Enteignung und Kevin Kühnert: Warum finanzielle Bildung so wichtig ist

Eigentlich hatte ich nicht vor, mich zu dem Thema zu äußern. Eine Welle der Empörung ist bereits durchs Land gelaufen, es hagelte Kritik, gar parteiintern. Es gab allerdings einen Satz, der mich zutiefst geärgert hat:

»Wenn der Markt funktionieren würde, hätten wir längst klimafreundliche Innovationen.«

Kevin Kühnert, https://bit.ly/2PVodae

Aber alles der Reihe nach …

Soziale Ungleichheit und Vermögensverteilung

Überall wird von der »sozialen Ungleichheit« geredet, also die ungleiche Verteilung von materiellen und immateriellen Ressourcen innerhalb der Gesellschaft. Sozialisten fordern, dass all diese Ressourcen in der Hand einer kleinen Gruppe landen, um dann anschließend »gerecht« verteilt werden.

Was viele Leute nicht verstehen, ist, dass es keine Person oder Personengruppe gibt, die alles Geld in die Hand nimmt, eine Art »Gott« spielt und nach eigenem Ermessen nach absoluter Wahrheit das Geld an jedes Individuum verteilt. Hier wird vorausgesetzt, dass es jemanden gebe, der alles über jeden weiß und beurteilen kann, wem was in welcher Höhe zusteht, also eine Art »höheres Wesen« vielleicht. Es sei ungerecht, dass einige auf dem Konto 100.000 € liegen haben und andere nur 10 €. Alle müssten gleich viel haben, also muss man von demjenigen, der € 100.000 lagert, soviel entnehmen, dass beide €50.000 auf dem Konto haben. So sei die Gerechtigkeit wieder hergestellt.

Was unterschlagen und nicht beachtet wird, ist, wie es zu diesem Zustand gekommen ist. Es wird nicht erörtert, dass derjenige mit € 100.000 auf dem Konto Risiken eingegangen ist und das Geld eine Weile gespart hat, also auf angenehme Dinge verzichtete, während er dieses Vermögen aufbaute. Mit höchster Wahrscheinlichkeit hat er das Geld in Vermögensklassen investiert, die mit der Zeit an Wert gewinnen, weil er verstanden hat, was Inflation bedeutet. Er hat verstanden, dass sich der Preis einer Ware nach Angebot und Nachfrage richtet. Er hat verstanden, dass die Staatsbank jedes Jahr neues Geld in Umlauf bringt, sodass es nicht klug ist, Geld zu lagern. Denn jedes laufende Jahr verliert dieses Geld an Wert.

Der mit 10 € auf der Bank hat das mit höchster Wahrscheinlich nicht verstanden. Er denkt, das, was er jeden Monat reinkriegt, ist alles, und er denkt, Sparen bringt sowieso nichts. Also gönnt er sich, was er sich von dem Geld gönnen kann, als gäbe es kein Morgen. Er verbrät das wertvolle Geld in Konsumgüter, die nach dem ersten Handschlag schon 50% ihres Wertes verlieren, ohne sich dessen bewusst zu sein. Das Wort »Inflation« hat er einmal in der Schule aufgeschnappt und danach sofort vergessen. € 100 bleiben für ihn für immer € 100, ohne »Veränderung«. Wenn nach zehn Jahren die Waren und Dienstleistungen teurer geworden sind, dann wundert er sich darüber, anstatt Maßnahmen zu ergreifen. Er will nicht sparen, weil das erstmal schmerzhaft ist und mit Entbehren zutun hat. Also macht er es nicht, aber die Konsequenzen will er auch nicht tragen.

Ist man an Armut selbst Schuld?

Dann gibt es noch Menschen, die € 10 auf dem Konto besitzen und nicht wissen, wie sie über die Runde kommen sollen. Sie geben auch fast nichts für Konsumgüter aus, weil sie nicht die Möglichkeit haben. Sie wissen nicht, wie sie mehr Geld generieren können, damit das Leben einfacher ist. Denen müsste man das Geld doch einfach geben, und sie hätten es leichter. Aber negative Ansichten und Gewohnheiten bestimmen ihr Leben. Viele denken: Man hat’s eben oder man hat’s eben nicht. Stichwort: Erlernte Hilflosigkeit. Eine interessante Dokumentation dazu ist: »Ist man an Armut selbst Schuld?« von Die Frage. Dort wird ein junger Mann vorgestellt, der seine Chancen nicht nutzt, und bei dem auch die Redaktion zum Schluss kommt: »Ja, du trägst die Verantwortung.«

Dann ist dort eine junge Frau, die in diese Situation hineingeboren wurde. Aber wenn man sich die Sache näher ansieht, dann sieht man auch: Erlernte Hilflosigkeit und Perspektivlosigkeit halten sie gefangen. Die Mutter, mit der sie lebt, sagt klipp und klar: »Sie wird immer Unterstützung brauchen«, was das Mädchen wahrscheinlich schon assimiliert hat. Ich denke, es wird verdammt schwer sein, sich aus dieser Situation zu befreien, aber es ist möglich. Und nur darum geht es.

Sozialismus unterstützt die erlernte Hilflosigkeit der Menschen

Der Sozialismus belohnt dieses nachteilige Verhalten. Durch die Umverteilung sagt er: Das ist okay. Hier ist jemand, der für dich sorgt, egal, was du machst. Er entbindet die Menschen von ihrer Verantwortung, entkoppelt Ursache und Wirkung. Im Sozialismus versuchen einige eine Art »Gott« zu spielen, und für »Gerechtigkeit« zu sorgen.

Die Judikative ist kein Wunschkonzert

Der Rechtsstaat in der Bundesrepublik Deutschland ist sehr fortschrittlich. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges bemüht sich der Staat, Willkür so gut es geht zu eliminieren. Die Rechtswissenschaft ist teilweise eine Formalwissenschaft, ähnlich der Mathematik: man arbeitet mit Axiomen, Definitionen und Annahmen und leitet daraus dann Sätze und Schlussfolgerungen her. So will man sicher gehen, dass das Vorgehen einer Logik folgt.

Sozialisten folgen aber keiner Logik, sondern lediglich ihren Emotionen. Kühnerts Argument ist, man solle Immobilienunternehmen verstaatlichen, weil Wohnraum ein Menschenrecht sei und jeder nur den Wohnraum besitzen sollen dürfte, den er für sich beansprucht. Soll heißen, es sollte keine Vermieter mehr geben. Aber die logische Schlussfolgerung daraus wäre, dass jedes Unternehmen, das ein »Zuviel« herstellt, verstaatlicht gehört. Was ist zum Beispiel mit Aldi oder Rewe? In ihren Gebäuden liegen mehr Lebensmittel als die Besitzer essen können. Oder was ist mit Segmüller, IKEA und anderen Möbelherstellern? Sie haben »zu viele« Möbel; jeder sollte nur so viele Möbel besitzen, wie er tatsächlich nutzt.

Eine wirtschaftliche Degradation ist die Folge. Im Idealfall stellt jeder nur noch das her, was er für sich selbst benötigt, ohne einen wirtschaftlichen Nutzen zu ziehen. Wie in der Steinzeit. Wenn alle Unternehmen dem Staat gehören, wird es keine Innovation geben. Denn der Staat wirtschaftet nicht gut. Es ist ihm egal, ob er Verluste macht, weil er sich das Geld ja einfach bei seinen Bürgern holen kann. Ein Gesetz, eine Unterschrift – Problem gelöst. Und wenn jemand kommt, der eine gute, innovative Idee hat, darf er es nicht umsetzen, sondern muss zunächst den Staat fragen. Und wenn der »Nö« sagt, weil er die Ware oder Dienstleistung für unnötig hält, kann man nichts dagegen machen. Die Welt wird sich einfach nicht weiter entwickeln.

Ausbeutung durch Unternehmen vs. Ausbeutung durch den Staat

Was Sozialisten immer wieder verschweigen, ist, dass die Ausbeutung nicht mehr durch »Unternehmen« stattfindet (falls das wirklich so sein sollte), sondern durch den Staat selbst. Es ist, als würde man der Schlange im Garten Eden zuhören. Von außen klingt alles ganz süß, wie die verbotene rote Frucht, aber wenn man reinbeißt, landet man in einem Alptraum. Einige wenige fühlen sich verpflichtet, im Kollektiv oder gar einzeln Macht auszuüben.

Diese Menschen sind dann »gleicher« als andere Menschen und können Luxusgüter und das feine Leben genießen. So wie einige Linke-Abgeordnete, die mit ihren Louboutins in den Bundestag stöckeln und den Menschen etwas von »sozialer Gerechtigkeit« erzählen möchten. Währenddessen »darf« die Bevölkerung einen Pappkarton über dem Kopf haben, fünf Kartoffeln am Tag essen (für die etwa acht Stunden angestanden werden muss) und einen sicheren Arbeitsplatz haben, zu dem man 500 km weiter eingeteilt wird (sehr überspitzt formuliert).

Zensur, Ausbeutung und ein totalitärer Staat hängen eng mit dem Sozialismus zusammen. Es ist brandgefährlich. Die Gesetze folgen einer reinen Willkür, aus Emotionen, Wut und Irrsinn heraus. Man belohnt Menschen, die nicht viel Mehrwert schaffen, und bestraft leistungsfähige Menschen. Und nun werden 2019, dreißig Jahre nach der DDR und dem Zerfall der Sowjetunion, Denkanstöße angetrieben, um so einen Prozess einzuleiten. Das Paradies, von dem Sozialisten aus ihrem Neid heraus träumen, wird nur für die politische Elite gelten, aber nicht für die »einfache« Bevölkerung.

Der Markt und sein Versagen

Der Markt habe versagt, weil wir im Jahr 2019 fortschrittliche Technologien noch nicht flächendeckend nutzen können. Oder sie noch in ihrer Entstehung sind. Kevin Kühnert hätte auch sagen können, der Markt sei gescheitert, weil wir morgen nicht auf einen erdähnlichen Planeten fliegen und uns dort ansiedeln könnten. Das ist Zukunftsmusik, an der Menschen arbeiten. Das, was er da sagt, ist für alle, die bereits Schweiß, Tränen und Mühe in die Forschung investieren, ein Schlag ins Gesicht.

Bei solchen Aussagen frage ich mich immer, warum die Kritiker nicht selbst eine Ausbildung zum Informatiker / Ingenieur / … machen und an der Technologie mitarbeiten? Denn dann würde alles schneller gehen. Die Menschen stehen den ganzen Tag in der Gegend herum, machen nichts und fordern nur. »Lebensmittel sind so teuer. Wann endlich gibt es günstige Lebensmittel?«, fragen sie, jahrzehntelang. Dann kommt einer, der gründet einen Discounter und liefert den Menschen, wonach sie fragen. Es kostet ihn Kapital, Schweiß, Mühe und Anstrengung. Aber sie danken ihm nicht. Die Kritik, das Zetern und das Fordern geht weiter. Es ist zum Haareraufen! Anstatt die Welt mitzugestalten, werden krude Regeln erfunden, um andere Menschen zu terrorisieren. Das ist natürlich immer einfacher, als sich abends hinzusetzen, etwas Neues zu lernen und an schwierigen Projekten zu arbeiten.

Fazit

Schon in der Bibel heißt es, dass man das Eigentum eines anderen nicht an sich reißen sollte. Die Leute wussten schon damals: Das bringt nur Schwierigkeiten. Menschen wollen ihr Eigentum geschützt wissen, denn Eigentum bedeutet für sie Sicherheit und Kontrolle. Jedem Kind wird beigebracht, dass Stehlen falsch ist. Es ist absolut verrückt, dass unter diesem Aspekt einige Leute der Meinung sind, Diebstahl und mangelnden Respekt vor Eigentum im Kollektiv auszuüben, und ein Paradies zu erwarten. Sozialisten träumen von einer Utopie, dabei verwandelt sich die Wirklichkeit in einen grässlichen Alptraum: In der Sowjetunion waren die Menschen misstrauisch, unglücklich, depressiv, verlogen und haben trotz allem gestohlen wie die Raben.

