Buch-Rezension: »Das 1×1 der P2P-Kredite« von Sebastian Wörner und Vincent Willkomm

Ich gebe zu, ich habe mich bisher mit P2P-Krediten noch gar nicht auseinandergesetzt. Ich bin zwar im Finanzblogroll oft über dieses Thema gestolpert, aber nie bin ich tiefer in die Materie getaucht. Ich habe die Beiträge immer »überlesen«. Umso gespannter war ich dann, als ich erfahren habe, dass Vincent und Sebastian ein Buch (Das 1×1 der P2P-Kredite: Wie du richtig in Privatkredite investierst*) für Einsteiger zu diesem Thema geschrieben haben. Also rauf auf’s Kindle und reinschnuppern!

Das Buch beginnt zunächst mit einer Vorstellung der Autoren Vincent von Freaky Finance und Sebastian von Hobbyinvestor, die bereits zahlreiche Erfahrungen mit P2P-Krediten gesammelt haben. Danach kommen einige Begriffe, die vorab geklärt werden und im Buch immer wieder auftauchen: Was ist der Erst- und Zweitmarkt? Was ist die Rückkaufgarantie, die von einigen Plattformen angeboten wird? Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Crowdlending und Crowdfunding?

Vincent und Sebastian haben sich auch dazu entschlossen, sich auf die P2P-Plattformen zu konzentrieren, die sich auf Osteuropa spezialisiert haben. In der Vergangenheit wurden europäische Plattformen wie Smava zwar bereits ausprobiert, aber die Performance war nach Arbeitsaufwand, Bemühungen und Inflation deutlich negativ. Bei deutschen Anbietern finden sich zudem unzureichende Aktualisierungen des Dashboards, Anlegergebühren oder intransparente Prozesse, die Vincent und Sebastian nicht überzeugt haben.

Gleich danach kommen die beiden auf die wichtige Frage zu sprechen:

Warum gibt es P2P-Kredite überhaupt? Warum gehen die Menschen nicht einfach zur Bank?

Die Frage habe ich mir auch schon ein paar Mal gestellt, als ich über das Thema gestolpert bin. Wenn ich an P2P-Kredite dachte, dann hatte ich plötzlich ein nicht so schönes Bild vor Augen: Menschen, die in finanziellen Schwierigkeiten stecken, sich für Konsumkredite entscheiden und wegen mangelnder Bonität keinen Kredit bei der Bank bekommen. Das klingt ziemlich riskant, oder?

Tatsächlich stellen die Verbraucherkredite den Löwenanteil, aber ich war positiv überrascht, dass auch Kredite für Unternehmen oder zu Immobilienprojekten angeboten werden. Es gibt aber auch sehr kurzfristige Kredite, die lediglich zur Überbrückung von Engpässen dienen. Außerdem ist es einfacher und schneller an einen P2P-Kredit zu kommen, als den Bürokratie-Aufwand bei der Bank zu durchlaufen. Entsprechend sind die Zinsen aber auch sehr hoch.

Die Renditen bei P2P-Krediten sind recht hoch; Vincent und Sebastian gehen das Risiko eines P2P-Kredits nur ein, wenn sie Zinsen von >10% erhalten. Die beiden haben bisher in der Vergangenheit Renditen von 10-14% erwirtschaftet, was ich für sehr attraktiv halte. Diese Aussicht lässt mich auch ein wenig mit dem Gedanken spielen 😉 Hohe Zinsen, hohes Risiko. Wenn Plattformen dann noch eine zusätzliche »Rückkaufgarantie« anbieten, fühlen sich viele Investoren wie in Watte eingehüllt: da kann nichts schief gehen, oder?

Die Rückkaufgarantie – Lockmittel oder echter Schutz?

Die Rückkaufgarantie ist ein Versprechen, dass im Fall der Fälle das investierte Geld erstattet wird. In manchen Fällen werden sogar die entgangenen Zinsen erstattet! Das bedeutet, du hast keinen Verlust gemacht, obwohl der Kredit geplatzt ist oder der Kreditnehmer nicht zahlt. Manchmal greift die Rückkaufgarantie auch, wenn der Kreditnehmer vorzeitig zurückzahlt. Man muss allerdings beachten, dass die Rückkaufgarantie keine echte Garantie ist: Niemand ist verpflichtet, dir diese »Garantie« zu leisten, d.h. wenn der Kreditgeber pleite geht, hast du keinen Anspruch auf Rückerstattung. Also stellt die »Rückkaufgarantie« ein gewisses Risiko dar, dessen man sich bewusst sein muss.

