Gehalt zwischen Mitarbeiter und Arbeitgeber diskutiert wird und ich als Kunde mir keine Gedanken machen muss :/

        Viele Grüße 🙂

  • Auch wenn ich sonst nicht viel von Benimmregeln halte, bin ich da ausnahmsweise beim Knigge:

    – Wenn alles normal war, gibt es 5-10%
    – Wenn eher grimmig geguckt wurde und Freundlichkeit auch sonst kaum stattfand, weniger als 5%
    – Wenn es wirklich furchtbar war (z.B. Bestellung verwechselt und versucht, Schuld auf Kunden zu schieben, Essen innen noch gefroren, patzig-unfreundliche Antworten auf Nachfragen/Sonderwünsche), gibt es natürlich gar kein Trinkgeld – auch da muss der Kellner gegebenenfalls die Fehler der Küche mit ausbaden, die kriege ich aber nicht direkt zu sprechen
    – Wenn „die extra Meile“ gegangen wurde (gute Empfehlungen, auch Sonderwünsche mit einem Lächeln erfüllt, freundliche Worte etc.), auch mal mehr als 10%

    Bei den letzten beiden Varianten erwähne ich aber schon der Fairness halber auch immer die Gründe, denn wie soll es sonst beim nächsten Mal besser werden?

    Natürlich ist das nicht wirklich objektiv und auch Stimmungsschwankungen unterlegen, mal auch dem vorhandenen Kleingeld (wenn ein großer Schein gewechselt werden muss, gebe ich auch mal alleine dafür einen Euro extra). Und generell gibt es eigentlich nur dann Trinkgeld, wenn ich am Platz bedient werde, d.h. ein Eis to go an der Eisdiele, ein Menü bei McDonalds oder der Kassierer im Supermarkt gehen leer aus. In einem Restaurant oder beim Friseur geht es nach den oben genannten Regeln, bei Zwischenvarianten (Bestellen an der Theke, Essen wird dann aber an den Tisch gebracht) gebe ich meist auch etwas weniger.

    Amüsant finde ich übrigens, dass der Artikel zum Weiterlesen kürzen ist, als deiner 😉

    Auf jeden Fall wieder ein interessantes Thema, ich habe den Artikel hier wieder gerne gelesen!

    • Huhu Luttz!! 🙂 Danke für deinen Kommentar 🙂

      Schuld auf Kunden schieben!! Da krieg ich Schnappatmung :-O Das darf man niemals, niemals tun. Zum Glück habe ich sowas in der Gastro noch nicht mitgekriegt… aber dafür mal im Zug. Das war wirklich dreist!

      Ich finde es generell anstrengend, darüber nachzudenken, was so ein Kellner bekommt und was nicht. Jeder handhabt das irgendwie anders. Am Liebsten wäre es mir, wenn die Preise fest wären, man zahlt einfach und die Vergütung ist – wie überall sonst – eine Sache zwischen Arbeitgeber und Mitarbeiter. Das soll wohl so in Japan sein …

      Danke 🙂 Ja, der Zeit-Artikel ist recht kurz, aber in den Kommentaren wurde ganz schön kontrovers diskutiert ^^ Jede Seite war vertreten. Das Thema „Trinkgeld“ spaltet wohl die Gemüter.

      Viele Grüße 🙂
      Anna

  • Pascal Weichert

    Meine Frisörin bekommt jedes mal Trinkgeld. Sie schafft es immer wieder, dass mein mit Wirbel verwöhnter Kopf sehr gut aussieht, manch so ein Frisör ist schon daran gescheitert. 🙂

    Grundsätzlich esse ich fast nie auswärts. Aber einmal im Monat ein Wrap oder Döner ist drin.

