Buchrezension: Frank Thelen – STARTUP DNA: Hinfallen, Aufstehen, die Welt verändern

Wer kennt die Höhle der Löwen? Ich habe in die Sendung bisher nur ein paar Mal reingezappt, aber mich nicht weiter damit auseinandergesetzt. Vor ein paar Monaten habe ich aber in einer WhatsApp-Gruppe den Tipp für das Buch Frank Thelen – Die Autobiografie: Startup-DNA – Hinfallen, aufstehen, die Welt verändern*bekommen. Ich dachte mir, warum nicht? Vielleicht kann ich etwas lernen. Ich muss sagen, ich wurde nicht enttäuscht.

Ich bin nicht der größte Fan von Autobiographien. Da aber Dominik schon einige bereits verschlungen hat, und begeistert davon erzählt, habe ich mir letztes Jahr bereits vorgenommen, mehr Biographien zu lesen. Gelesen hatte ich bisher Warren Buffett – Das Leben ist wie ein Schneeball* und Can’t Hurt Me: Master Your Mind and Defy the Odds* von Goggins, ein Buch, das ich nach einem Kapitel sofort wieder zurückgegeben habe. Nach Goggins lese ich also Frank Thelen – und bin außerordentlich positiv überrascht!

Frank Thelen beginnt zunächst von seiner Kindheit und seinem eigenen Leben. Er erzählt alles kurz und knapp, was sich flüssig liest und gut verständlich ist. Nach Goggins bin ich dafür ziemlich dankbar, denn da war es umgekehrt und hat mich sehr gestört. Ich fand es interessant, direkte Eindrücke vom neuen Markt zu bekommen. Wie war die Stimmung damals? Tatsächlich war es so, dass eine breite, unangebrachte Euphorie herrschte, die jegliche Rationalität auslöschte. Banken haben bereitwillige Kredite vergeben. Es starteten Börsengänge von Unternehmen, die kein fähiges Produkt aufweisen konnten. Wenn man nur etwas mit »Internet« machte und gar nicht erklären konnte, was man da tat, kamen schon die Investoren angerannt. Absolut irre!

Die Blase, die geplatzt ist

Ähnlich war es bei Thelen. Er hat sich am neuen Markt die Finger verbrannt. Er nahm einen Kredit auf, und unterschrieb gar ein Dokument, in dem er garantierte, persönlich zu haften. »Nur eine Formalie, nichts Ernstes«. Schon nach kurzer Zeit musste die Insolvenz angemeldet werden und Thelen bekam einen Brief, in dem 1.000.000 DM von ihm gefordert wurden. Zum Umfallen! Stellt euch das mal vor! Er sollte alleine DM 80.000 pro Jahr zahlen, ohne auch nur einen Cent getilgt zu haben. Seine Mutter bekam einen Nervenzusammenbruch und er schloss sich erstmal für sechs Wochen in seinem Zimmer ein. Wie sollte es weitergehen? Er musste Privatinsolvenz anmelden.

Doch er konnte sich mit der Bank auf einen Vergleich einigen. Auf diese Weise musste er nur noch 60.000 innerhalb der nächsten 10 Jahre zurückzahlen. Mit dieser Forderung im Nacken suchte er sich aber nicht irgendeinen Job, sondern startete sein nächstes Produkt. Ist das nicht beeindruckend?

Gefallen hat mir auch, dass Thelen so großen familiären Rückhalt geniesst und genossen hat. Man liest oft von den extremeren Fällen, in denen es darum geht, dass die Familie sehr schlecht zu einem war, einen im Stich ließ, sogar misshandelte, man sehr arm war und sich dann trotzdem aufgerappelt hat. Das ist natürlich eindrucksvoll und besonders, aber es tut es auch mal gut zu lesen, dass es Familien gibt, die ihren Kindern den Rücken stärken und sie unterstützen, egal, was ist. Das fand ich sehr schön und freue mich für ihn und auch für jeden, bei dem das der Fall ist.

Schon bald kommt er in dem Buch auf seine große Liebe Nathalie zu sprechen. Das hat mich sehr berührt, vor allem, weil er sagte, dass man alles durch harte Arbeit erreichen kann: den Traumjob, das Traumstudium, … aber man kann sich nicht den Traumpartner »erarbeiten«. Und der ist das Wichtigste im Leben. Er schreibt: »Die wichtigste Unternehmung meines Lebens ist die, in der ich nicht »erfolgreich« sein muss.« Den Traumpartner zu finden, sei vielleicht der größte Faktor für ein erfülltes und glückliches Leben. Das ist genau das, was ich auch denke. Es ist wichtiger als jedes Geld und jeder Job. Eine schöne Liebe macht das Leben erst richtig rund und toll, und das kann Geld alleine niemals leisten. Mit dieser Einstellung hat mich Thelen wirklich beeindruckt.