Die Helden unserer Zeit sind die Menschen, die etwas tun. Die hinfallen und wieder aufstehen, und zwar nicht zweimal, sondern zwanzig Mal. Die, die die Welt aktiv gestalten und etwas erschaffen und kreieren. Die Loser unserer Zeit sind Menschen, die nur kritisieren, nichts tun und ihrem Neid und ihrer Missgunst freien Lauf lassen. So wird’s immer sein und bleiben, und wir als Gesellschaft stehen in der Verantwortung, der zweiten Gruppe kein Gehör zu verschaffen.

Es ist absolut erschreckend, dass im Jahr 2019 eine solche Debatte geführt wird. Ich bin schockiert, wie wenig finanzielle Bildung unter der Bevölkerung herrscht. Zum Glück war die Empörung groß, und ich freue mich schon darauf, die SPD im weiteren Sturzflug zu beobachten.

Habt ihr die Diskussion verfolgt? Was denkt ihr darüber?

Empörte Grüße,

Anna


44 Kommentare

  • Hallo Anna,

    der großartige Ronald Reagan bemerkte schon vor Dekaden, dass die Freiheit immer nur eine einzige Generation von Ihrer Ausrottung entfernt ist.

    Das heißt jede Generation muss wieder erneut um Sie kämpfen, da es immer Menschen wie Hr. Kühnert geben wird, die selbst anscheinend für andere keine Werte produzieren können aber dafür die Macht lieben und über andere bestimmen möchten.

    Der Sozialismus zieht diese Art von Menschen an, da die freie Marktwirtschaft im Vergleich dazu deutlich unbequemer ist und Menschen die nichts produzieren können / wollen, in einem solchen System immer im Nachteil sein werden.

    Das heißt ein tyrannisches System wie der Sozialismus/Kommunismus ist die einzige „Chance“ dieser Menschengruppe an die Spitze der Gesellschaft aufzusteigen.

    Ich habe das früher nicht verstanden, weil ich dachte die Bürger als Gruppe müssten doch einmal hinzu lernen. Aber alte Erfahrungen verblassen und die neue Generation macht wieder Ihre eigene Erfahrungen. Deshalb erhalten selbst in den USA Menschen wie Bernie Sanders aktuell Zulauf, die den alten abgestandenen „Tyrannenwein“ in neuen Schläuchen verkaufen.

    Wir alle müssen die Augen aufhalten, wehrhaft bleiben und unsere Stimme erheben, wenn jemand unsere Freiheit beschneiden will.

    Und wenn in einerm Land für eine Zeit lang alles verloren scheint, muss man nach meiner Meinung auch die Courage haben in ein anderes Land zu ziehen, das diese Freiheiten besser schützt. Und das gilt ganz besonders dann, wenn man schon Kinder hat.

    Schönen Tag!

    • Hallo Maschinist, danke für den ausführlichen Kommentar!! 🙂

      Ich glaube auch, dass diese Menschengruppe sonst nicht durchkommen würde und versucht, ihre »Macht«gelüste auszuleben. Anderen Regeln vorschreiben, unter dem Deckmantel, dass man es ja nur gut meine, es ist wirklich »teuflisch«. In dem einen Interview mit Maischberger hat er sogar gesagt, dass man Immobilien in Berlin teuer zurückkaufen müsse, die man vor vielen Jahren günstig verkauft habe. Da hat auch jemand eingeworfen, dass das doch sehr teuer wäre, und Kühnert sagte nur: »Ja, so ist das aber halt eben.« Er will also billig verkaufen und teuer kaufen, Preis egal?

      Ich werde meine Stimme auf jeden Fall nutzen.

  • Moin Anna,
    sehr schoen geschrieben! Alle Achtung 🙂

    Was waehlst du am 26.05. und warum?

    Die Berliner haben eine Rot-Rot-Gruene Regierung, weil dafuer eine Mehrheit in der Buergerschaft ist/war?
    Ist das OK so? Machen dann die Gewaehlten nicht einfach nur das, was die Mehrheit von Ihnen moechte?
    Bekommt etwa die Bevoelkerung, was sie gewaehlt/verdient hat?

    Ist das bei der GROKO mit all den staatlichen/aussenpolitischen Aktionen/Unterlassungen anders?

    Was koennte man tun, wenn man zur (wissenderen???) Minderheit gehoert?

    Ich hab‘ da auch keine zuendenden Antworten, bin aber schon alt und desillusioniert, du aber bist jung und hast das Leben vor dir und denkst noch nicht so eingefahren wie ich, vielleicht hast du gute Ideen?

    LG Joerg

    • Hey Joerg, vielen Dank für deinen Kommentar 🙂

      Ich denke, ich wähle am 26.05. die FDP, da es die größte Partei ist, die sich Freiheit auf die Fahne schreibt 😀 Mit Berlin kenne ich mich leider nicht gut aus. Ich denke, dort „oben“ sind SPD/Grüne auch anders als hier unten in BaWü. Winfried Kretschmann ist zum Beispiel ziemlich konservativ. Ja, die Bürger stehen in der Verantwortung, wen sie wählen, denke ich. Sie bekommen, was sie verlangen. Ich denke, man sollte auf jeden Fall seine Stimme nutzen. Ich denke, die Finanzblogosphäre leistet einen tollen Beitrag zur Finanzbildung in Deutschland. Je mehr Menschen verstehen, dass sie ihr Leben selbst in der Hand haben, desto besser 🙂 Gutes Finanzmanagement fürs Leben, der richtige Umgang mit Geld trägt zur Lebensqualität bei und macht viele Probleme obsolet. Ich denke, das ist ein richtiger Schritt in die Richtung. Menschen helfen Menschen.

      LG, Anna

  • guter-verwalter

    Hallo Anna,

    ein kleiner Aspekt nebenbei noch zum Thema Bibel, die du in deinem Fazit anreißt:

    1) Das Privateigentum ist in den 10 Geboten deshalb geschützt, weil die Begehrlichkeit (d.h. den Besitz eines anderen haben zu wollen) die weitaus größere Sünde ist: Wenn Geld (und nicht Gott) der höchste Wert ist, werde ich meinem Mitmenschen seiner Menschenrechte berauben müssen, um an sein Geld zu kommen. Roland Baader beschreibt das trefflich in „Geld, Gold und Gottspieler“: Sozialismus entreißt dem Nächsten sein Eigentum, weil man sich selbst in der Position Gottes sieht, und darin der Illusion unterliegt, Geld besser verteilen zu können als Gott selbst – man spielt Gott und entrechtet so den Mitmenschen zwangsläufig.

    2) Die Bibel spricht deutlich sowohl von der Investition in Produktivwirtschaft, als auch über Diversifikation als weise Entscheidungen, die man mit Geld treffen soll (vgl. Prediger, Kapitel 11, Verse 1+2: „Brot übers Meer senden“ = In Handel investieren; „Besitz auf 7 oder 8 verteilen“ = Diversifikation).

    3) Geld ist laut Christus aber der größte Sorgenbringer, der größte Illusionsverursacher (scheinbare Sicherheit im Leben) und der größte Indikator für gelebte Nächstenliebe (Wie leicht geht mir das Geld für das Wohl anderer aus meinem Geldbeutel?)…alles in einem.

    Und jetzt muss man 1) bis 3) in moralischen Einklang bringen, ohne real existierenden Sozialismus neu zu starten, eine komplexe Aufgabe!

    Viele Grüße vom guten Verwalter.

    • Hallo Verwalter!
      Danke für deinen Kommentar.
      Genau, was du in 1) beschreibst („Sozialismus entreißt dem Nächsten sein Eigentum, weil man sich selbst in der Position Gottes sieht“) wollte ich im Artikel sagen. Sozialisten denken, sie wüssten was „Gerechtigkeit“ ist und sehen sich in der Position, für absolute Gerechtigkeit zu sorgen. Ja – Geld kann Segen bringen, aber auch Sorgen. Es kommt auf den Menschen und den Umgang an. Ich finde das Thema sehr interessant 🙂 Ich denke auch, viele reiche Menschen sind gläubig und danken Gott, dass er ihnen diese Möglichkeiten schenkt, aber auch durch die Prüfungen des Lebens schickt.

      VG, Anna

  • Gerhard Laufer

    Liebe Anna,
    Deine hier gemachten Ausführungen kann ich gut nachvollziehen. Schließlich decken sie sich mit den Erfahrungen, die ich selbst gemacht habe.
    Von meiner Jugend an war ich SPD-Mitglied.
    Als Arbeiterkind studierte ich über den 2. Bildungsweg Maschinenbau und wurde Ingenieur. Im Anschluss daran schloss ich noch ein Studium der Berufs- und Arbeitspädagogik und der Wirtschaftswissenschaften an und arbeitete fortan als Lehrer an einer Berufsbildenden Schule. Im Schwerpunkt unterrichtete ich Lehrlinge des Handwerks (SHK) in den Fachfächern und in Wirtschaftslehre.
    Nebenher hatte ich einen Lehrauftrag, um angehende Handwerksmeister auf die Meisterprüfung und damit auf die Selbständigkeit vorzubereiten.
    Dabei musste ich feststellen, dass „meine“ SPD sich immer mehr von denjenigen entfernte, die sie zu vertreten vorgab. Nicht mehr der sich um Ausbildung bemühende Lehrling fand den Respekt und die Unterstützung, sondern andere Gruppen standen im sozialdemokratischen Bildungs- und Unterstützungsfokus.
    Eigenständige Altersvorsorge, finanzielle Grundbildung, sich Selbstständig machen u.ä. Themen waren (nicht nur für die SPD) Tabuthemen sogar an berufsbildenden Schulen. Aktien gar Teufelszeug!
    In diesem Klima wandte ich mich schließlich von dieser Partei ab und begann zeitgleich auch meine privaten Finanzen meinen neuen Erkenntnissen gemäß anzupassen. Meine Schüler versuchte ich dabei mitzunehmen und Ihnen eine finanzielle Grundbildung zu vermitteln. Ich lehrte sie, sich nicht auf andere zu verlassen, sondern in sich selbst zu investieren (Berufsausbildung beginnen und durchhalten, sich weiterzubilden und ggf. sich selbstständig zu machen, …)

    Gesellschaftliche Veränderungen beginnen immer bei einem selbst. Als Lehrer war es mir immer wichtig, das einfach vorzuleben.
    Ich bin nun seit wenigen Wochen in Rente (bin kein Beamter!) mit der ich dank meiner finanziellen Vorsorge (unabhängig von Riester u.ä. „Scheingeschäften“) gut auskomme.
    Arbeite noch ehrenamtlich bei der Handwerkskammer und helfe Flüchtlingen, die eine Handwerkslehre machen bei der Vorbereitung auf die Gesellenprüfung.

    • Hallo Gerhard, vielen lieben Dank für deinen ausführlichen Kommentar.
      Ich denke auch, dass die Veränderung immer bei einem selbst beginnt. Man muss im Leben Verantwortung für sich tragen. Das freut mich, ich finde, je mehr Menschen finanziell gebildet sind, desto besser ist es für unsere Gesellschaft.

      VG, Anna

  • Hallo zusammen,
    da ist aber einiges ehörig durcheinander gegangen.

    Ich würde einfach mal damit anfangen, folgende Kausalkette herauszufordern: „Zensur, Ausbeutung und ein totalitärer Staat sind die Folgen des Sozialismus.“
    Kann jemand dafür die theoretischen Grundlagen herleiten?
    Um dem vorzugreifen, dass einfach die DDR oder die Sowjetunion herangezogen wird, um diese Aussage empirisch zu beweisen: Diese Staaten haben den Sozialismus mit autokratischen und diktatorischen Zügen verwirklicht und es ist unter Verfassungsforschern recht unstrittig, dass genau dieser Aspekt zu Zensur, Ausbeutung und Totalitarismus geführt haben, nicht der Sozialismus.
    Ich würde an der Stelle auch noch anfügen, dass anders herum auch der Kapitalismus zu Zensur, Ausbeutung und totalitärem Staat führt, siehe China.