    Bei meiner Stamdönerbude gebe ich auch meistens Trinkgeld. Dann werden aus 3,5€ 4 oder 5. Ist einmal im Monat. Was besonderes halt.
    Und das hat sich gelohnt. Der Besitzer weiß mittlerweile, dass ich ein sehr guter Kunde bin. Einmal bin ich mit einer Freundin Döner holen gewesen bei ihm. Er: “ Ach Pascal, hier für dich und deine Freundin üludag (kostenlos) dazu“. Er hat sich richtig Mühe gegeben und meine Begleitung war sichtlich begeistert von dem Social Proof 😀
    Achte mal darauf, bei Dönerbuden und co. Sind die Deutschen auf einmal sehr Penibel beim Geld.
    Es gab eine andere Dönerbude, dort schmeckt es echt extrem, aber der Besitzer macht einen Eindruck, als ob er innerlich gestorben wäre. -> Kein Trinkgeld.

    Allgemein sehe ich das Geld als Leistungsanerkennnung an. Wenn egal wer einen guten Job macht. Bekommt er Trinkgeld. Wenn nicht dann nicht 🙂

    Gruß,
    Pascal

    • Hey Pascal 🙂

      Bei Frisören habe ich auch manchmal Trinkgeld gegeben, manchmal sogar echt großzügig. Da war ich aber irgendwie in einer spendablen Laune und das hatte weniger mit dem Service zutun ^^
      Ich esse auch nicht so oft auswärts, deswegen stellt sich die Frage gar nicht so oft. Döner esse ich leider überhaupt nicht, aber ich glaube, hier ist es nicht üblich, an so einem Stand Trinkgeld zu geben. Finde ich sehr gut, dass dich der Besitzer dafür „belohnt“ hat und dir etwas spendiert hat. An so einem Verhalten muss man sich ein Beispiel nehmen 🙂

      Genau, wenn die Leute so miesepetrig sind, dann sehe ich das auch als großen Minuspunkt. Jeder hat seine Probleme und gerade wenn man im Kundenkontakt ist, ist es ein großes Manko, das nach außen an den Kunden zu tragen. So ist das halt, man muss trotzdem lächeln, freundlich sein, zuhören. Nur der Kunde kann sich erlauben, schlechte Laune zu haben. Da gibts keine Ausreden.

      Viele Grüße 🙂
      Anna

  • Ich hatte das mal beim Mittagessen in einem Restaurant, als ein falsches Gericht kam und der Kellner behauptete, eine andere Nummer sei gesagt worden (die Gerichte waren auf der Karte nummeriert). Erst als wir gesagt habe, dass wir auch gehört haben, dass unser Kollege die richtige Nummer gesagt hat, ist der Kellner missmutig zur Küche gegangen, und hat dann einige Zeit später das richtige Gericht gebracht. Wir sind da dann auch nie wieder hingegangen.

    In Japan ist es tatsächlich so, dass Trinkgeld zumindest nicht erwartet wird, obwohl es in den touristischen Gegenden durch die Reisenden schon bekannt ist und dort auch meist nicht (mehr) abgelehnt wird. Abseits der touristischen Zentren wird Trinkgeld in Japan aber wohl teilweise wie Almosen angesehen, deren Annahme wohl eine Art Entehrung darstellen würde, weswegen die Geste durchaus negativ ankommen kann. Ich war aber zuletzt vor 10 Jahren dort (und auch nur 6 Tage), kann daher auch hauptsächlich nur gelesenes dazu wiedergeben.

    Ich bin bei der ganzen Sache zwiegespalten: Bei einer schlechten (Dienst-)Leistung etwas weniger bezahlen zu können, als üblich, finde ich eigentlich ganz gut, wobei es mir noch wichtiger ist, bei herausragend guten auch etwas dazugeben zu können, ohne riesige Verwirrung zu erzeugen. Dennoch hätte ich manchmal auch ganz gerne eine Art „Richtpreis“ auf der Karte, der ein empfohlenes Trinkgeld bei normaler Zufriedenheit enthält, weil es die Planung etwas erleichtert, ich kann aber auch mit der aktuellen Situation ganz gut leben.