Trotzdem können Kreditgeber die Rückkaufgarantie anbieten, weil sie ein umfassendes Mahn- und Inkassowesen haben; über die Gebühren, die dabei anfallen, kann dazu noch Geld verdient werden. Zu guter Letzt baut die Rückkaufgarantie Vertrauen auf. Ohne sie wären zwar die Zinsen noch viel höher, aber mit ihr trauen sich viel mehr Investoren zu, in P2P-Kredite einzusteigen.

Das unendliche Meer der Plattformen

Durch den Finanzblogroll hatte ich bereits den Eindruck gewonnen, dass die P2P-Plattformen aus den Böden schießen. Das war für mich ein Grund, vorsichtig zu sein. Was steckt denn nun hinter Mintos, Bondora und Twino? Klingt nach irgendwelchen Start-Ups 😉 Das hat mich immer ein wenig abgeschreckt. Vincent und Sebastian decken in ihren Erläuterungen die wichtigsten Plattformen ab und erklären ihre Vor- und Nachteile. Sie erklären auch, wie eine Anmeldung auf einer Plattform aussieht, was man in etwa auf dem Dashboard sieht und wie man den Autoinvestor bedienen kann.

Der Autoinvestor ist ein Tool, der sowohl Nerven als auch Zeit spart. Denn viele Investoren, wie z.B. Vincent, wollen eine möglichst hohe Diversifikation erreichen. Nun ist es so, dass das Mindestinvestment bei den meisten Plattformen bei 10€ liegt. Wenn man also 1000€ investieren wollte, müsste man sich 100 Kredite manuell herauspicken. Das klingt unzumutbar – und deswegen macht es der Autoinvestor automatisch für dich. Du gibst einfach deine Kriterien in das Programm ein und automatisiert sucht es dann nach den passenden Krediten für dich!

Meistens kannst du dort auch eingeben, ob die Zinsen reinvestiert werden sollen oder ob du sie ausgezahlt haben möchtest. Du kannst dich auch nur für Kredite mit der Rückkaufgarantie entscheiden. Außerdem kannst du dort angeben, inwieweit du diversifiziert sein möchtest. Für mich, die es noch nicht ausprobiert hat, klingt der Autoinvestor sehr positiv und wie ein großer Pluspunkt. Aber Vorsicht! Bei einigen Plattformen ist der Autoinvestor recht kompliziert, sodass sich Einsteiger schnell überfordert fühlen könnten. Aber auch hier geben Vincent und Sebastian mithilfe von Fallbeispielen Tipps!

Risiken bei P2P-Krediten

Besonders positiv finde ich, dass Sebastian und Vincent auch auf die Risiken zu sprechen kommen. Zinsen von >10%, ein voll automatisierter Autoinvestor und Rückkaufgarantie klingt einfach echt großartig. Aber auch bei P2P-Krediten gibt es einige Haken. Z.B. ist die Kreditvergabe keineswegs reguliert. Und die Kreditgeber selbst sind ein Risiko: Sie sind Unternehmen und Unternehmen können pleite gehen. Auch die P2P-Plattform an sich ist ein Risiko, denn auch sie kann in Schwierigkeiten schlittern und so dein Investment gefährden. Das größte Risiko ist man aber stets selbst. Wie an der Börse gilt: Lass die Gier nicht Überhand gewinnen, bewahre einen kühlen Kopf und mache dir deine eigenen Gedanken zu dieser Geldanlage.

Ein weiteres Problem, das ich mir noch gar nicht gestellt habe, ist: Könnten P2P-Kredite nicht eine Art »Schneeballsystem« sein? Dieser Frage gehen die Autoren im Buch ebenfalls nach. Die Überlegung dazu finde ich sehr interessant, besonders im Hinblick mit der »Rückkaufgarantie«.

Wie passiv sind P2P-Kredite?