    Grundlegend würde ich mal folgendermaßen in Richtung von Kühnerts Aussagen argumentieren wollen:
    Das Geld und der Kapitalismus sind keine natur- oder gottgegebenen Dinge – wir Menschen haben sie erfunden. Dies ist unweigerlich teilweise eine gute Idee gewesen und hat den Menschen in den letzten Jahrhunderten viel gebracht und viele gute Aspekte gezeigt. So langsam findet man allerdings Hinweise darauf, dass nicht mehr der Kapitalismus dem Menschen dient, sondern der Mensch dem Kapitalismus. Dieser wird als völlig alternativlos betrachtet. Ist es nicht eine Überlegung wert, ob der Kapitalismus in seiner jetzigen Form seinen Grenznutzen (zumindest in den entwickelten Ländern) erreicht hat und wir ihn weiterentwickeln müssen?
    Eine Kollektivierung großer Unternehmen könnte genau eine solche Weiterentwicklung sein. Dann würde nicht mehr Frau Klatten ein paar Millarden an Dividenden pro Jahr bekommen, sondern das Kollektiv.

    Ist da in diesen Denkansätzen etwas für euch dabei?

    Viele Grüße
    xecasaku

    • Hallo xecasaku,
      danke für deinen ausführlichen Kommentar 🙂 Darüber lässt sich sicher diskutieren: Führt der Sozialismus zum totalitären Staat oder waren die autokratischen Züge in den genannten Beispielen (DDR, Sowjetunion, …) präsent und haben mit dem Sozialismus nichts zu tun? Ich denke, das ist schwierig zu beantworten. Ich finde es jedoch bemerkenswert, dass es keinen Sozialismus gibt oder gegeben hat, der ohne solche Instrumente auskam/auskommt. Ich denke, in kleinen Gruppen haben sozialistische Elemente durchaus Sinn und waren in der Geschichte bestimmt oft vorhanden. Aber in einer Welt, in der sich fast jeder fremd ist, wird dieses System nicht gut verlaufen, denke ich. Um das Ganze unter einer Millionen-Bevölkerung zu installieren, braucht man einen »starken Staat«. Ein starker Staat ist ein Staat, der in alle Lebensbereiche eindringt, ein Monopol, und Monopole können sehr gefährlich sein.

      Nach Graeber (»Schulden: Die ersten 5000 Jahre«) ist Geld so alt wie die Menschheit selbst; ich denke schon, dass es etwas »Natürliches« ist, indem Sinne, dass es sich wieder und wieder etablieren würde, weil es mehr Vorteile als Nachteile bringt. Jahrhundertelang haben Menschen davon geträumt, in einen Laden zu gehen und alles an Lebensmitteln vorzufinden, was das Herz begehrt. Heute haben wir diesen Luxus. Wegen den Albrechts und vielen anderen, die es möglich gemacht haben. Der Staat hätte das niemals gemacht. Er hätte gesagt: »Fünf Kartoffeln und zwei Salatblätter reichen dir. Wozu brauchen wir denn Hamburger und Hot Dogs?«. Es ist einfach bevormundend, und das ist erniedrigend.

      Ich denke auf gar keinen Fall, dass ein Mensch wie Kevin Kühnert geeignet ist, den Kapitalismus »weiterzuentwickeln«. Er hat ja vieles überhaupt nicht verstanden. Er möchte mit Steuergeldern teuer kaufen und billig verkaufen, und zuckt dabei nicht einmal mit der Wimper. Das ist absolut erschreckend. Ich denke schon, dass der Kapitalismus ein gutes System ist. Natürlich muss man darauf achten, dass es ein Auffangnetz gibt und Einrichtungen, die Menschen Hilfe zur Selbsthilfe geben.

      Bezüglich Sozialismus fallen mir allerdings noch ein paar Fallstricke ein: Wenn etwas, X, dem »Kollektiv« gehört, also allen, wer kümmert sich dann darum? Auch alle? Wenn das so ist, dann wird sich niemand verantwortlich fühlen. Und wenn doch, dann wird der, der sich um X gekümmert hat (also Zeit und Energie in die Pflege oder Produktion gesteckt hat), übervorteilt fühlen. Das ist kein schönes Gefühl. Es ist wie mit der Gruppenarbeit in der Schule: Einige wenige machen die meiste Arbeit und einige machen nichts. Am Ende kriegen aber alle die gleichen Noten. Hinterher gehen die, die mehr gemacht haben, zum Lehrer und beschweren sich berechtigterweise.

      Genauso impraktikabel ist Marx‘ Vorschlag zur Preisgestaltung: Er sagt, je länger etwas an Zeit benötigt, desto teurer wird es. Menschen, die langsam und schusselig arbeiten, haben hier also einen Vorteil. Dass das nicht die beste Idee ist, merkt Marx sogar selbst und sagt dann im nächsten Satz, dass man die durchschnittlich benötigte Zeit messen soll. Aber wie soll man die messen? Um das korrekt zu machen, muss man Stichproben aus der Bevölkerung nehmen und sie dann die Arbeit machen lassen, um zu sehen, wie viel Zeit sie für die Tätigkeit / Produktion benötigen. Das müssen aber auch Menschen sein, die vergleichbar in ihrer Ausbildung, ihrem Können usw. sind. Und was ist mit Arbeiten, die reines Wissen erfordern? Oder was ist mit Kunst? Picasso konnte einen Strich machen und diese Zeichnung war viel wertvoller als ein aufwendiges Gemälde eines unbekannten Künstlers.

      Besser ist es, wenn der Preis Angebot und Nachfrage folgt. Zwei Partner, der Produzent und Konsument, einigen sich auf einen Preis, der beiden passt. Das geht um einiges schneller und effizienter, deswegen hat es sich auch durchgesetzt. Auch dass Eigentum an eine Person gebunden ist, ist besser für alle. Es gibt einen Verantwortlichen, einen Ansprechpartner, der für alles gerade stehen muss. Wenn er es gut macht, dann sind das aber auch seine Früchte, oder die seiner Familie. Das ist fair.

      VG, Anna

    • – Um große Unternehmen „zu kollektivieren“ muss man die bisherigen Besitzer enteignen. Das heißt unter anderem mich und meine Familie.
      – Da wir das unter großer Anstrengung erwirtschaftete und investierte Vermögen niemals freiwillig hergeben würden, muss „das Kollektiv“ uns mit Gewalt diesen Besitz entreißen.
      – Da ein Kollektiv in Summe nicht handelsfähig ist, braucht es „Vertreter“, die diese Enteignung durchsetzen.
      Im Sozialismus/Kommunismus werden bestimmte Menschentypen davon angezogen „Vertreter“ des Kollektivs zu werden.
      In der Vergangenheit hießen Sie z.B. Stalin, Pol Pot, Castro oder Maduro. In Zukunft werden Sie andere Namen haben und das gleiche teuflische System dann zum Beispiel „Weiterentwicklung des Kapitalismus“ nennen.
      Das Ergebnis ist immer Verwesung und Untergang, da die Besitzenden und Schaffenden wie ich entweder früh genug das Land verlassen oder enteignet und entrechtet werden und danach keinen Sinn mehr in irgend einer Produkttiviät sehen.
      Wenn es völlig egal ist, wie viel jemand produziert, werden sich die meisten nicht mehr anstrengen. Wieso auch?

      Kollektivierung/Sozialismus/Kommunismus entwickelt sich deshalb auf Makroebene immer zu einer Hölle auf Erden, weil am Ende nur noch „die Verwalter“ und deren Günstlinge etwas zu essen haben.

      So lange ich kann, würde ich Menschen die so etwas durchsetzen wollen mit allen Mitteln bekämpfen. Wenn das keinen Sinn mehr macht, zusammen mit meiner Familie fliehen.

  • Äh, okay… Was hat jetzt Sozialismus der Marke UdSSR mit den markigen Aussagen eines jungen, ehrgeizigen Politikers zu tun?

    Und wieso diese Panik? Ein Blick auf die Wahlergebnisse sollte genügen um die Sorge, dass wir demnächst den Sozialismus einführen, zu lindern.

    • Die UdSSR und die DDR sind natürlich nur Beispiele, wohin dieses Denken führen kann. Es sind allerdings erschreckende Beispiele, die hoffentlich dazu führen, dass man diese Ideen kritisch hinterfragt und nicht fördert. Die Panik rührt daher, dass nach Art. 15 GG das Geforderte in Deutschland möglich ist.

      • Das Grundgesetz ist eine Sache, die unzähligen Gesetze, die sowas kritisches wie Enteignung in der Realität regeln, sind eine ganz andere.

        Wie man von Kühnerts Aussagen zu solchen Horrorvisionen kommen kann finde ich schon faszinierend. Er hat ein paar sehr provokante Dinge gesagt und etwas leben in den meist eher drögen Politikalltag gebracht. Die Diskussionen die daraus entstehen schaden der Gesellschaft nicht oder führen gar zum Untergang, im Gegenteil.
        Wenn Kühnert irgendwann mal Minister ist wird er auch niemanden Enteignen. Man schaue sich nur den jungen und den alten Joschka Fischer an.

        • Die Assoziationen sind eigentlich leicht erklärbar. Denn mit solchen Aussagen und Forderungen fängt es an. Klar, du hast wohl recht, er wollte provozieren und das hat er geschafft. Er hat mit den Ängsten der Menschen gespielt, und damit etwas „Leben“ reingebracht…

        • guter-verwalter

          @John Galt:
          „Horrorszenarien spinnen“ finde ich auch blöd, da geb ich dir recht. Aber einige deiner Aussagen sind m.E. doch etwas zu sehr im Tenor „ain’t gonna happen anyway“ verankert. Einige Beispiele dazu:

          1) „Die SPD erledigt sich von selbst, siehe ihre Wahl- und Umfrageergebnisse“.

          Stimmt, die SPD wird sich erledigen. Das Problem ist, wo im Parteienspektrum sich die radikal-linken Ex-Mitglieder – deren Anzahl v.a. bei den unter 30 Jährigen (siehe Kühnert) sehr hoch ist – ein neues Zuhause suchen werden. Die U30er haben null eigene Lebenserfahrung mit einem Staat, in dem real existierender Sozialismus herrschte und der deshalb implodiert ist, und liebäugeln deshalb offen mit der Lüge: „Der Sozialismus würde ja klappen, wenn man ihn nur menschlich genug sein lässt, d.h. ihn ‚richtig versucht‘ umzusetzen.“

          2) „Wenn Kühnert mal Minister ist, wird er sich schon an das System anpassen.“

          Kann gut sein. Laut Dr. Markus Krall ist unser Parteiensystem ein realitätsentkoppeltes, sich selbst bevorzugendes perpetuum mobile, in dem sich die Systeminsassen selbst bevorteilen (siehe Diäten, die 3,5x höher sind als das Durchschnittseinkommen eines Deutschen, und eigentlich eine „Aufwandsentschädigung“ sein sollen) und nur durch „sucking-up“ an die Spitze kommen. Kühnert könnte solch ein Pseudo-Sozialist sein, der die KLASSE der Reichen hasst, aber wenn er was bekommt, gerne seine Schnauze nicht mehr so aufreißt.
          Wir hatten aber in GER auch mal der nationalen Sozialismus: Der Obermacker hasste statt KLASSE lieber RASSE und machte, als er im Parlament war, allen weiß, er wäre ein ganz Lieber. Die „Eliten“ dachten: „Den kann man gut managen.“ Das Ergebnis war eine globale Katastrophe. Könnte Kühnert also ein LINKER Wolf (<– absichtliche Bezeichnung) im Schafspelz sein? Auch möglich…ich will es nicht hoffen. Die mediale Lage diesbezüglich hat er mit seiner Aussage zur Enteignung/ Kollektivierung ja schon mal sondiert.

          Was ich sagen will: Niemand weiß, welche Ziele jemand im Innersten wirklich verfolgt; aber: Aussagen der Gegenwart deuten einen Weg in die Zukunft. Und als Deutsche haben wir eine historische Verantwortung Wortbedeutungen genau abzuwägen und weise zu entscheiden!

          Alles o.g. sind aber nur Denkanstöße, kein Alarmismus.

          Viele Grüße vom guten Verwalter.