    • Oha wow, wenn das sein Arbeitgeber wüsste. So etwas habe ich vor einer Weile auch im Zug erlebt. Ein Pärchen hat sich Tickets am Schalter geholt und beraten lassen. Bei der Kontrolle waren die Karten aber irgendwie falsch und die Kontrolleurin sagte dann: „Also, das lasse ich ihnen nochmal durchgehen. Aus Kulanzgründen erkennen wir das an.“
      Da sind die beiden ausgerastet und wurden schon laut. Sie haben sich nämlich beraten lassen, welche Karten sie bräuchten, also lag der Fehler bei dem Mitarbeiter am Schalter und nicht bei ihnen. Und ihnen kam das total unfair und dreist vor, die Frau spricht dann noch von „Kulanz“. Und die wollte nicht aufhören, zu diskutieren. Die Kontrolleurin war drauf und dran, ihre Kollegen zu schützen und das Unternehmen zu verteidigen. Zum Glück kam dann eine Vorgesetzte, hat sich entschuldigt und gesagt, sie leiten den Fehler weiter oder sowas. Da hat sich das Pärchen dann beruhigt.

      Total gefährlich ist sowas. Denn dann passiert genau das, was du schreibst: Man geht nie wieder hin. Und schlimmer noch – über ein schlechtes Erlebnis in einem Unternehmen redet man IMMER und das wird sich wie ein Lauffeuer ausbreiten und das Image schädigen. Leider verstehen viele Angestellte das nicht. Sie wissen nicht, woher das Geld kommt. Sie sehen nur, ihr Arbeitgeber zahlt das, also wollen sie ihn zufrieden stellen und der Kunde ist egal. Dabei ist der Kunde die Quelle ihres Gehalts! Hier liegt die Schuld aber auch am Arbeitgeber, denn wenn sowas vorkommt, dann kommuniziert er nicht richtig, wie wichtig der Kunde ist.

      In Japan war ich leider noch nicht. Ich finde Trinkgeld hat tatsächlich einen kleinen Beigeschmack von Almosen, besonders, wenn er als so selbstverständlich erachtet wird. Da kann ich die Mentalität da schon verstehen…

      • OT: Woher soll die Mitarbeiterin wissen, ob der Mitarbeiter am Schalter tatsächlich das falsche Ticket verkauft hat und die Kunden nicht einfach was anderes gekauft haben?
        Die Mitarbeiterin hat in dem Fall eigentlich äußerst freundlich reagiert und die Kunden aus Kulanz mitnehmen wollen.
        Dass die beiden Kunden daraufhin ausgerastet sind ist für mich völlig unverständlich.

        • Hey Franz!

          Es geht bei diesen Themen nicht um die Wahrheit — natürlich besteht die Möglichkeit, dass die Kunden etwas falsch verstanden haben, das falsche Ticket gekauft haben, und de facto vielleicht tatsächlich schwarz fahren. So wie ich verstanden habe, haben sich die Leute aber bemüht, das Richtige zu tun. Sobald es Reibereien gibt, muss der Produzent aber immer auf Seite des Kunden stehen. Er muss sich entschuldigen, auch wenn es nicht seine Schuld war. Sorry, aber die Gefahr, dass der Kunde schlecht über das Unternehmen redet, ist einfach viel zu groß. Der Kunde hat immer Recht, auch wenn er Unrecht hat, Punkt.

          Das wissen viele Angestellte nicht.

          Mit Kunden streitet man nicht. NIE.
          NIE. NIE. NIE.
          Sie werden sonst nie wieder bei dir einkaufen und erzählen das auch noch ihren Freunden und Nachbarn. Und die erzählen es dann ihren Freunden und Nachbarn. Und die dann ihren … und dann bist du pleite.

          Das Ego runterzuschlucken, obwohl man vielleicht Recht hat, ist eine Herausforderung, die man meistern muss, wenn man viel Geld verdienen möchte. Der Markt hat immer Recht — deine Kunden haben immer Recht — sind sie nicht zufrieden, machst du etwas falsch.