Frank Thelen ist gescheitert und wieder aufgestanden, mehrere Male in seinem Leben. Interessant fand ich, dass eines seiner Firmen (»doo«, die App sollte die Digitalisierung von Dokumenten vorantreiben) mit seinem Produkt scheiterte, allerdings ein Nebenprodukt hervorbrachte, das erfolgreich wurde: »Scanbot«, die ScannerApp. Halte dein Smartphone über ein Dokument und es wird zu einer PDF – Abrakadabra! Mir zeigt das, dass sich entlang des Weges neue Möglichkeiten eröffnen. Alles ist besser als gar nichts zu tun! Denn ohne das Scheitern mit »doo« wäre »Scanbot« nie entstanden. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist zudem, dass hier auf die Kundennachfrage eingegangen worden ist. Man hat sich darauf konzentriert, was ankam, und nicht krampfhaft an Produkten festgehalten, die nicht überzeugt haben.

Scheitern gehört dazu – das versucht Frank Thelen immer wieder klar zu machen. Kurz nach »doo« und »Scanbot« kam schon »Die Höhle der Löwen«, und hier wurden wegen des Scheiterns von »doo« Stimmen laut, dass er gar nicht geeignet wäre, dort aufzutreten. Trotzdem ist Frank Thelen Teil der Sendung geworden, und lässt uns nun in seiner Biographie ein wenig hinter die Kulissen blicken. Denn die Investoren, die dort sitzen, sind alle mit ihrem eigenen Geld investiert – In der »Höhle der Löwen« startete Thelens »Food Family«, wie er sie nennt. Food-Startups, in denen es darum geht, innovative und nachhaltige Produkte auf die Teller der Menschen zu bringen. »Little Lunch«, »Ankerkraut« und »Lizza«, um nur einige zu nennen.

Thelen gründete zudem die »Freigeist Capital«, um nun in vielsprechende Startups zu investieren. Ab hier kommt er auf das Unternehmen »Lilium Aviation« zu sprechen, das in Zukunft fliegende Autos verspricht 😉 Dabei sagt Thelen selbst, dass es nur eine Frage der Zeit ist, dass der Individualverkehr in die Lüfte abhebt. Wahrscheinlich hat er recht. Es handelt sich bei »Lilium Aviation« um Jets, die man sich als Taxi rufen lassen kann; der Jungfernflug ist bereits geglückt. Und schon kommen wir zum nächsten Punkt zu sprechen: Disruption.

Disruption wird uns alle betreffen

Disruptive Technologie wird uns alle betreffen. Die traurige Wahrheit wird sein, dass es immer weniger Jobs geben wird. Alles wird digitalisiert, was sich digitalisieren lässt; jede Arbeitskraft, die ersetzt werden kann, wird ersetzt werden. Selbst hochintelligente Jobs werden nicht mehr gebraucht, denn Maschinen und Roboter werden ebenfalls intelligenter. Will Robots Take my Job? gibt euch einen Hinweis, in welche Richtung es gehen wird. Es ist erschreckend und faszinierend zugleich. In seinem Buch kommt Thelen ebenfalls darauf zu sprechen: Wie werden wir als Gesellschaft darauf reagieren? Wie werden wir unsere Freizeit gestalten? Wie wird diese Welt in Zukunft aussehen? Wer zu diesem Thema weiterlesen möchte, dem empfehle ich Das Silicon-Valley-Mindset: Was wir vom Innovationsweltmeister lernen und mit unseren Stärken verbinden können* von Mario Herger.

Zitate, die mir sehr gefallen haben:

Man kann die Welt verändern, jeder von uns. […] Aber ich hatte eine Idee, an die ich geglaubt habe, den Willen, diese umzusetzen, und die Energie, durchzuhalten, bis mein Ziel erreicht war.

Manchmal gibt es im Leben diese Gelegenheiten, die man einfach beim Schopf packen muss.

Ich glaube, hier zeigte sich mein Macher- und Unternehmergen: Ich habe keinen großen Plan gehabt, sondern einfach aus einem inneren Impuls heraus gehandelt: an das Buch geglaubt, 300 DM riskiert, alle Beteiligten überzeugt, Gewinn gemacht und in das nächste Gadget investiert.

Zum Glück zahlten meine Eltern die Miete für meine Wohnung, und meine Mutter fühlte sich noch für meine Wäsche verantwortlich.

[…] – und so etwas wie Gewinne erschien sogar uncool. Es ging um große Storys, um Technologie, um Marktführerschaft. »Fantasie« war das Wort der Stunde. Da ist »Fantasie« drin. Hat das Produkt »Fantasie«? Hat die Aktie »Fantasie«? Dann war sie heiß. Unser Produkt hatte Fantasie, aber Hallo.