  • Mensch = soziales Wesen
    soziale Wesen = es bilden sich Hierarchien
    Hierarchien = anfaellig fuer Ungerechtigkeiten
    => demokratische Schleifen und Kontrollen fuer jede Hierarchie helfen! (checks and balances)

    oder Einsiedler? 🙂

    die Herausforderung ist nicht ein System, rechts oder links, sozial oder weniger sozial, sondern bist DU.
    Also Verantwortung uebernehmen: heb‘ den verdammten Ring auf und schleppe ihn nach MORDOR und schmeiss ihn in den Vulkan 😉

  • Hallo Anna,

    ein wirklich interessantes Thema, das du da behandelst.

    Der wirtschaftliche Liberalismus und damit der Kapitalismus ist wirklich das einzige System, das funktioniert, da es natürlicherweise von den Menschen entwickelt wird, wenn sie keinen Einschränkungen unterliegen.
    Leider hat der Kapitalismus den Geburtsfehler, die soziale Frage nicht beantworten zu können.

    Im Gegensatz dazu versucht der Sozialismus die soziale Frage in den Vordergrund zu rücken, d.h. einen Ausgleich zwischen den „Reichen“ und „Armen“ herzustellen. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten: indem er Produktivkapital vergesellschaftet (Gemeineigentum) oder aber die Produktivmittel dem Eigentümer formal belässt, aber die Gewinne, die damit erwirtschaftet werden, soweit wegbesteuert, dass es quasi einer Enteignung entspricht.
    Diese Enteignung (egal welcher Art) wird immer mit einer Art von Zwang von statten gehen müssen (staatlicher Zwang, Revolution usw.). Der Fehler des Sozialismus ist also immer, dass die persönliche Freiheit leiden wird.

    In diesem Spannungsfeld bewegt sich alles. Es gibt kein Land, dass den Sozialismus oder den Liberalismus zu 100 % umgesetzt hat oder umsetzen wird.
    Die Mischformen nennen sich „Interventionismus“ und die werden nach Ludwig v. Mises immer im Sozialismus enden, wenn man nicht aufpasst.

    Eigentlich wurde der Sozialismus schon widerlegt, da in ihm eine Wirtschaftsrechnung nicht möglich ist. Aber leider wird das nicht oder nur wenig gelehrt, bzw. ist es zu abstrakt, als dass es viele wirklich interessiert. Genaueres findet man in „Gemeinwirtschaft“ von Ludwig v. Mises aus dem Jahr 1922.

    Wer sich tiefer mit dem Liberalismus beschäftigen möchte, dem sei die Seite https://www.misesde.org/ empfohlen. Dort werden fundiert versch. Themen abgehandelt, u.a.
    -Der Fall Kevin Kühnert zeigt: Der Sozialismus lebt
    -Umverteilung ist ungerecht usw.

    Grüße Tugumak

    • Hallo Tugumak, vielen Dank für deinen Kommentar!
      Ludwig von Mises habe ich noch nicht geschafft zu lesen. Mit den sozialen Fragen: Stimmt. Aber ich denke, jeder Mensch hat ein Herz und gerade viele Reiche sind wohltätig und bereit zu helfen. Sei es durch Wissen, durch Bücher, durch Spenden. Ich werde mir das auf jeden Fall genauer anschauen. Das heißt also für uns, dass wir aufpassen müssen … danke für die Artikel, ich schaue gleich mal rein.
      VG, Anna

  • Mein lieber Herr Gesangsverein… die Definition von Sozialismus im Text ist schon bemerkenswert. M. W. n. gibt es eine allgemein anerkannte jedenfalls nicht. Hast Du Dir die selbst ausgedacht?

    „Sozialisten fordern, dass all diese Ressourcen in der Hand einer monopolistischen Gruppe landen, um dann anschließend »gerecht« verteilt werden.“

    Tun Sie das? Einige vermutlich schon, aber sicher nicht alle. Da gibt’s ganz verschiedentliche Ausprägungen die dazu hochkomplex sind. Deine recht schwarzgemalte Definition mit dem Interview von K. Kühnert in Verbindung zu setzen ist schon ziemlich…. offensiv, um das mal höflich auszudrücken.

    Wenn wir schon beim Grundgesetz sind, empfehle ich auch mal einen Blick in den Artikel 20 Abs. 1:
    Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.

    Den Artikel 15 habt ihr ja schon gefunden, aber Artikel 14 offenbar noch nicht. Wollen wir mal sehen, da steht in den Absätzen 2 und 3 das Folgende:

    (2) Eigentum verpflichtet. 2Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.

    (3) 1Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig. 2Sie darf nur durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes erfolgen, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt. 3Die Entschädigung ist unter gerechter Abwägung der Interessen der Allgemeinheit und der Beteiligten zu bestimmen. 4Wegen der Höhe der Entschädigung steht im Streitfalle der Rechtsweg vor den ordentlichen Gerichten offen.

    Ja sapperlott. Wie kann es dieser Kühnert nur wagen, die Möglichkeiten des Grundgesetzes auch nur zu erwähnen? Nur mal so um das einzuordnen: Der kleine Kevin hat mit keinem Wort gesagt, dass er das so durchziehen will oder gar wird, noch hat er es von jmd. anderem gefordert. Bisher hat er zum Schluss eh alles durchgewunken, was seine Oberen derzeit so an Käse fabrizieren. Reines Wahlkampfmanöver, aber das gehört anderswo hin.

    „Der mit 10 € auf der Bank hat das mit höchster Wahrscheinlich nicht verstanden. Er denkt, das, was er jeden Monat reinkriegt, ist alles, und er denkt, Sparen bringt sowieso nichts. Also gönnt er sich, was er sich von dem Geld gönnen kann, als gäbe es kein Morgen. Er verbrät das wertvolle Geld in Konsumgüter, die nach dem ersten Handschlag schon 50% ihres Wertes verlieren, ohne sich dessen bewusst zu sein. Das Wort »Inflation« hat er einmal in der Schule aufgeschnappt und danach sofort vergessen. € 100 bleiben für ihn für immer € 100, ohne »Veränderung«. Wenn nach zehn Jahren die Waren und Dienstleistungen teurer geworden sind, dann wundert er sich darüber, anstatt Maßnahmen zu ergreifen. Er will nicht sparen, weil das erstmal schmerzhaft ist und mit Entbehren zutun hat. Also macht er es nicht, aber die Konsequenzen will er auch nicht tragen. “

    Bloße Behauptungen…. beleidigend für alle weniger betuchten dazu. Jeder der nichts auf der hohen Kante hat, wird pauschal als konsumgeiler Geldverprasser abgestempelt. Andere Ursachen der Armut werden disqualifiziert, es heißt im Tenor: „selbst schuld“. Du setzt zudem voraus, dass jeder einen gewissen Betrag zum Sparen hat. Sorry, aber das ist reine Polemik und Stimmungsmache ohne jedweden Inhalt.

    @Maschinist: „Da wir das unter großer Anstrengung erwirtschaftete und investierte Vermögen….“

    Aha…. und die Damen und Herren in den Fabriken, die die BMW’s vom Band rollen lassen bohren die ganze Zeit in der Nase, hmm?

    @Maschinist: „In der Vergangenheit hießen Sie z.B. Stalin, Pol Pot, Castro oder Maduro….“

    Huch, hab ich was verpasst? Und ich dachte Maduro wäre heute noch der gewählte Präsident von Venezuela…
    Aber lassen wir das mit Venezuela doch, denn es eignet sich als Beispiel nicht sonderlich gut, werden die armen Teufel doch von den USA zu Tode sanktioniert (leider im wahrsten Sinne des Wortes). Da würde jedes System zusammenbrechen. Die Schieflage dort ausschließlich dem Sozialismus anzuhängen, ist daher schon eine mehr als mutige Behauptung.

    Das Deutschland ein Sozialstaat ist, steht in Artikel 20, siehe oben. Von Marktwirtschaft werdet ihr im GG genau gar nichts lesen. Eine gewisse Umverteilung von oben nach unten ist also dort schon verbrieft. Die Realität sieht deutlich anders aus derzeit. Nämlich genau andersherum.

    „Das Ergebnis ist immer Verwesung und Untergang, da die Besitzenden und Schaffenden wie ich entweder früh genug das Land verlassen oder enteignet und entrechtet werden und danach keinen Sinn mehr in irgend einer Produkttiviät sehen.“

    Hmmm… in China scheint das ganze nicht so schlecht zu laufen mit der Produktivität. Und da gehört jede kleine Klitsche dem Staat.

    Ich wünsche mir sicher nicht den Kommunismus herbei, Gott bewahre. Aber manche Dinge gehören halt nun mal in die Hand des Staates.
    Man sieht ja, wohin private Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen die Gesundheitsfürsorge gebracht haben.
    Marktversagen gibt es außerdem ebenfalls zuhauf: HSH Nordbank, Toll Collect, Dieselaffäre… kosten den Steuerzahler Milliarden. Aber so läuft das halt: Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren.

    Der Sozialstaat ist eine Errungenschaft und kein Klotz am Bein.

    @xecasaku: Guter Beitrag.
    @guter Verwalter: gefällt mir ebenfalls.

    • Hallo Oliver!
      Wow, danke für diesen ausführlichen Kommentar!
      Du hast recht, zum Sozialismus gibt es anscheinend keine allgemeingültige Definition. Du hast recht, es könnte noch andere „Ausprägungen“ geben, die eventuell weniger radikal sind. Auch ist richtig: Was Kühnert sagte / forderte, ist mit dem Grundgesetz vereinbar. Die weniger Betuchten zu „beleidigen“ wollte ich nicht. Mit dem zitierten Absatz sind diejenigen gemeint, die tatsächlich sparen könnten, es aber nicht tun. Dass das nicht alle betrifft, wollte ich mit dem zweiten Absatz („Ist man an Armut selbst schuld?“) einschließen. Leute, die nicht wild konsumieren, sondern tatsächlich wenig besitzen. Allerdings denke ich, dass diese Probleme mit Umverteilung / Geld nicht zu lösen ist. Ich werde zu deinem Kommentar noch weiter nachdenken. Danke für die Denkanstöße 🙂
      VG, Anna

    • guter-verwalter

      @Oliver.

      Danke für deinen Beitrag; ich möchte trotzdem noch einige Denkanstöße zu deinen Aussagen geben:

      1) „Sozial kann auch gut sein“. – Die Philosophie der Gleichmacher

      Die Definition von „sozial“ ist schon bei verschiedenen Menschen nicht die gleiche. Deshalb bin ich grundsätzlich skeptisch eingestellt, wenn ich von „Sozialstaat“, „Sozialsystem“ und „sozialer Gerechtigkeit“ als ‚gut‘ lese, weil die Auslegungen dieser Begriffe in jedem Kopf anders sind. Der Eine hat den Chancengleichheits-Gedanken dazu im Kopf, der Andere aber aber den Ergebnis-Gleichheits-Gedanken. M.E. ist der zweite Gedanke der, der in unserer postmodernen Gesellschaft nach 1968 – und v.a. in der Politik – der prävalente ist. Bsp.: „Wir brauchen auf JEDEN FALL 50% Männer und 50% Frauen in Vorständen.“ Aber warum dann nicht auch einen festen Prozentsatz für Übergewichtige mit BMI größer 30; warum nicht einen festen Satz für LGBTQetc., für Kleinwüchsige, für Männer mit überdurchschnittlich hohen Stimmen…?

      Die aktuellen Interpreten der Frankfurter Schule der 1920er Jahre, die die sog. ‚Kritische Theorie‘ als Basis für all unsere Bewertungen der Gesellschaft still und heimlich etabliert haben, machen grundlegend folgendes: Die Welt besteht laut ihnen aus Unterdrückten und Unterdrückern, und immer wenn das INDIVIDUUM sich EMOTIONAL zur Gruppe der Unterdrückten zählt (egal, was die statistischen Fakten sagen), dann muss SOZIALE Gerechtigkeit geschaffen werden, koste es, was es wolle. Auch, wenn ich im Prozess der „Etablierung des Sozialen“ Individuuen ihrer fundamentalen Menschenrechte beraubt werden müssen.