          Viele Grüße,
          Anna

  • Interessantes Thema, in der Regel gebe ich immer Trinkgeld. Der Service ist selten schlecht. Wenns aber wirklich unter aller Sau ist, zahle ich den Betrag auf den Rappen genau.

    In den USA ist es sehr speziell, da ist der Service immer sehr gut, wobei auch wenns wirklich „schlecht“ ist sollte man dort Trinkgeld geben. Den als Kellner verdient man dort unter dem minimal Gehalt von 7.50$ (waren irgendwie 2-3$ oder so) und der Rest wird von den Trinkgeldern finanziert. Alles unter 15% grenz bei dennen schon fast zu Geiz. Bei gutem Service wird standardmässig um die 20% erwartet.

    An und für sich Trinkgeld ja, vor allem in den Stammlokalen (ich gehe oft in die Selben Restaurants). Da gebe ich sogar in der Schweiz gut und gerne 10-15% (was eher viel ist). Ansonsten halte ich mich an die Rundungs regel auf den nächsten 5er oder 10er, je nach Betrag und komme so mit auf 5-8%

    Grüsse
    Thomas

    • Hey Thomas! 🙂

      Stimmt, in den USA ist es anders. Ich weiß nicht, wie ich mich da verhalten würde, vor allem, wenn der soziale Druck so hoch ist. Aber komisch, dass gerade in diesem Land das so selbstverständlich ist. Aber ich habe mir sagen lassen, dass der Service dort auch sehr viel besser ist, als das was wir hier in Europa kennen … (gut, ich weiß es nicht ^^).

      Viele Grüße 🙂

      • In vielen Lokalen (Tourismus Orte) ist das Trinkgeld sogar auf der Rechnung automatisch angegeben/aufgelistet. Da ich letztes Jahr auf einem Roadtrip war, habe ich gut die Unterschiede zwischen Grossstädten (Touristen-Magneten) und der Pampa begutachten können. Ich empfehle jedem einen Roadtrip zu machen um sich ein echtes Bild über die USA zu machen, nur New York, LA, Vegas oder andere beliebte Orte reicht da einfach nicht. Die richtige USA besteht nämlich aus viel Land und langen Strassen soweit das Auge reicht.

        Ich muss gestehen, in den USA würde ich mich überhaupt nicht wohl fühlen gar keinen Tip zu zahlen. Allerdings würde ich es durchziehen, tatsächlich gab es einen Fall. Aber der Kollege mit dem ich gereist bin, hat darauf bestanden das wir trotzdem den Tip zahlen. Ich denke den meisten geht es dort so, wenn sie Ferien machen (Tip wird einfach gezahlt, fertig..

        Grüsse
        Thomas

        • Cool 🙂 Danke für deinen Einblick! Die USA will ich auch auf jeden Fall mal besuchen, und zwar auch ‚richtig‘ und nicht nur die Touri-Gebiete. Sobald das soweit ist, schreibe ich dir auf jeden Fall nochmal!

          Ich denke, im Urlaub ist man generell großzügiger. So oft auswärts gegessen wie neulich in München würde ich im Alltag nie machen. Das war ganz schön teuer, aber ich dachte mir immer, dass das ja eh einmalig und nicht regelmäßig ist, also was soll’s! Von dieser Denkweise profitieren bestimmt viele Touristengebiete^^

  • Hallo Anna ,

    In der Sache Trinkgeld halte ich es ähnlich wie du . Bei gutem Service gibt es Trinkgeld bei schlechtem gibt es keins.

    Ansonsten finde ich deinen Artikel sehr überheblich geschrieben . Viele Kellner sind Schüler und Studenten im nebenverdienst, Migranten oder Menschen ohne formalen Berufsabschluss. Sie ernähren mir ihrem Job die Familie oder finanzieren ihr Studium und bezahlen ihre Schulden. Sie finden nicht einfach etwas anderes und sind oft froh den schlecht bezahlten Job ausüben zu können .