Aber wenn ich jetzt nach Hause kam, erzählte ich von meiner großen neuen Welt und davon, wie klein, langsam, uncool und dumm alle anderen waren. […] Alle, die nicht dabei waren, verschwendeten in meinen Augen ihr Leben.

Vor der Insolvenz

Plötzlich waren auch alle »Freunde« weg, die so gerne mit dem coolen Franky unterwegs gewesen waren. Keiner wollte sich mehr mit einem deprimierten Loser befassen, der plötzlich einen alten Ford Ka fuhr. […] Ich war ein Nichts, ein Niemand, ein 360-Grad-Versager. […] In wenigen Monaten war ich vom arroganten Multimillionär auf Pump zum bodenständigen Softwareentwickler mit Ford Ka geworden. Finanziell war das ein großer Verlust, charakterlich aber der vielleicht größte Gewinn meines Lebens. Wer so hart aufschlägt wie ich, der ist für alle Zeiten geerdet.

Nach der Insolvenz

Manche sehen Hindernisse und Wände, ich sehe neue Möglichkeiten. […] Manchmal kriege ich einen vor den Bug, manchmal erreiche ich aber auch Ziele, die viele für unerreichbar gehalten haben.

Aber die Kombination aus hohem Risiko, vom Produkt überzeugten Gründern und einem Team, das alles für die Firma gegeben hatte, hatte es ermöglicht, einen Weltmarktführer ohne externen Investor aufzubauen. Es hatte geklappt!

Fazit

Mir hat das Buch sehr gefallen; vor allem die lockere Schreibweise und der Enthusiasmus machen Spaß, die Autobiographie zu lesen. Frank Thelen erzählt zunächst in kurzer Ausführung von seinem bisherigen Werdegang, von prägenden Erfahrungen, die er im Laufe des Lebens gemacht hat. Danach kommt er auf seine investierten Unternehmen zu sprechen, sodass es zeitweise eher nach Werbung klingt. Aber sobald das überstanden ist, geht es weiter mit einigen konkreten Tipps für Gründer, sowie einige Aussichten auf unsere technologische Zukunft. Ich denke, er hat bei vielem Recht, was er sagt. Er schreibt so mitreißend, dass man sich von seinem Tatendrang irgendwie anstecken lässt. Zumindest hatte ich beim Lesen immer das Gefühl: »Komm schon, jetzt mach du auch etwas«, »Komm, du kannst das auch!«, usw. Das war super! Ich muss auch sagen, durch das Buch wirkt Frank Thelen extrem sympathisch auf mich. Er ist in einer herzlichen Familie aufgewachsen, führt eine stabile, wahrscheinlich tolle Ehe, und spricht offen über seine Erfolge, aber auch sein Scheitern. Dadurch, dass es so auf und ab ging, spürt man seine Energie noch immer, ich finde, er wirkt extrem jung, agil und flexibel. Ich bin sehr froh, dass es solche Menschen in Deutschland gibt!

Jetzt Frank Thelen – Die Autobiografie: Startup-DNA – Hinfallen, aufstehen, die Welt verändern* bestellen und lesen

Habt ihr Frank Thelens Biographie schon gelesen? Wie fandet ihr sie?

Viele Grüße,

Anna

2 Kommentare

  • Pascal Weichert

    „Es starteten Börsengänge von Unternehmen, die kein fähiges Produkt aufweisen konnten.“, Klingt son bisschen wie heutzutage.
    „Wann wird ihr Unternehmen Gewinn machen?“ -> „In 10-20 Jahren, wir haben ein anderes Geschäftsmodell“

    Schulden machen ist irgendwie wieder Sexy.

    Schön auch, dass er das mit der Bodenständigkeit erzählt. Es gibt mehrere Unternehmer aus meinen Freundeskreis, bei denen ich mir selbst sage, Top Menschen. Alles super. Die müssen aber erst einmal Pleite gehen, bevor wir zusammen was großes starten, nicht weil ich denen das wünsche, sondern genau wegen diesem learning, der Bodenständigkeit.
    Cool 🙂

    Dir einen schönen Feiertag!
    Gruß,
    Pascal

    • Hey Pascal,
      ja, das denke ich auch irgendwie, dass es heute ähnlich zugeht, aber vor allem mit KI. Wenn man »KI« verkaufen kann, ist es »heiß« und die Leute bekommen große Augen, obwohl man nicht versteht, wie das Produkt funktioniert 😀
      Ich glaube auch, dass es ein riesiges Problem ist, wenn man überheblich ist / wird. Ich denke, diese Charaktereigenschaft kostet über kurz oder lang immer bares Geld.

      VG 🙂

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