      2) „In China klappt es ja auch“.

      Schon mal etwas vom Weltverfolgungsindex gehört? China knastet muslimische Uiguren und Christen nicht nur ein, Polizisten werden sogar mit 70 USD zusätzlich bezahlt, wenn sie diese Menschen festnehmen! Warum? Sie widersetzen sich „dem Willen des Kollektivs“, der Planung der kommunistischen Partei. Und wenn unser „mutiger“ Außenminister Maas nach China geht, um mit den Brüdern im Geiste über Wahrung der Menschenrechte zu reden, winken die ab.

      3) Ein Zitat von Roland Baader.

      „Eine Handlung ist nur dann von moralischem Wert, wenn sie ohne die Anwendung äußeren Zwanges und ohne Kosten für den Mitmenschen geschieht.“ In diesem Sinne sind alle Formen des Sozialstaates UND alle Formen einer kapitalistischen Marktordnung IMMER in der Verantwortung, ihren moralischen Status – das „Sozial-Sein“ – zu überprüfen. Jeder Mensch für sich alleine.

      Viele Grüße vom
      guten Verwalter

  • Hilfsschlosser

    Hallo Anna

    Ein wirklich sehr emotionaler Artikel. Nachdem du fest gestellt hast das Sozialisten emotional sind möchte ich das jetzt auch mal sein. Ich meine emotional nicht Sozialist.
    Als ich in der DDR lebte habe ich festgestellt das die meisten Menschen alles andere als hilflos sind. Natürlich an der Realwirtschaft also am sozialistischen System vorbei aber eben nicht hilflos.
    Sozialismus-Kommunismus waren für mich erstmal nur Diktaturen und sonst gar nichts. Mit dem eigentlichen Gedanken hatte das nichts zu tun.
    Bleibt die Frage ob es überhaupt möglich ist ein derartiges System zu etablieren ohne diktatorische Mittel anzuwenden.
    Meiner meinung nach nein.
    Ich denke die Evolution hatte gute Gründe unsere Gehirne nicht im sozialistischem Takt ticken zu lassen.
    Wenn du mich jetzt fragen würdest ob es sich lohnt über diese Systeme nachzudenken und damit die selbstregulierenden Marktkräfte in Frage zu stellen. JAAA!
    Ich selbst würde mich als Linken verorten. Aber als echter Freiheitskämpfer (Hallo Maschinist, hättste jetzt nicht gedacht wa!) ist es nicht nur meiner Pflicht den Kapitalismus für mich arbeiten zu lassen sondern auch beim Feind mitzuhören.
    So geschehen bei einem Vortrag von Dr. Markus Krall. Einem guten Argument ist es egal wo man es verortet.
    Sinngemäß ging der Satz so: “ Eigentum ist ökonomisches Karma“
    Soll wohl heißen nur durch Eigentum fällt eine ökonomische Entscheidung zu 100% auf dich selbst zurück.
    Das unterscheidet im übrigen einen Dax- Manager o. einen Politiker von einen Unternehmer im deutschen Mittellstand.
    Was erstere nicht davon abhält gelegentlich Gott zu spielen. So genannte Sozialisten haben da kein Alleinstellungsmerkmal.
    Warum schreibe ich das alles. Ich meine ich habe bei deinem Artikel sehr viel Verachtung und Verbitterung rausgelesen und das führt zu nichts.

    dies ist natürlich nur mein emotionaler Gedanke.

    Gruß
    Hilfsschlosser.

    • Hallo Hilfsschlosser!
      Danke für den langen, ausführlichen Kommentar. Der Satz „Eigentum ist ökonomisches Karma“ gefällt mir. Ich denke, da ist was Wahres dran. Ich denke über deinen Kommentar weiter nach 🙂 Verachtend und Verbittert möchte ich eigentlich nicht klingen … Mich hatte nur dieser eine Satz aufgeregt … aber vielleicht hast du recht, das führt zu nichts :/
      LG, Anna

  • Hallo Anna,
    ein toller Kommentar, du sprichst mir aus dem Herzen! Ich kann es einfach nicht glauben, dass im Jahr 2019 ausgerechnet in Deutschland wieder eine Debatte über Enteignung von Privatvermögen stattfindet!

    In unserem Land fehlt es nicht nur an finanzieller Bildung, sondern auch an Eigenverantwortung. Es ist halt immer am einfachsten jemand anderem die Schuld an der eigenen unzufriedenen Situation zu geben. Immer nach dem Motto `Der Staat tut überhaupt nichts für mich`.
    Und zu Kevin Kühnert: Dieser „Dr. Allwissend“ ist zwar rhetorisch sehr geschult, aber von Wirtschaft hat er überhaupt nichts verstanden. Höchstens, dass man nach vier Jahren im Bundestag höhere Pensionsansprüche hat, als ein Durchschnittsarbeitnehmer nach 40 Jahren Arbeit Rente bekommt.
    Mich tröstet nur eins: mit seinen abstrusen Ansichten leistet er beste Arbeit, die SPD noch tiefer in der Versenkung verschwinden zu lassen.

    • Hallo Gerry!
      Cool, dass du das auch so siehst! Richtig, ich denke, Eigenverantwortung ist immens wichtig. Man muss schauen, was man selbst besser machen kann für die Zukunft. Was kann ich tun, um meine wirtschaftliche Situation zu verbessern? Es bringt nichts, die Schuld bei anderen zu suchen. Man kann immer nur am eigenen Verhalten schrauben, damit kommt man schneller ans Ziel. Genau, ich denke, er hat der SPD geschadet und das billigend in Kauf genommen. Ich bin auf die Europa-Wahl gespannt …
      LG, Anna

  • Sozialisten wie Kevin Kühnert sind in der Tat frustrierend. Sie hören sich an wie eine Schallplatte mit Sprung; seit Jahrzehnten die gleichen Argumente und Konzepte und Null Weiterentwicklung. Man fragt sich inwiefern sich ein Sozialismus a la Kühnert sich vom venezolanischen Sozialismus unterscheiden soll, aber da bleiben sie wohlweislich abstrakt. Werden sie zu konkret, würde schnell deutlich warum Sozialismus doch keine gute Idee ist.

  • Nachdenklicher

    Hi Anna,

    ich bin immer wieder überrascht wie voreingenommen viele Menschen sind und nach dem Text zähle ich dich auch dazu. Wie einige Kommentatoren schon angemerkt haben, strotzt der Text nur so von Vorurteilen. Ich würde schon fast behaupten, dass das sehr stark am Populismus grenzt.
    Hat Kühnert eigentlich jemals gesagt er möchte den Sozialismus in dieser Form wie du ihn darstellst in Deutschland einführen. Hast du das Interview eigentlich gelesen oder springst du auch nur auf die reißerischen Artikel in Welt, Focus und Co an? (Das Interview war nämlich nur hinter einer Bzahlschranke)

    Nach deiner Beschreibung will ein Sozialist also, dass alle gleich sind und alle das gleiche haben, in welcher Form auch immer. Tut mir leid, aber ich keine keinen Linken der das will. Man möchte Gerechtigkeit und doch keinen Einheitsbrei. Niemand hat auch nur ansatzweise behauptet alles muss verstaatlicht werden. Ja, es gibt Sachen die machen in privater Hand ökonomisch keinen Sinn.
    Ist dir eigentlich auch mal in den Sinn gekommen, dass viele Sachen die wir heute haben nicht von Firmen entwickelt worden sind, sondern an „STAATLICHEN“ Universitäten. Das IPhone würde es z.B. nie geben. Apple hat die vielen vorher erforschten Einzelteile, wie ein Touchdisplay dann nur zu einem Endanwender-Produkt gemacht und das ist auch gut so. Daher zu pauschalisieren, der Staat ist ineffizient ist wieder sehr nah am Populismus.

    Was mich aber noch viel mehr stört, ist, dass du/ihr immer so tut als ob ihr mit euren Texten die Weisheit schon mit der Babynahrung aufgenommen hab und dass es keine Alternative zu eurer „Meinung“ gibt.

    Dabei weißt du selber nicht mal wie Inflation zu Stande kommt. Zeig mir bitte einen empirischen Beleg für die Aussage, dass Staatsbanken Geld in Umlauf bringen und dadurch Inflation erzeugt wird. Wenn du meinst, dass die EZB massiv Geld druckt und dann extreme Inflation erzeugt, dann frag ich mich wo diese ist? Man erreicht ja nicht mal das 2% Ziel und das jetzt schon seit 2 Jahrzehnten. Genauso in den USA. Die FED druckt, aber nirgends auch nur ansatzweise eine Hyperinflation zu sehen. Auch frage ich mich wie es sein kann, dass ein kommunistisches Land wie China seit nun Jahrzehnten mit Abstand das größte Wirtschaftswachstum hat. Auch wenn vieles da Menschrechtlich falsch läuft, geht es da vielen Menschen viel besser als noch vor 20 Jahren und das obwohl fast alles in staatlicher Hand ist.
    Ich kann dir nur empfehlen dich auch mal mit ökonomischen Themen auseinanderzusetzen. Für alle Sparfüchse gibt es jetzt temporär die Chance das umsonst zu machen auf http://makroskop.eu/. Kann ich nur empfehlen.

    Hast du eigentlich mal darüber nachgedacht, was passiert, wenn jeder auf Teufel kommt raus spart? Wer zum Henker soll dann die ganzen schönen Produkte kaufen, die in der Wirtschaft produziert werden. Wenn die Produkte keiner mehr kaufen, wie soll dann der Wert der Firmen steigen. Irgendwie beißt sich die Katze da doch in den Schwanz.

    Auch finde ich deinen Text teilweise doch sehr menschenverachtend. Er macht den Eindruck jeder der nicht auf deinem intellektuellen Niveau ist, hat keine Daseinsberechtigung. Jeder von denen ist ein Schmarotzer und zu doof sich weiterzubilden.

    Irgendwie habe ich den Eindruck du willst das wir alle gleich sind. Alle genauso intelligent, kapitalistisch und sparsam. Am besten alles Ingenieure oder IT Spezialisten, aber keine Müllmänner mehr, keine Postbote, keine Pfleger und keine Krankenschwestern mehr. Vielfalt Fehlanzeige. Darwinismus pur. Es überlebe nur der Stärke!!

    Kannst du dir eigentlich vorstellen wie viele Menschen es gibt, die sich dafür schämen, dass sie auf staatliche Hilfen angewiesen sind und alles versuchen um daraus zu kommen, aber es nicht schaffen aus unterschiedlichsten Gründen. Dumm nur, dass über solche Menschen viel zu wenig berichtet wird, die aber wohl die große Mehrheit ausmachen. Aber lieber zeichnet man das Bild der tausenden Florida Rolfs. Das ist emotional doch viel aufgeladener. Ich vermute deine persönlichen Kontakte zu der ärmeren Schicht in Deutschland halten sich auch in Grenzen und du spricht da nicht aus persönlicher Erfahrung.

    Was ist nur aus der Menschlichkeit geworden, die Fähigkeit sich in andere hineinzuversetzen. Es dominiert nur noch Egoismus und die Angst das jemand einem was wegnehmen könnte. Und das schäbigste ist die Gier, die Menschen dazu verleitet sich auf Kosten anderer unnütz zu Bereichern.