    Das neoliberale gequatsche “ such dir was besseres “ ist oft individuell nicht so leicht oder gar nicht umzusetzen . Gerade jüngere und privilegierte Menschen wie du, sollten das einfach mal bedenken. Und froh sein,
    dass es Kellner , Putzfrauen, landwirte usw. Gibt. Für mich war der Artikel deswegen ehrlich gesagt äußert unangenehm zu lesen . Die zeilen triefen vor überheblichkeit. Zum Schluss stellte ich erst fest , dass nicht Dominik der Autor ist .

    Trotzdem oder gerade deswegen mein Kommentar, würde mich freuen wenn du mal drüber nachdenkst .

    • Huhu 🙂

      Danke für dein ehrliches Feedback! Ich habe mir schon Gedanken gemacht, ob er vielleicht überheblich oder arrogant rüberkommen könnte und hatte Sorge. Ich möchte nämlich niemanden runtermachen und bin froh, dass es solche Arbeitskräfte gibt. Ich fühle mich gar nicht privilegiert, ehrlich gesagt. Ich habe nämlich ähnliche Probleme und ich glaube, viele Menschen müssen sich Gedanken machen, woher das Geld fließen soll. Leicht ist es absolut nicht :/ Aber ich denke, das muss es auch nicht sein.

      Gerade bei einem schlechten Deal (Harte Arbeit – wenig Bezahlung) ist es besser, wenn man sich langfristig Gedanken macht, wie man da wieder rauskommt oder welche besseren Alternativen es gibt. Früher oder später muss man sich diese Gedanken machen, weil die Automatisierung einem die Entscheidung abnimmt …

      Viele Grüße 🙂
      Anna

  • Ich kellnere neben meinem dualen Studium. Persönlich sehe ich Trinkgeld nicht als Verpflichtung. Außerdem sehe ich auch nicht zwingend, dass kein Trinkgeld Kritik bedeutet. Eher freu ich mich über jeden €.
    Wenn die Mitarbeiterin an der Edeka Kasse mich freundlich behandelt, geb ich ihr ja auch kein Trinkgeld.
    Trinkgeld ist hier eher ein Bonus für gute Leistung, aber wie gesagt, kein Trinkgeld nicht zwingend Kritik.
    Durch mein Grundgehalt als Kellner, dass ein bisschen über Mindestlohn liegt, bin ich auch nicht zwingend aufs Trinkgeld angewiesen. Da ich auf 450€-Basis arbeite ist Brutto=Netto und um die 10€ Netto ist doch ein sehr gutes Gehalt für eine ungelernte Kraft 🙂 .

    • Hey Tom! 🙂 Danke für deine Einsicht 🙂

      Genau, viele andere anstrengenden Jobs kriegen auch kein Trinkgeld, weswegen ich die Diskussion komisch finde. Ich finde auch, dass die Bezahlung eher eine Sache zwischen Arbeitgeber und Mitarbeiter sein sollte. Ich finde es ganz schön stressig, mich dafür verantwortlich zu fühlen, zu überlegen, was jetzt gut ist und was nicht, dabei will ich einfach nur was trinken, essen und eine gute Zeit haben. Ich würde kein Trinkgeld auch nicht zwingend als Kritik betrachten. Kann ja sein, dass der Kunde gerade schlechte Laune hat oder spart. Vielleicht ist er auch geizig, ja, aber wir haben ja alle unsere Fehler, oder? ^^

      Viele Grüße 🙂
      Anna

  • Wir gehen recht häufig essen und ausser bei schlechtem Service gibt’s eigentlich immer was. Entweder aufrufen auf die nächsten halbe oder volle oder zw 5-10%. Mehr eigentlich selten, zumindest in D. Und nur weil das Essen teuer ist (guten Service vorausgesetzt) kein Tip zu geben ist auch keine Lösung.