Jetzt kommen wir zu einer der spannendsten Fragen. Sind P2P-Kredite für passives Einkommen geeignet? Kredite und die dafür eingestrichenen Zinsen eignen sich hervorragend für passives Einkommen. Trotzdem macht das Investieren via P2P-Kredite Arbeit. Ähnlich wie bei Aktien und der Börse musst du regelmäßig checken, wie dein Investment läuft. P2P-Kredite lassen sich gut mit Immobilien vergleichen. Man muss Zeit und Arbeit in dieses Investment stecken und kann nicht immer einen faulen Lenz machen.

Einige Dinge, um die du dich regelmäßig kümmern musst, sind folgende: Es kann vielleicht mit der Zeit passieren, dass trotz Autoinvestor nicht dein ganzes Kapitel investiert wurde. Dann solltest du das beobachten und einschreiten. Du solltest auch die Mitteilungen deiner P2P-Plattform regelmäßig checken; vielleicht haben sich Änderungen ergeben, die Konsequenzen für dich haben könnten. Auch solltest du aktiv nach Problemen suchen, die auf der P2P-Plattform aufgetreten sind oder gerade auftreten. Kurzum: Du musst sowohl die Entwicklungen der Plattformen, als auch die Programm-Einstellungen (Autoinvestor) im Auge behalten.

Aber einen Faktor darf man auch hier nicht vergessen: den Staat. Du musst dich natürlich auch um Steuern kümmern. P2P-Plattformen sind meistens recht jung und daher noch keiner großen Regulierung unterworfen. Allerdings haben einige Staaten bereits ein Auge auf diesen Markt geworfen und werden in Zukunft verstärkt versuchen, einzugreifen und ihn zu regulieren. Also solltest du auch die Gesetzgebung auf dem Schirm haben.

Zu guter Letzt stellen Vincent und Sebastian ihre eigenen Portfolios vor. Sebastian investiert sonst nur noch in ETFs und bringt durch die P2P-Kredite mehr »Action« in seine Investments. Vincent ist es vor allem wichtig, eine hohe Diversifikation zu erreichen. Die breite Fächer und die hohen Zinsen haben gelockt 😉 So ähnlich ging es mir auch, als ich das Buch gelesen habe.

Fazit

Das Buch Das 1×1 der P2P-Kredite: Wie du richtig in Privatkredite investierst* von Sebastian und Vincent hat mich prima in das Thema P2P-Kredite eingeführt. Ich hatte vorher gar keine Ahnung und habe die Beiträge im Finanzblogroll getrost überlesen. Jetzt weiß ich zumindest, was sich hinter den einzelnen Plattformen verbirgt, was deren signifikante Unterschiede sind, und wie ich am Besten anfangen kann, sobald es mit den P2P-Krediten losgeht. Es hatte mit seinen knapp 300 Seiten auch eine gute Länge und liest sich flott.

Gut fand ich, dass auch auf die Risiken aufmerksam gemacht worden ist. Die beiden Autoren empfehlen, nicht mehr als 5-15% des Gesamtvermögens in P2P-Kredite anzulegen. Ich habe schon das Gefühl, dass es recht riskant sein kann und man breit diversifizieren muss. Denn es kann passieren, dass eine Plattform ausfällt, insolvent geht und man sein Geld verliert.

In dem Buch wird auch über das Thema »Moral« gesprochen; ich denke, für Investoren sind die Zinsen sehr attraktiv, aber ich glaube, für die andere Seite ist es vermutlich nicht so lustig. Verbraucherkredite machen den Löwenanteil aus. Auch die kurzfristigen Kredite lösen ein mulmiges Gefühl aus: Haben diese Menschen solch arge Geldprobleme? Andererseits wächst der P2P-Markt, was wiederum heißt, dass die Nachfrage groß ist. P2P-Kredite haben also eine Zukunft. Wahrscheinlich wird es tatsächlich so sein, dass sie das Bankwesen eventuell sogar verdrängen werden.

Ich denke, ich könnte mir vorstellen, in P2P-Kredite zu investieren, vorzugsweise in Immobilien. EstateGuru klang sehr positiv für mich. Habt ihr bereits Erfahrungen mit P2P-Krediten gemacht? Investiert ihr regelmäßig in P2P-Kredite? Mich würde eure Meinung sehr interessieren! Schreibt sie gerne in die Kommentare 🙂

Viele Grüße,

Anna

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