    Schöne Restwoche.
    Ein Nachdenklicher

    • Hallo Nachdenklicher, vielen Dank für den ausführlichen Kommentar!
      Ich habe mir die Diskussion bei Maischberger angesehen: https://bit.ly/2HrgH3g Welt, Focus und Co. lese ich nicht. Ja, man möchte Gerechtigkeit, aber was ist gerecht? Darüber wird man für immer diskutieren und dennoch zu keinem Konsens kommen. Sozialismus zeichnet sich durch die Ideen Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität aus. Kühnert redet in dem Interview (in der Diskussion) ganz offen darüber, Immobilienbesitz zu beschränken. Einer der Teilnehmer reflektiert völlig richtig: Herr Kühnert, wollen Sie den Menschen sagen, wann Schluss ist mit Vermögenserwerb?
      Ja, es sagte keiner, dass alles verstaatlicht werden soll. Aber trotzdem setzen die Forderungen Zeichen, können ein Anfang sein. Ich denke nicht, dass meine Meinung die einzig Richtige ist. Vor fünf Jahren noch etwa wäre ich mit Kühnert absolut einverstanden gewesen. In einem Jahr werde ich vielleicht anders denken. Eine Hyperinflation haben wir meines Wissens nicht; Konsum und Sparen schließt einander nicht aus – warum denn?
      Das, was du im sechsten Absatz ansprichst, denke ich absolut nicht. Ich bin dankbar für all die Müllmänner, Postboten, Pfleger und Krankenschwestern! Intellekt ist nicht das Entscheidende im Leben, denke ich. Ich möchte nicht, dass alle gleich sind. Ganz im Gegenteil – die Vielfalt an Meinungen, Erfahrungen, Lebensweisen ist interessant und bereichernd. Du hast recht – ich habe mit der ärmeren Schicht persönlich nicht viel zutun. Ich kenne die Geschichten nur aus Dokumentationen und Interviews (z.B. Human Stories DE). Mein Eindruck ist, dass diese Menschen tiefe Traumata bewältigen müssen, und ich denke nicht, dass Geld ihre Probleme lösen würde. Der junge Mann in „Ist man an Armut selbst Schuld?“ sieht glücklicherweise ein, dass er sein Leben in der Hand hat. Er ist auch mehrmals hingefallen, in dem Video sagt er, es sei sein dritter/vierter Versuch. Wichtig ist, weiterzumachen. Und siehe da, nachdem er sich überwunden hat, bekommt er Hilfe zur Selbsthilfe. Seine neue Wohnung, die er gestellt bekommt, sieht fantastisch aus, ist niegelnagelneu. Man muss aufstehen, er ist auf dem richtigen Weg.
      Es gibt natürlich Menschen, die wirklich Hilfe brauchen, über diese diskutiere ich hier nicht. Da steht außer Frage, dass wir als Gesellschaft in der Verantwortung stehen, Hilfe zu leisten!
      Danke, wünsche ich auch 🙂
      VG, Anna

    • Hallo Nachdenklicher,

      die Antwort auf „Zeig mir bitte einen empirischen Beleg für die Aussage, dass Staatsbanken Geld in Umlauf bringen und dadurch Inflation erzeugt wird“ ist eigentlich ganz einfach in der deutschen Geschichte zu finden.
      Zur Inflation im Jahre 1923 steht bei Wikipedia: „Eigentliche Ursache der schon ab 1919 beginnenden Hyperinflation war die massive Ausweitung der Geldmenge durch den Staat in den Anfangsjahren der Weimarer Republik, um die Staatsschulden zu beseitigen.“ (siehe Wikipedia, „Deutsche Inflation 1914 bis 1923“)

      Wenn du dich fragst, „wie es sein kann, dass ein kommunistisches Land wie China seit nun Jahrzehnten mit Abstand das größte Wirtschaftswachstum hat“, dann befasse dich doch bitte etwas mit der Geschichte des Landes, insbesondere mit den Sonderwirtschaftszonen, die eingerichtet wurden, um dem marktwirtschaftlichen Druck der Bevölkerung von unten entgegen zu kommen. Die kommunistische Regierung war so schlau, diesen zu nutzen, ohne ihre angeblich kommunistische Grundeinstellung aufzugeben. Ob das wirklich noch Kommunismus im eigentlichen Sinne ist oder nur ein sehr starker Staat, der in einen mehr oder weniger freien Markt eingreift, darfst du für dich selbst beantworten.

      „Auch wenn vieles da Menschrechtlich falsch läuft, geht es da vielen Menschen viel besser als noch vor 20 Jahren und das obwohl fast alles in staatlicher Hand ist.“
      UiUiUi! Da musste ich schlucken…da läuft ein bißchen was menschenrechtlich falsch, aber der Mehrheit gehts ja besser. Das lässt tief blicken…wo gehobelt wird, da fallen halt Späne. Einzelschicksale – ha, nicht so wichtig…Hauptsache der Masse gehts besser. Das ist meiner Ansicht nach menschenverachtend, aber richtig!

      Gruß Tugumak

      • ich sehe grade, dass die letzten beiden Worte „aber richtig“ evtl. falsch verstanden werden können.

        Ich wollte damit nicht „notwendig“ ausdrücken, sondern eher im Stil von „aber sowas von…“ verstanden werden 😉

      • Nachdenklicher

        Hallo Tugumak,

        Gratulation du hast ein Beispiel bzgl. der Inflation gefunden. Ich muss auch zugeben ich war etwas unpräzise mit meiner Frage, da ich das Wort „immer“ unterschlagen habe.
        Das erklärt aber nicht warum es in den genannten Beispielen der FED und EZB zu keiner Inflation gekommen ist, wenn doch Geld drucken zu Inflation führen soll.
        Außerdem war die Situation, die dann 1923 in der Hyperinflation geendet hat, doch wesentlich komplexer, als nur das reine Gelddruck. Was war mit den enormen Reparationszahlungen in Fremdwährung? Nicht zu vergessen die drohende Besetzung bei nicht Zahlung? Was war mit der reduzierten Wirtschaftsleistung als Folge des Krieges z.B. durch Zerstörung von Produktionsanalagen.
        War es nicht auch so, dass bereits vor dem Geld drucken die Inflation mächtig angezogen hat?

        Danke für die Bestätigung des Beispiels China. Das zeigt doch genau, dass es sehr stark davon abhängig ist, wie man ein System ausprägt. Meisten, wie am Beispiel dieses Blogtextes, wird im Fall des Sozialismus auch immer das extreme dargestellt. Was war denn unsere frühere soziale Marktwirtschaft (die aus meiner Sicht heutzutage fast komplett dem Kapitalismus pur in Form des Neoliberalismus gewichen ist)? War das nicht auch ein Mittelding aus Sozialismus und Kapitalismus? Hatte eigentlich ganz gut funktioniert.

        Du musst schlucken, weil du das liest was du lesen möchtest. Und ich finde es ganz schön infam, dies anhand dieses Satzes mir vorzuwerfen. Ich habe dies in keiner Weise beschönigt, sondern nur dargelegt, dass nicht nur der Kapitalismus starke Wirtschaftsleistungen bringen kann. Um es für dich noch deutlicher zu schreiben kritisiere ich die Menschenrechtsprobleme auf das Schärfste. Und das nicht nur in China. Auch in Europa und Deutschland haben wir noch sehr viel Dreck am Stecken.

        Nachdenklicher

        • Hallo Nachdenklicher,

          schön, dass du das nochmal für mich klar dargestellt hast, dass Menschenrechtsverletzungen überhaupt nicht gehen. Dann versteh ich das jetzt besser, nehme das o.a. zurück und möchte mich dafür entschuldigen.

          Geld drucken (also neu schöpfen) ist einer der wichtigsten Gründe für Inflation. Ein anderer z.B. die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes. (siehe Quantitästheorie)
          Bsp: es gibt 5 € Geld in einer Volkswirtschaft, die 5 Gummibären produziert. Damit kostet 1 Gummibär 1 €. Die Geldmenge wird ceteris paribus auf 10 € erhöht und somit kostet 1 Gummibär 2 €.
          Durch die Geldmengenausweitungen der FED/EZB kommt es nicht im gewünschten Maße zur Inflation des zugrundeliegenden Warenkorbes, weil im Warenkorb nur konsumierbare Waren erfasst werden. Da geb ich Ihnen recht.
          Aber in anderen Teilmärkten, die für die Statistiker zu investierbaren Gütern gehören, kommt es schon zur Erhöhung des Preisniveaus. Stichwort: Immobilienmarkt, Finanzmarkt,…
          Bei dieser Grafik sieht man deutlich wie es nach der Finanzkrise, und damit nach Geldmengenerweiterung und Zinssenkungen, zu Preissteigerung im Immobilienbereich kam (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/597304/umfrage/immobilienpreise-alle-baujahre-in-deutschland/)
          Die Charts für die Aktienmärkte verdeutlichen das, glaube ich, auch.
          Das zusätzlich aus dem Nichts geschaffene Geld findet seinen Weg, aber halt nicht immer in der gewünschten Art und Weise.

          Die soziale Marktwirtschaft ist mitnichten ein „Mittelding aus Sozialismus und Kapitalismus“, sondern eine Art „eingehegter“ Kapitalismus. Man beachte auch was in dem Begriff Adjektiv und was Substantiv ist – es heißt nicht marktwirtschaftlicher Sozialismus!
          Eine der grundlegenden Säulen der sozialen Marktwirtschaft ist Eigentum – hier wichtiger: Eigentum an Produktionsmitteln. Eigentum an Produktionsmitteln lässt der Sozialismus aber nicht zu – egal ob er formell enteignet oder die Produktionsmittel formell beim Eigentümer bleiben und die Gewinne wegbesteuert werden, um nach einem demokratischen Prozeß umverteilt zu werden.
          Und genau das hat Kevin Kühnert gefordert: Kollektivierung von BMW kann er sich vorstellen. Das ist etwas Extremes und deswegen werde ich diesem Rattenfänger niemals hinter herlaufen.
          Wohlweislich äußert er sich nicht dazu, wie denn der Eigentumsübergang von den jetzigen Eigentümern von BMW an den Staat erfolgen soll.
          Was Hr. Kühnert auch nicht verstanden hat, ist, dass über die Gewinnverwendung von BMW immer demokratisch abgestimmt wird. Die Eigentümer (Aktionäre) stimmen über die Vorschläge des Vorstands ab. Dieser findet oft Zustimmung, aber nicht immer automatisch. Da kann es ganz schön haken.(https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/sonderausschuettung-permira-bekommt-von-hugo-boss-grosszuegige-dividende-1512323.html).

          Wenn du früher mit heute vergleichen möchtest, dann ist klar eine steigende Staatsquote zu erkennen und damit immer mehr Sozialismus anstatt Marktwirtschaft (https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Monatsberichte/2015/01/Inhalte/Kapitel-5-Statistiken/5-1-12-entwicklung-der-staatsquote.html), d.h. es wird der zweite Weg gewählt. Das Eigentum bleibt formell bestehen, aber die Gewinne werden wegbesteuert. Leider gehen die Daten nur zurück bis 1960.

          Und was auch gerne vergessen wird beim Begriff Soziale Marktwirtschaft im Erhardˋschen Sinne ist, dass ein gewisses Maß an Eigeninitiative erwartet wird. Der Staat ist nicht dazu da fehlende Eigeninitiative auszugleichen und alles gleich zu machen, sondern in der Not zu helfen.

          Noch was interessantes zum Schluss:
          Genossenschaften – wie von Kevin Kühnert mit dem Begriff Kollektivierung gefordert – gibt es schon zuhauf. Da braucht’s nicht den Juso-Vorsitzenden dazu. Edeka, Rewe, PSD-Bank usw. sind auch ohne ihn erfolgreich.
          Es gibt sogar Genossenschaften, die einen MDAX-Konzern als Mehrheitsaktionär besitzen, wie man am Beispiel der Südzucker AG und der SZVG e.G. erkennt.
          Aber wichtig ist, dass diese Genossenschaften nicht staatlich aufoktroyiert werden, sondern freiwillig entstehen.

          • Nachdenklicher

            Hallo Tugumak,

            Entschuldigung angenommen.

            Dieses mal fasse ich mich kurz, da mir einfach die Zeit fehlt ewig lange Texte zu schrieben.

            Die Argumente die du bringst sind mir alle nicht neu, dennoch sind diese aus meiner Sicht nicht sehr schlüssig. Wie bereits gesagt, hängt vieles davon ab wie man ein System ausprägt. Ich bin gegen einen extremen Sozialismus bei dem alle gleich sind und ich bin gegen einen extremen Kapitalismus wo der Mensch nichts mehr Wert ist. Wer sagt denn, dass es in einer gemäßigten Form des Sozialismus kein Eigentum geben kann. Ich kenne auch sehr wenig Politiker, die dieses extrem fordern. Fakt ist es gibt Bereiche, die machen in der Hand der Privatwirtschaft einfach NULL sinn.