    In den USA sollte man nicht unter 15% anfangen,ausser man steht auf „was anything wrong with 5he service?“ Nachfragen 🙂
    Dafür ist der Service dort auch oberflächlich freundlicher und besser.
    Angenehm ist es auch in Teilen der UAE wo die service fee in den Preisen inkludiert ist.
    Ähnlich auch in Spanien, an der Bar ist es billiger als am Tisch.
    Ansonsten sollte man immer die anderen Leute im Kopf haben, nicht nur der Kellner sondern auch Küchenpersonal, etc.
    Ähnlich halte ich es bei Taxifahrten, auch da gibt es immer noch etwas on top.
    Mag aber auch daran liegen dass ich während meines Zivildienst im Krankenhaus auch regelmäßig was bekommen habe als auch bei späteren Arbeiten im Service Bereich.

    • Hallo Mat 🙂 Danke für deinen Kommentar.

      In den USA habe ich leider keine Erfahrung 🙁 Bei Taxifahrten ist bei mir auch schon beides Mal vorgekommen. Also, dass ich mal gar nichts gegeben habe und ein Anderes Mal sehr großzügig sogar. Das hatte aber in beiden Fällen irgendwie kaum was mit der Fahrt zutun, sondern eher mit meiner Laune und den Umständen (ich fahre recht selten Taxi, aber wenn ich es tue, dann ist es ziemlich dringend. Einmal war ich so froh über die schnelle Möglichkeit, dass ich wirklich großzügig mit Trinkgeld war).

      Viele Grüße 🙂
      Anna

  • Pingback: Trinkgeld für den Kellner? Nein danke, du hast Mindestlohn

  • Als ich anfing mein Kommentar zu schreiben, ist es etwas ausgeartet. Nun Hab ich ein eigenen Beitrag darüber verfasst. Kurzgesagt: Ich sehe es wie du.
    Wenn du doch Lust hast alles zu lesen : https://passives-einkommen.blog/trinkgeld-fuer-den-kellner-nein-danke-du-hast-mindestlohn/

  • Hi Anna,

    Ich bin erfreut, dass du und auch andere Kommentatoren meine Einstellung teilen.
    Ich gehe vlt noch einen winzigen Schritt weiter, bei mir gilt beim Trinkgeld das ‚Alles-oder-nichts‘-Prinzip. Da ich selber lange Zeit im Nebenjob in der Gastronomie gearbeitet habe ich Trinkgeld immer 10% bei mir. Alles darunter ist eher ein Hohn und setzt kein klares Statement zum schlechten Service (meine Meinung).
    Allerdings bin ich auch schnell dabei garkein Trinkgekd zu geben und dafür reicht es durchaus schon, wenn die Bedienung am Ende nur einen kapitalen Fehler macht. Für mich zählt das Gefühl in dem Moment, wenn ich die Rechnung bekomme.
    Alles war super und dann warte ich wirklich, wirklich lange auf die Rechnung trotz halb-leerem Laden? Kein Trinkgeld.
    Ich fand alles super und dann werde ich ab dem Moment, wo ich die Rechnung haben will kaum noch angesehen? Kein Trinkgeld.
    Ich sitze nach meinem letzten Getränk noch eine Zeit da ohne zu bestellen oder die Rechnung zu ordern und werde darauf aufmerksam gemacht, dass ich gehen oder bestellen muss? Ich komme niemals wieder in diesen Laden.

    In diesem Sinne, lasst es uns richtig oder garnicht machen 🙂

    Gruß
    Jule

  • Hey Jule! 🙂 Danke für deinen Kommentar!
    Wie man mir die Rechnung bringt, darauf habe ich noch nie geachtet, ehrlich gesagt 😀 Aber deine Ausführungen klingen sehr plausibel. Sowas wie im letzten Fall klingt ungewöhnlich, ist mir aber tatsächlich schon einmal passiert: Ich war mit einer Freundin in Amsterdam essen und da wurden wir, als wir fertig gegessen haben, sofort rausgeschmissen (war ein kleines Lokal, unteres Preissegment und die wollten wohl noch so viele Kunden wie möglich versorgen …). Das war schon eine krasse Erfahrung. Da haben wir auch nur den Festpreis gezahlt, ist ja wohl klar 😀

