Aktien sind extrem risikoreich und erzkonservativ

Vor knapp zwei Jahren habe ich mein allererstes Finanzbuch gelesen (Rich Dad, Poor Dad*) und wurde dadurch auf das Thema Aktieninvestments aufmerksam. So würden die reichen Menschen ihr Geld investieren anstatt sich Verbindlichkeiten aufzuhalsen. Zu dem Zeitpunkt war ich noch der festen Überzeugung, dass Aktien hochspekulativ seien und die Börse so etwas wie ein Spielcasino wäre.

Heute möchte ich aufzeigen, warum Aktien sowohl hochspekulativ als auch erzkonservativ sein können und wie sich meine Einstellung mit der Zeit verändert hat.

Aktien sind Unternehmensbeteiligungen

Ganz zu Beginn hatte ich überhaupt keine Ahnung, was überhaupt eine Aktie ist. Für mich war es einfach ein Finanzprodukt, das ich zu einem günstigen Kurs kaufen und zu einem höheren Kurs wieder verkaufen konnte. So waren scheinbar große Wertsteigerungen in einem Jahr möglich.

Zudem war mir unklar (und ist es bis heute noch), wann ein guter Einstiegszeitpunkt ist und wann ich später wieder aussteigen sollte.

Mir schwirrten viele Fragen im Kopf herum:

Sollte der Verkauf nach einem Monat, einem Jahr oder vielleicht nach einer bestimmten Wertsteigerung erfolgen? Was ist die bessere Strategie dafür? Was mache ich, wenn ich Verluste habe? Wann steigt überhaupt eine Aktie?

Zu Beginn dachte ich, dass Aktien regelmäßig ge- und verkauft werden müssen, um dadurch einen Gewinn zu erzielen. Kurzum dachte ich, es müsste spekuliert werden.

Die größte Veränderung in meinem Denken passierte, als ich den Wert hinter einer Aktie verstanden habe. Dabei hat mir der Vergleich mit einer Immobilie und einer Immobiliengesellschaft sehr geholfen:

Als Besitzer und Vermieter einer Immobilie habe ich zwei Möglichkeiten Geld zu verdienen. Zum einen erhalte ich jeden Monat Miete und zum anderen kann ich durch den Verkauf der Immobilie bei eingetretenen Wertsteigerungen Geld verdienen. Dabei kann allerdings niemand im Vorhinein zu 100 % sicher sein, dass die Immobilie in der Zukunft mehr wert sein wird.

Wenn ich mich jetzt stattdessen darauf fokussiere eine gute und leicht vermietbare Immobilie zu finden, muss ich nicht so sehr auf die Wertsteigerungen achten. Das wichtigste ist mein regelmäßiges Einkommen.

Anstatt jetzt eine Immobilie direkt zu erwerben, habe ich die Möglichkeit Anteile an Unternehmen (Aktien) zu erwerben, die dann zum Beispiel das Immobiliengeschäft für mich übernehmen. Die größte Aktiengesellschaft im Immobilienbereich (in Deutschland) ist die Vonovia AG. Mit ihren knapp 8000 Mitarbeitern kümmern sie sich um über 300.000 Wohnungen. Als Aktionär gehört mir ein kleiner Teil der Immobilien und damit auch ein kleiner Teil der Mieten oder Gewinne.

Hinter einer Aktie steckt also ein echter Wert (Maschinen, Immobilien oder Patente) und durch langfristige Investition in Unternehmen kann ich von den erzielten Gewinnen durch Dividenden (und eventuellen Kurssteigerungen) profitieren.

Aktie ≠ Aktie

Eine weitere wichtige Erkenntnis war, dass Aktien vom Risiko her extrem unterschiedlich sein können. So ist meiner Meinung nach eine Beteiligung an Coca Cola extrem konservativ. Die Menschen werden nicht auf einmal aufhören Cola zu trinken und viele Leute sind von dem Konsum genauso abhängig, wie von Zigaretten. So sind die Gewohnheiten von Menschen sehr stark und verändern sich nur sehr langsam. Daran ändert auch eine Wirtschaftskrise nicht sehr viel. Aus diesem Grund kann Coca Cola seit Jahrzehnten regelmäßig den Gewinn steigern und eine immer höhere Dividende zahlen. Es ist aus meiner Sicht sehr wahrscheinlich, dass das die nächsten 20-30 Jahre auch noch so weiter geht.

Auf der anderen Seite kannst Du mittels Aktien allerdings auch in neu gestartete Unternehmen investieren. Diese Unternehmen haben keine lange (erfolgreiche) Historie, sodass die Unternehmen sehr schlecht eingeschätzt werden können und die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns deutlich größer ist. Vielleicht können sie ihr Produkt nicht verkaufen oder es kommt zu sonstigen größeren Problemen. Für mich haben solche Investitionen zum Teil daher mehr mit Lotto als mit seriösem Investieren zu tun.

Über Aktien, Alkohol und Diversifikation

Aktien sind wie Alkohol. Der richtige Umgang kann zu sehr positiven Auswirkungen (gute Laune, Unabhängigkeit, Vermögen) führen. Der falsche Umgang kann allerdings zu Depressionen, großen Verlusten und Verletzungen (bis hin zum Tod) führen.