            Aktien- und Immobilienpreissteigerung haben ehr mit Spekulation zu tun als mit Inflation. Ich kann da weiß Gott kein Zusammenhang mit der Geldmengenausweitung sehen. Zumal die Geldschöpfung und damit Geldmengenausweitung aktuell durch Privatbanken durch Kreditvergabe verursacht wird. Was die EZB gemacht hat, ist Zentralbankgeld geschöpft. Das Geld landet nie direkt im Wirtschaftskreislauf. Mit diesem Geld sollte es den Banken erleichtert werden Kredite zu vergeben, was aber nicht richtig geklappt hat. Der Staat hat sich wie wir wissen auch nicht weiter verschuldet, sondern diese getilgt. Also auch kein Beitrag zu Geldmengenausweitung.

            Des Weiteren enthält der Inflationswarenkorb auch Mieten und trotzdem haben wir eine so geringe Inflation. Das würde mir fast noch mehr zu denken geben.

            Was hat eine Staatsquote mit Wirtschaftsleistung und Zufriedenheit der Bürger zu tun. Beispiel: Dänemark ist wirtschaftlich für so ein kleines Land sehr gut aufgestellt und hat die glücklichsten, zufriedensten Menschen, aber eine der höchsten Staatsquoten. Ich kann dir auch Beispiele zeigen wo es genau andersrum ist. Was ist wenn ich die GKV komplett privatisiere, dann sinkt meine Staatsquote und trotzdem brauchen alle eine Krankenversicherung. Wird diese dann besser? Wenn ich über den Teich schaue, habe ich da sehr starke Zweifel. Zusätzlich wird das, dann auch keinen positiven mehr Beitrag zu der Wirtschaft haben.

            Best Grüße

  • „Die Looser unserer Zeit sind Menschen, die nur kritisieren, nichts tun und ihrem Neid und ihrer Missgunst freien Lauf lassen […] und wir als Gesellschaft stehen in der Verantwortung, der zweiten Gruppe kein Gehör zu verschaffen.“

    Nein, wir als Gesellschaft stehen in der Verantwortung, dass alle Menschen die Möglichkeit haben, ihre Meinung kundzutun. Demokratie lebt nicht davon, dass alle einer Meinung sind.

    „Es ist absolut erschreckend, dass im Jahr 2019 eine solche Debatte geführt wird. […] Zum Glück war die Empörung groß […]“

    Da muss ich noch mal widersprechen. Der Sinn von Debatten ist es, bestehende Konzepte in Frage zu stellen. Ich finde es eher erschreckend, dass heutzutage so gut wie keine Debatten mehr stattfinden. Wäre Kühnert Parteivorsitzender, würde er nichts ohne Absprache sagen.
    Was ist so falsch daran, über Enteignungen zu diskutieren? Sie stehen meiner Meinung nach nicht ohne Grund im Grundgesetz. Keine Autobahn, kein Schienennetz und keine Stromtrassen könnten ohne Enteignungen gebaut werden. Sie schaffen einen gesellschaftlichen Mehrwert und beinhalten im Idealfall eine angemessene Emtschädigung der Enteigneten. Ich glaube ja nicht, dass Enteignungen die Mietsituation entlasten oder für die Autobranche nützlich wären, aber was spricht dagegen, darüber zu diskutieren? Ohne Meinungspluralismus ist der Mehrwert der Demokratie zweifelhaft.

    Ansonsten muss ich ganz ehrlich sein: Ich zahle gerne mehr in die Krankenversicherung ein als ich wieder herausbekomme. Die Sicherheit ist viel mehr wert als die hohen Kosten. Ich zahle auch freiwillig meine Arbeitslosenversicherung. Nicht, weil ich glauben würde, sie zu brauchen. Aber jeder kann von betriebsbedingten Kündigungen getroffen werden. Und dann ist eine Lohnfortzahlung in angemessener Höhe und über einen angemessenen Zeitraum nur angemessen.
    Und dann? Hartz IV ist kein 4-Sterne-Urlaub. Was wäre die Alternative? Mit den Schultern zucken und wegsehen? Ich bin froh, dass in diesem Land niemand verhungern muss und jeder das Recht auf ein Dach über dem Kopf und auf ein menschenwürdiges Leben hat. Und zwar unabhängig davon, ob er selbstverschuldet in diese Situation gelangt ist oder nicht.

    Und wenn in den Kommentaren andere Länder vorgeschlagen werden: Wo herrscht denn ein besseres System? Die USA, wo es bspw. kein Anrecht auf bezahlten Mutterschutz gibt?

    • Hallo Matthias, danke für deinen Kommentar!
      Stimmt, du hast recht – wir müssen diskutieren und vielleicht ist es sogar gut, wenn solche provokanten Äusserungen fallen, weil sie die Diskussion anregen. Ich denke allerdings, dass es schon einige Bereiche gibt (z.B. Rechtsextremismus), gegen die wir uns als Gesellschaft wehren sollten. Das Bewusstsein muss da sein, wohin das geführt hat und dass das nicht wieder passieren darf. Das ist, finde ich, schon wichtig.
      Die Enteignung im Falle der Infrastruktur durchzuführen, ist sinnvoll. Aber darum geht es ja in dieser Debatte nicht; es ging konkret darum, alle Unternehmen und Vermieter, die mehr als eine bestimmte Anzahl Immobilien besitzen, zu enteignen. Vielleicht hast du recht – eine Diskussion ist immer gut. Das Thema Enteignung löst in Menschen aber zwangsläufig Ängste aus. Stell dir vor, du hast für deinen Besitz hart gearbeitet und dann kommt dieses Thema auf. War alles für die Katz? Natürlich löst das hohe Empörung aus. Ich bin auch froh, dass es ein soziales Auffangnetz gibt.

  • Hallo Matthias,

    zu Absatz 4: du hast Recht, wenn du sagst, dass es erschreckend ist, dass es keine oder zu wenig Diskussionen gibt. Da bin ich voll bei dir. Aber, dass wir jedesmal von vorne anfangen, immer wieder die alten Ideen nochmal und nochmal durchzukauen, kann auch nicht Sinn der Sache sein. Manche Themen sind fertig diskutiert und ich nehme die Ergebnisse dieser Diskussionen, um auf dieser Basis weiter zu machen.

    Enteignungen sind immer schlimm, weil sie immer per Zwang durchgesetzt werden müssen. Die persönliche und wirtschaftliche Freiheit leidet dadurch automatisch auch immer erheblich.
    Ich weiß nicht ob du Hausbesitzer bist, aber wie würdest du dich fühlen, wenn nach Art. 13 (7) GG „zur zur Verhütung dringender Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung“ der Staat per Gesetz durchsetzt, dass du Leute in deinem Haus aufzunehmen hast. Dann ist es denke ich nicht mehr so lustig oder selbstverständlich…

    Enteignungen stehen nicht ohne Grund im Grundgesetz. Da geb ich dir auch Recht, aber diese Möglichkeit wird eingeschränkt, durch die Zusätze „zum Wohle der Allgemeinheit“ (Art. 14 GG). Dieser Zusatz ist recht unbestimmt, und bedarf einer Auslegung.
    Wann dient denn etwas der Allgemeinheit? BMW oder irgendeinen anderen Konzern (z.B. Vonovia) zu enteignen bzw. zu vergesellschaften dient meiner Meinung nach nicht unbedingt der Allgemeinheit – das kann ich irgendwie nicht erkennen.

    Was mir immer auffällt ist, dass die Menschen Enteignungen immer dann gut finden, wenn diese andere treffen. Da wird die Latte für Enteignungen immer so hoch gelegt, dass man selbst nicht betroffen ist, aber andere für die Allgemeinheit aufkommen sollen/müssen.

    Über was sich jeder einmal Gedanken machen sollte, ist wie neidisch man auf andere ist. Es würde natürlich niemand zugeben, dass er neidisch ist. Aber wenn manche wenigstens ehrlich zu sich selbst wären, müssten sie erkennen, dass die Urtriebkraft hinter diesen ganzen Debatten immer der Neid ist. Dazu empfehle ich einen Vortrag von Hr. Dr. Dr. Zitelmann, der unter https://www.youtube.com/watch?v=ZnLi-nf7w4w abrufbar ist. Einfach mal die Stunde investieren und sich danach Gedanken zu dem Gesagten machen.

    Gruß Tugumak

  • Hallo Anna,

    schön, dass mein Kommentar zum Nachdenken beiträgt. Manchmal ist es ein wenig provokant, aber das darf man nicht immer so persönlich nehmen. Aber da hatte ich bei Dir wohl umsonst Sorge.

    Was mich ganz allgemein bei vielen Finanzblogs stört, ist die verengte Sicht auf die Dinge. Das allein wäre ja noch zu verkraften, schließlich wird ein bestimmtes Thema isoliert betrachtet, meist unter Gleichgesinnten.
    Aber wenn eine enge Perspektive dann als Basis für Forderungen nach Maßnahmen auf volkswirtschaftlicher Ebene dient, dann wird es meist mehr als grenzwertig.

    Dabei werden dann die großen Zusammenhänge nicht mehr gesehen und nicht berücksichtigt. Nehmen wir doch mal das Beispiel Wohnraum.
    Das Land Berlin müsste den Enteigneten – und hier reden wir von Renditemaschinen wie Vonovia und Deutsche Wohnen, denen die Mieter komplett egal sind und nicht von irgendwelchen wohlhabenden Privatleuten die 3 bis 4 Immobilien am Start haben – nunmehr einen deutlich höheren Preis zahlen, als derjenige, der damals aufgerufen wurde. Wir erweitern also unseren zeitlichen Horizont auf diese Zeit. Zur Zeit der Wende zählte Berlin 482.000 Wohnungen im staatlichen Besitz. 2005 waren es nur noch knapp über 270.000.
    65.000 dieser Wohnungen wurden 2004 an die Deutsche Wohnen verkauft. Die Wohnungsbaugesellschaft wurde übernommen, ein Aktiendeal gemacht und noch 400 Mio € zugezahlt. Das Kaufvolumen betrug so in etwa 1.7 Mrd €. Bei 65.000 Wohnung macht das einen Kaufpreis pro Wohnung von ca. 26.000,00 €. Wow… das nenne ich einen Deal!

    Wenn wir also der Politik einen Vorwurf machen wollen, dann nicht, dass man die Wohnungen jetzt teuer zurück kaufen will, sondern weil man sie damals einfach für einen Spottpreis verramscht hat und sie durch die Privatisierung in einen Gewinnwettbewerb überführt hat. Nur wenige Wochen später sahen sich die meisten Mieter einer 20 % Mietsteigerung gegenüber.
    Tausende von Menschen wurden mit einem Schlag wirtschaftlich deutlich schlechter gestellt. Hinzu kommt die ständige Ungewissheit, um die Sicherheit der Wohnung, oder wann die nächste Mieterhöhung kommt, die man sich nicht mehr leisten kann. Psychologisch ist das nicht die schönste Situation. An diesem Beispiel sieht man deutlich, dass die betroffenen Menschen kein bisschen was dafür konnten. Man braucht auch nicht studiert zu haben, um den sozialen Sprengstoff zu wittern.

    Und wen trifft das besonders hart? Die Stütze-Empfänger… ich zitiere einen Artikel des DGB Niedersachsen:

    „Die Kosten für ihre Wohnung werden in der Regel vollständig aus Steuergeldern erstattet. Allerdings nur, wenn die Jobcenter sie als angemessen beurteilen. Ist die Wohnung zu teuer, gibt es zwei Optionen: Die Betroffenen suchen sich eine günstigere Wohnung oder sie bezahlen die Differenz zwischen den tatsächlichen und anerkannten Kosten aus dem schmalen Budget ihrer Regelsatz-Gelder. Im Landkreis Oldenburg müssen 36 Prozent der Bedarfsgemeinschaften (Hartz IV) durchschnittlich 136 Euro pro Monat zusätzlich ausgeben. In der Region Hannover legen über 15 Prozent knapp 100 Euro jeden Monat oben drauf (siehe Grafik). Viel Geld für Menschen, die ohnehin jeden Euro zweimal umdrehen müssen. Ihnen drohen damit weitere Einschränkungen im Alltag.“

    https://niedersachsen.dgb.de/themen/++co++e66ab3ee-7259-11e9-9ec0-52540088cada

    Das Konsumpotential dieser Menschen sinkt nun und damit auch die Binnennachfrage. Von irgendwelchen Aktienkäufen reden wir schon gleich gar nicht mehr, das wäre einfach grob an der Realität vorbei.