    Ich wusste nicht, dass es wie Hohn ankommt. Dann achte ich das nächste Mal besser drauf, dass ich die 10% knacke 🙂 (Wenn es denn was gibt 😉 )

    Viele Grüße 🙂
    Anna

  • Hallo Anna,

    in Ländern, wo das Trinkgeld einen großen Anteil am Gehalt der Kellner ausmacht, macht es Sinn viel Trinkgeld zu geben und das werde ich auch weiterhin machen. In Deutschland allerdings gibt es ein Grundgehalt und das Trinkgeld ist für mich eine zusätzliche Anerkennung für einen guten bis sehr guten Service. Ich habe auch Jahre lang gekellnert und habe es nie persönlich genommen, wenn es kein Trinkgeld gab. Ich war nicht darauf angewiesen, es war ein Bonus.

    Ich finde es anstrengend, wenn man mit Bekannten ausgeht, die einen vorwurfsvoll anschauen und jedes Mal diskutieren müssen, warum es dieses Mal wieder zu wenig oder gar kein Trinkgeld gab? Ich muss auch für mein Geld hart arbeiten und kann selbst entscheiden, für was und für wen ich mein Geld ausgebe. In meinem Job gibt es auch kein Trinkgeld.

    Warum ist es Vorschrift, Kellnern, Hotelpagen und Frisören Trinkgeld zu geben, Putzfrauen oder Krankenpflegern aber nicht? Sie werden ähnlich schlecht bezahlt und bieten mindestens einen genauso wertvollen Service.

    Beste Grüße
    Nico

    • Hey Nico 🙂 Danke für deinen Kommentar 🙂

      Ich frage mich auch, warum das in manchen Berufsfeldern so selbstverständlich ist und in anderen nicht. Das macht die Diskussion für mich auch so irrational. Ja, das Diskutieren ^^ Naja, es kommt eigentlich nicht so oft vor, wie ich es in diesem Beitrag rüberkommen muss. Am Allernervigsten finde ich eher die verdutzten Gesichter der Kellner, die einen anschauen, als hätte man etwas ganz, ganz Schlimmes gemacht …

      Schönes Wochenende 🙂
      Anna

  • Nico, den Satz kann ich nur unterschreiben.

    „Warum ist es Vorschrift, Kellnern, Hotelpagen und Frisören Trinkgeld zu geben, Putzfrauen oder Krankenpflegern aber nicht? Sie werden ähnlich schlecht bezahlt und bieten mindestens einen genauso wertvollen Service.“

    Wenn ich im KH war gabs auch immer was für die Kaffeekasse. Und die Reinigungsdamen im Hotel bekommen auch immer was, wenn es auch nur Kleinbeträge (1-2 Euro) sind. Wenn der Service gut war gibts ein kleines Special. Unsere Mülltonnn werden zB immer vorm Haus abgeholt und nachher wieder ordentlich hingestellt. Muss man nicht machen, kann man aber. Das finde ich super und honoriere das auch.
    In Bereichen, wo direkte Zahlung nicht üblich ist auch mal ein Fläschchen Sekt oder so.

    • Hallo Mat, sehe ich genauso! Wenn der Service echt gut ist oder die Person besonders sympathisch oder motiviert ist, dann gibt es von mir auf jeden Fall eine Anerkennung. Manchmal ist es etwas Materielles und manchmal gibt es einfach anerkennende Worte. Das ist auch unabhängig von der Branche.
      Ich brauche dafür aber keine Moralapostel, die mir ein schlechtes Gewissen machen, weil es dieses Mal wieder keine 15% Trinkgeld gab.

