Minimalistischer Schreibtisch

Gastbeitrag: Mein Weg in die Selbstständigkeit als Softwareentwickler

In der Szene zur Finanziellen Freiheit gibt es sehr viele Menschen, die eine selbstständige Tätigkeit anstreben. Für viele ist es daher bestimmt interessant zu erfahren, wie bereits in jungen Jahren der Start in die Selbstständigkeit funktionieren kann und was für Tipps es für Starter gibt.

Christopher vom Blog Pfennigfuchser hat sich bereit erklärt seine Erfahrungen zu teilen und einen tollen Gastbeitrag geschrieben. Bühne frei. 😉


Ich, Christopher aus Österreich, habe mich mit 25 Jahren als Softwareentwickler selbstständig gemacht.
Dieser Schritt war schon seit langer Zeit in meinem Kopf gereift und nach 3,5 Jahre als Angestellter hatte ich genug, denn während dieser Zeit wurde mir immer mehr bewusst, dass das typische Angestellten-Dasein Nichts für mich war. Ich hielt es einfach nicht mehr aus, fünf mal die Woche immer früh aufzustehen, in die Arbeit inklusive Stau zu fahren, die mir zugeteilten Aufgaben zu erledigen und dann wieder nach Hause zu fahren. Ich hatte
einfach das Bedürfnis nach mehr Freiheit und mehr Selbstbestimmung.

Dies kann ich mit meiner Selbstständigkeit erreichen, denn ich habe mehr Eigenverantwortung denn je und kann mir selbst einteilen, wann ich arbeite und wann nicht. Auch wenn dem gegenüber steht, dass ich kein geregeltes Einkommen mehr habe und im schlimmsten Fall auch mal ein paar Monate nichts verdiene.
Da ich jemand bin, dem Sicherheit wichtig ist, habe ich mich erstmal nebenberuflich selbstständig gemacht. Das heißt neben meinem 40 Stunden Job habe ich am Wochenende auch noch kleinere Aufträge (hauptsächlich Homepages) erledigt, was klar auf Dauer nicht gegangen wäre, denn Freizeit ist auch mir wichtig. Aber am Anfang
musste ich eben in den sauren Apfel beißen.

Nach 1,25 Jahren nebenberuflicher Selbstständigkeit war es dann soweit. Ich hatte einen kleinen Kundenstock aufgebaut, mit dem ich mich wohl genug fühlte, um in die Vollzeit Selbstständigkeit zu wechseln und meinen Job zu kündigen. Dies habe ich noch keinen Tag bereut, denn die dazu gewonnene Freiheit ist einfach großartig.

Zugegeben: gerade als Softwareentwickler ist es relativ einfach sich selbstständig zumachen, denn

1.  Software Entwickler sind derzeit gefragte Leute und

2. brauchst du fast kein Startkapital, um los zu starten. Nur einen Laptop.

Außerdem brauchst du ein paar Grundfähigkeiten, um selbstständig zu sein, wie z.B. Zuverlässigkeit (Termine einhalten), Affinität zu Zahlen (für Buchhaltung und Kalkulation), Strukturiertheit (ein Projekt planen und in mehrere Schritte zu unterteilen), eine gewisse Neugier und Experimentierfreudigkeit.

Die Selbstständigkeit ist kein Zuckerschlecken und ich will keinen Hehl daraus machen:

Die schwierigste Sache ist, die ersten Aufträge zu bekommen und man greift anfangs nach jedem Halm (Auftrag, auch wenn er dir nicht so gut gefällt), den man findet. Die größte Hürde und was mich am meisten Überwindung gekostet hat, war: über mich selbst hinaus wachsen, auf Netzwerkveranstaltungen gehen, neue Leute kennen lernen
und sie letztendlich von meiner Dienstleistung zu überzeugen (sprich Vertrieb). Das war für mich als introvertierte Person schon immer eine Herausforderung, aber das war der Preis, den ich für meine gewonnene Freiheit zahlen musste.

In den letzten 1,5 Jahren habe ich einiges gelernt und daher kann ich dir folgendes raten,
wenn du dich selbstständig machen willst:

  • Sammle zuerst einmal Berufserfahrung (Praktika, Job, …) in dem Feld in dem du später mal arbeiten möchtest (ist eigentlich eh logisch). Ich hätte mich zwar auch ohne Berufserfahrung selbstständig machen können, aber ich merke jetzt, dass es wirklich einen großen Unterschied macht bei der Qualität, in welcher ich meine
    Aufträge erledige.
  • Baue dir ein großes persönliches Netzwerk auf: gerade am Anfang ist wichtig, wen du kennst, denn die ersten Aufträge bekommst du meist nur über dein persönliches Netzwerk. Meinen ersten Auftrag bekam ich durch ein Unternehmerfrühstück, indem ich jemanden überzeugte, dass es wichtig ist, auf Suchmaschinenoptimierung zu setzen. Gehe daher regelmäßig auf Netzwerkveranstaltungen und lerne neue Leute kennen.
  • Überzeuge durch professionelles Benehmen: gerade der erste Eindruck und ein professioneller Umgang mit Kunden ist wichtig. Antworte immer in angemessener Zeit auf Emails sowie Anrufe deiner Kunden und halte stets das, was du versprichst.
  • Übertreffe immer die Erwartungen deiner Kunden, indem du mehr lieferst als ursprünglich ausgemacht war. Mein erster Kunde war dermaßen zufrieden mit mir, dass ich nicht nur meine Honorarnote erhöhe durfte, sondern auch einen neuen Kunden weiterempfohlen bekam.
  • Lege einen besonderen Kundenservice an den Tag: gratuliere deinen Kunden zum Geburtstag, schenke ihnen etwas zu Weihnachten, rufe sie in regelmäßigen Abständen an, ob alles passt. All das sind kleine Bausteine, wie du deinem Kunden zeigst, dass du ihn sehr schätzt und bei ihm immer positiv in Erinnerung bleibst, um beispielsweise die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, weiterempfohlen zu werden.
  • Du brauchst ungefähr zwei Jahre, damit dein Business läuft und nachhaltig ist. Diese Zahl habe ich auch schon von anderen Selbstständigen gehört. Erwarte daher nicht, dass es von Tag 1 an prima läuft, sondern rechne damit, dass deine Selbstständigkeit nur langsam anläuft.

    Hast du vor, dich selbstständig zu machen? Wenn ja, was hält dich noch zurück?

Bleib hungrig,
Dein Pfennigfuchser

Rechberger Selbstständigkeit

3 Kommentare

  • Servus,
    danke für den Erfahrungsbericht. Ich bin auch Softwareentwickler, bin ebenfalls bereits seit vielen Jahren nebenberuflich tätig und werde das auch so beibehalten. Der Hauptjob macht mir Spaß und ich bevorzuge einfach mehrere Einkommensquellen, macht unabhängiger, bzw. fühle ich mich wohler dabei. Reduzierung im Hauptjob wäre daher meine erste Wahl, statt vollständige Selbstständigkeit.
    Weiterhin viel Erfolg,
    Fuseboroto

    • finanziell-frei-mit-30.de

      Hallo Fuseboroto,

      ich denke gerade der Job als Softwareentwickler bietet sich hier an.
      Finde es cool, dass Du auch etwas nebenher machst und so eine weitere Einkommensquelle hast. Wünsche Dir auf Deinem Weg noch viel Erfolg.

      Danke Dir auch fürs Verlinken auf Deinem Blog.

      Schöne Grüße
      Dominik

  • Pingback: Das wurde woanders geschrieben – Woche 40/2019 – Fuseboroto.info

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