    Das ist die Reise die das Thema über fast 3 Jahrzehnte lang bis zur heutigen Forderung: „Enteignung von Deutsche Wohnen und Vonovia“ genommen hat. Ich finde, dass das neben einer rein ideologischen Bewertung (Sozialismus vs. Marktwirtschaft und Leistungsgesellschaft) schon Beachtung finden sollte, wenn man sich damit auseinandersetzt, oder nicht? Ich kann den Unmut geschröpfter Mieter jedenfalls durchaus nachvollziehen.

    Es bleibt die Frage, ob man Bodenspekulationen nicht per sei einen Riegel vorschieben sollte. Denn Boden kann man nicht vermehren, auch wenn man hier und da vielleicht noch ein Stockwerk draufsetzen kann.
    Ein Freund hat mir erzählt, dass es in seiner Nachbarschaft in Frankfurt am Main ein Haus mit etwa 10 Parteien gibt, das komplett unbewohnt ist. An den Klingelschildern stehen nur chinesische Namen, die das Haus als Investition gekauft haben, um Geld zu parken. Vermieten müssen sie offenbar nicht. Ich persönlich finde das nicht richtig. Das Grundgesetz übrigens auch nicht.

    Letztendlich sind alle Dinge irgendwie miteinander verknüpft. Konsum und Industrie führen zur Belastung des Klimas, der deutsche Niedriglohnsektor nimmt dem Rest Europas wirtschaftlich die Luft zum atmen und wer nicht atmen kann reagiert mitunter auch mal anders und produziert einen Orban oder Duda.

    Ich kann wie der Nachdenklich oben jedem nur ans Herz legen, mal das Makroskop zu besuchen, oder sich die Videos von Professor Flassbeck bei Youtube anzuschauen. Er erklärt den Unsinn der schwarzen Null und die Problematik der deutschen Handelsüberschüsse und seine Auswirkungen auf Europa exzellent.

    • guter-verwalter

      @ Oliver.

      Bin voll bei dir: Die leidtragenden sind immer die am unteren Einkommensspektrum, das ist scheiße und da muss was getan werden. M.E. aber nicht mehr Politik/ staatliche Regulation, sondern WENIGER.

      Ich möchte dazu Milton Friedman zitieren, wenn es um die Ursachensuche dieser Probleme geht:
      „If economists know how to do anything at all, then it is how to create shortages. Wanna create an oil shortage? Set a cap to the maximum price of oil. A shortage of housing? Then set a maximum price for rent.“

      Die Logik ist doch, dass eine Güterverknappung immer den Preis steigert. Wenn ich dem Vermieter als Staat jetzt sage, „Halt, Miete nur noch so hoch und nicht höher.“, dann fehlt dem Markt das natürliche Signal (= die hohen Preise), der Verknappung des Gutes durch eine Produktionserhöhung entgegenzusteuern!
      Alle deutschen „Qualitätsmedien“ haben folgende Schlagzeile: „Die Mieten steigen TROTZ Mietpreisbremse.“ Es müsste richtig heißen: „Die Mieten steigen WEGEN der Mietpreisbremse.“! Aber weil unser Parteienspektrum anti-libertär, anti-marktfrei und anti-kapitalistisch durchsozialisiert/ durch-marx-isiert ist, checkt das NIEMAND mehr.
      Einige von den Gestalten im Bundestag haben doch noch die Ölkrise der 70er miterlebt; genau so war es da! Die USA sagten: „Festpreis pro Barrel Öl = 70USD“ und die OPEC sagte sich: „Warum noch Öl fördern, und das Gut zu Ramschpreisen verscherbeln. Dann lassen wir’s erst mal im Boden.“ Folge: Rezession und Pferdefuhrwerke auf dt. Autobahnen!
      Selbes gilt für den besch***enen Mindestlohn. Schau in die USA vor 6 Wochen: New York erlässt Mindestlöhne für die Gastro-Branche. Was macht McDonalds: Leute einsparen, weil sie den Mindestlohn nicht zahlen wollen oder können. Leidtragende: Die Menschen, die auf den Niedrigstlohnsektor angewiesen sind haben GAR KEIN Einkommen mehr. Alternativen? Keine, außer Drogen, Prostitution und Kriminalität. Marktversagen? Nein! Politikversagen; Menschen wurden politisch ihrer Selbstbestimmung Arbeiten zu gehen und damit jeder Perspektive beraubt.

      Muss es so krass wie in den USA sein, dass man drei Jobs haben muss, um über die Runden zu kommen. Sicher nein. Aber die Ursachen sind Markteingriffe der Politik durch sinnfreie Gesetze mit angeblich „sozialer“ Agenda + ein fractinal reserve banking System, das Geld aus dem nichts erschafft, von dem nur Eliten profitieren können.

      Viele Grüße,
      der gute Verwalter

  • Hier geht’s zu Stelters Rundumschlag mit nachdenkenswerten Kausal-Ketten, nicht nur zu Wohnungsnot sondern auch Bildung, Migration, Niedergang der SPD
    https://think-beyondtheobvious.com/stelter-in-den-medien/wie-spd-und-kuehnert-politik-fuer-reiche-besitzende-und-alte-machen/
    damit Anna nicht so alleine ist mit Ihrer Analyse/Meinung 😉

  • @guter-Verwalter: „Die Logik ist doch, dass eine Güterverknappung immer den Preis steigert. Wenn ich dem Vermieter als Staat jetzt sage, „Halt, Miete nur noch so hoch und nicht höher.“, dann fehlt dem Markt das natürliche Signal (= die hohen Preise), der Verknappung des Gutes durch eine Produktionserhöhung entgegenzusteuern!“

    Na ja, ich befürchte, hier trennen sich unsere Wege.

    Der Marktlogik will ich gar nicht widersprechen. Wenn ich Dich richtig verstehe, wäre der freie, radikale Markt die Lösung, oder hab ich das nun falsch verstanden? Haben wir den im Wohnungssektor nicht mehr oder weniger gerade und hat das nicht zu den jetzigen Verhältnissen geführt? Oder wo siehst du dort eine Regulierung, die eine Verknappung hervorruft? Die Mietpreisbremse? Dem würde ich definitiv widersprechen. In ihrer jetzigen Form ist die doch ein zahnloser Tiger, der schon vom Altersschwächetod bedroht ist. Es hält sich so gut wie niemand daran, es wird nicht kontrolliert und schon gar nicht sanktioniert. Von einer wirksamen Regulierung ist man damit meilenweit entfernt.

    Wenn man dieses Schwert schleifen würde, dann sorgt das erstmal nicht für mehr Wohnraum, das ist wohl wahr, würde aber die Spekulation mit Boden und Wohnimmobilien einschränken.
    Parallel müsste aber seitens der Politik einiges getan werden. Wir waren bis zu den 90ern auch mal weiter. Der Anfang vom Ende hat damals damit begonnen, dass Altkanzler Kohl die steuerliche Privilegierung der Wohnbaugenossenschaften beendet hat. Das könnte man wieder einführen zusammen mit einem massiven sozialen Wohnungsbau. Zu viel Staat? Guckt nach Österreich, insbesondere Wien. Es geht, wenn man nur will.

    Und nicht nur dort. Auch beim Thema Rente haben die Ösis das bessere Konzept. Und deren Demographie unterscheidet sich nicht sonderlich von derjenigen in D.

  • Ich bin auch für die Kollektivierung von BMW wie von Kühnert vorgeschlagen!

    Lt. Onvista gibt es ca. 660 Mio Aktien von BMW. Bei ca. 83 Mio Einwohnern in Deutschland braucht jeder ca. 8 Aktien zu ca. 66 €. Damit muss jeder ca. 530 € investieren und ist Eigentümer von BMW.

    Damit gehört BMW dem Volk, es kann demokratisch über die Gewinne bestimmt werden und es würde endlich die Aktienkultur in Deutschland verbessert.

    Vonovia wird auch gleich in Volkseigentum überführt, hihi. Die haben 520 Mio Aktien, d.h. jeder muss 6 Aktien zu 47 € kaufen. Damit müssen ca. 290 € investiert werden und die Mietsteigerungen landen wieder beim Volk als Eigentümer. 😀😀😀

  • guter-verwalter

    Hi Oliver,

    wenn mich mein historisches Wissen nicht ganz trübt, hat die Regierung Kohl die Gemeinnützungkeit (das hieß damals faktisch: die staatliche Übersubventionierung durch Steuerbegünstigungen) der Wohnungsgenossenschaften nicht nur „einfach so“ abgeschafft.
    Man hatte mit dem 1986er Skandal um den Wohnungsbaukonzern „Neue Heimat“ einsehen müssen, dass wo immer Staatsbedienstete gerade OHNE Marktdruck (und zeitgleich ohne noch mehr staatliche Kontrolle ihres Handels) und damit ohne echte Verantwortung agieren, die Milliarden in den Taschen der korrupten staatseigenen Leitungspersonen verschwinden, bis so ziemlich jeder betrogen worden ist: Die Menschen, die Wohnungen gebraucht hätten, die Baufirmen und deren Angestellte, die Steuerzahler, usw. (Link: https://www.deutschlandfunk.de/vor-30-jahren-dgb-muss-wohnungsbaukonzern-neue-heimat.871.de.html?dram:article_id=366136).
    Mag ich die Ära-Kohl? Nein, denn Korruption konnte der Altkanzler ja auch bravourös.

    Warum hat sich die Situation aber bis heute so verschärft, das ist eine berechtigte multifaktoriell zu beantwortende Frage? M.E. auch, weil der Wohnungsbausektor derjenige mit den meisten Regularien überhaupt (Bsp.: Geländeausweisung und -erschließung, Bebauungspläne, Grundbuchämter, Energiestandards, etc.) ist und diese Regularien sich in den vergangenen 25 Jahren sogar noch verkompliziert und vermehrt haben. Wie viele Leute in staatlichen Positionen bei einem Grundstückserwerb, einer Eintragung ins Grundbuch, der notariellen Urkundenbeglaubigung, etc. pp. mit die Hand aufhalten BEVOR überhaupt ein Haus stehen kann ist doch eine Farce. Natürlich: Ich will auch keine brasilianischen Slum-Verhältnisse in Wohngebieten, die wild um sich wuchern; aber wenn beim Bau eines Hauses im Gesamtprozess zwischen 20 und 25% des vorhandenen Kapitals eines Bauherrn als „Transaktionskosten“ o.Ä. anfallen, geht m.E. nach doch etwas gründlich schief. Und v.a. dann, wenn „die Regierung alles tut“ um diesen Kostenexplosionen entgegenzuwirken.
    Machmal braucht man, so denke ich, nicht noch einen weiteren Epizyklus mehr im überholten System, wenn bereits offensichtlich ist, dass ‚mehr Politik und Gesetz‘ nicht ‚mehr Erfolg‘ bedeutet haben.

    Spekulativ Immobilien besitzen? Das mag ich, genau wie du, auch nicht. Aber man erreicht die Änderung dieses Umstandes nur mit richtigen positiven Anreizen für die Besitzer, nicht mit Androhung von Strafe und Enteignung (jedenfalls nicht ohne langfristigen backlash).
    Und ja, Wien ist im Sozialbau top. Nur haben die keine astronomischen Haushaltsdefizite durch dauernde rot-rot-grüne Verteilungspolitik angesammelt, wie Berlin; sie haben immer wieder Land gekauft, bebaut und mit Gewinn für Stadt und Bürger vermietet. Man kann eben nur das verteilen, was man zuvor erwirtschaftet hat. Umgekehrt klappt das nicht.

    Viele Grüße,
    der gute Verwalter

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