  • Hallo Anna,

    sorry, aber ich ich muss leider sagen, dass ich mich sehr über deinen Artikel geärgert habe. Arrogant und unwissentlich sind noch untertrieben. Eines vorweg: wenn der Kellner unfreundlich ist oder sonst seinen Job nicht erledigt = selbstverständlich kein Trinkgeld. ABER

    Was kann der Kellner dafür, wenn Dir das Ambiente nicht gefällt?
    Was kann der Kellner dafür, wenn die Preise für Dich zu hoch sind?
    Was kann der Kellner dafür, wenn die Küche versagt?

    Natürlich, ein guter Kellner, und als solchen möchte ich mich mit über 20 Jahren Berufserfahrung und annähernd 30 verschiedenen Jobs bezeichnen, kann mit Aufmerksamkeit und Charme vieles ausbügeln. Aber eben nicht alles.

    Zwei Dinge sind mir wichtig, die Du einfach nicht wissen kannst, aber unbedingt wissen solltest:
    (1) Such dir einen neuen Job, wenn das Geld nicht passt. OK, mache ich eh, weil ich Lust auf Neues habe und von Natur aus neugierig bin. Daher kann ich Dir sagen, der Stundenlohn ist überall gleich (niedrig). Warum? Angebot und Nachfrage. Es gibt einfach zu viele, die meinen, den Job machen zu können. Aber der Hauptgrund liegt darin begründet, dass die Chefs davon ausgehen, dass der Kellner Trinkgeld bekommt. Also müsse er ja nicht mehr bezahlen.

    (2) Jeder Kellner muss einen bestimmten Prozentsatz vom Umsatz! (also nicht vom Trinkgeld) an den Chef bzw die Kollegen Bar/Küche abgeben, was völlig in Ordnung ist. Wir sprechen hier von 2-3%. Wenn Du jetzt meinst kein Tip zu geben, weil Dir das Ambiente nicht gefällt (Chef) oder der Preis nicht gefällt (Chef) oder das Essen nicht schmeckt (Küche), dann triffst du den falschen. Und obendrein zahlt er die 2-3% Deiner Rechnung aus seiner eigenen Tasche.

    Ich würde mir wünschen, dass Du und auch ein paar Andere, die hier geantwortet haben, zukünftig unterscheiden würden zwischen der Leistung des Kellner und dem Drumherum.

    PS viel Spaß mit dem Roboter als Kellner. Gerade als guter Gastronom hat man so viele Soft Skills (zb Menschenkenntnis und Empathie). Nur soviel: Essen gehen hat nichts mit Nahrungsaufnahme zu tun.

    • Hey Stephan!

      Danke für den Einblick und deine Gedanken. Du hast mit deinen Fragen natürlich Recht. Es kommt nicht nur auf die Leistung des Kellners an, sondern es spielen viele Dinge mit, für die der Kellner nichts kann. Ich habe in dem Beitrag ja zugegeben, dass es unter Anderem am Essen liegt, am Ambiente und weiteren Faktoren. Zum Beispiel, bei dem Besuch in München hat mich vor allem die Musik gestört. Da kann der Kellner natürlich nichts dafür. Und manchmal ist es auch so, dass wenn das Essen sehr gut war, der Kellner sich eigentlich nicht sonderlich anstrengen braucht, und ich habe trotzdem Lust dazu, Trinkgeld zu geben.

      In dem Kommentar im Zeit-Artikel habe ich auch gelesen, dass der Arbeitgeber dann auf das Trinkgeld verweist und sich so aus der Affaire zieht. Das kann ich mir gut vorstellen und weiß im Moment auch nicht, wie man dieses Problem lösen könnte :/ Das mit dem Umsatz klingt natürlich nicht schön. Das wusste ich alles natürlich vorher nicht :/

      Bei den Robotern habe ich mir auch schon ein paar Gedanken gemacht. Würde ich mich wohlfühlen, wenn diese Dinger servieren und mich bedienen? Andererseits wird die Technologie intelligenter und humanoide Roboter sind vielleicht noch Sci-Fi, aber in Zukunft durchaus denkbar?

      Viele Grüße 🙂
      Anna

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