Beim Alkohol sorgt die Dosis dafür, dass es Gift ist und bei Aktien kann mangelnde Diversifikation und falsches Verständnis zu großen Verlusten führen.

Kurzum: Es kommt auf Deinen Umgang mit Aktien an.

  • Du kannst Dein ganzes Vermögen in Aktien stecken und zusätzlich noch einen Kredit zum Investieren aufnehmen oder Du kannst nur einen kleinen Teil in Aktien investieren.
  • Du kannst Dein Geld komplett in eine Aktie investieren oder auf mehrere Unternehmen verteilen.
  • Du kannst eher auf konservativere Aktieninvestitionen (wie Coca Cola oder Procter & Gamble) mit einer langen erfolgreichen Historie oder auf neugegründete Unternehmen setzen.
  • Du kannst mit Aktien auf kurzfristige Wertsteigerungen spekulieren oder langfristig investieren.
  • Du kannst in Krisen die Aktien verkaufen oder gerade dann richtig zuschlagen. Wie es Alex (Reich mit Plan) auch im Crashinterview beschrieben hat.

Mittlerweile sehe ich meine Investitionen in zwei Aktien-ETFs auf den MSCI World und MSCI Emerging Markets als extrem konservativ an und investiere daher hier regelmäßig einen großen Teil meines Einkommens. Ich bin auf das Geld in der Zukunft nicht angewiesen, habe einen Notfallpuffer auf meinem Konto und glaube mit über 3000 Aktien aus 46 Ländern ziemlich gut diversifiziert zu sein.

Wie siehst Du Aktien? Sind sie für Dich eher risikoreich oder konservativ? Hat sich das mit der Zeit bei Dir verändert?

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14 Kommentare

  • Ich sehe das wie du. Auch wenn ich weniger investiere und mehr mit Optionen trade, ist es im Endeffekt immer so, das man sich mit der Materie ein wenig auskennen muss. Man hat nur Angst vor den Dingen, die man nicht versteht/kennt.

    Jedoch sehe ich bei Aktien auch die Gefahr, das man ein Unternehmen aufgrund des jahrelangen guten Rufes kauft. Coca Cola ist da so ein Beispiel. Seit Jahren fallen die Gewinne, und steigen nicht… Ich glaub 2010 war der Zenit bei den Gewinnen.

    Es ist deshalb immer wichtig, sich selber eine Meinung zu bilden und nicht nur auf den Ruf eines Unternehmens zu achten.

    • finanziell-frei-mit-30.de

      Hallo Martin,

      den Punkt hatte ich gar nicht so auf dem Schirm.
      Häufig beruht die Angst vor Aktien einfach nur auf Vorurteilen und mangeldem Wissen, das diese Vorurteile entkräftigt.

      Natürlich sollten Aktien nicht vollkommen hirnlos und ohne Betrachtung der Kennzahlen gekauft werden.
      Das sollte nur ein klassisches Beispiel sein für ein Unternehmen, das nicht einfach so von heute auf morgen pleite geht.
      Wenn man sich überhaupt nicht mit den Unternehmen beschäftigen möchte, ist wahrscheinlich die beste Wahl ein ETF oder auf große etablierte Large Caps zu setzen.

      Schöne Grüße
      Dominik

  • Hi Dominik,

    ein sehr cooler Beitrag – mir erging es ähnlich, als ich das erste Mal mit Aktien in Berührung gekommen bin.

    Zu deiner Investition in ETF’s habe ich eine Frage:
    Die MSCI World ETF’s investieren in viele verschiedene Länder, also auch in viele verschiedene Währungen, womit ja ein zusätzliches Währungsrisiko verbunden ist.
    Sicherst du dich gegen Währungsrisiken bei den ETF’s MSCI World bzw. Emerging Markets ab? Wenn ja, wie?

    Vielen Dank für deine Antwort!

    Viele Grüße
    Basti

    • finanziell-frei-mit-30.de

      Hallo Basti,

      schön, dass es beim ersten Mal auch anderen so ging.

      Beim Investieren erhalten wir eine Rendite dafür, dass wir ein Risiko eingehen. Eines davon ist auch das Währungsrisiko. Wenn wir uns gegen Risiken (z.B. mit einer Versicherung) absichern wollen, müssen wir dafür einen Teil der Rendite opfern.
      Deswegen ergibt es aus meiner Sichtweise (insbesondere bei so breit gestreuten ETFs) keinen Sinn sich gegen Währungsrisiken abzusichern.
      Langfristig gesehen gleichen sich die Währungsschwankungen nämlich wieder aus. Mal ist der Dollar, der Schweizer Franken oder der Euro stärker. Für die Zukunft ist der Währungskurs nicht vorhersehbar, doch in der Vergangenheit war das Währungsrisiko eigentlich zu vernachlässigen, wenn Du breit investiert hast.

      Ich sehe es sogar als einen großen Vorteil, dass die Unternehmen, in die ich investiere, nicht nur Euros einnehmen. Dadurch wird das Geschäft und die Ergebnisse unabhängiger von einer einzigen Währung.

      Hoffentlich hilft Dir meine Antwort weiter.

      Schöne Grüße
      Dominik

      • Okay, coole Sichtweise, die mir hilft! 🙂
        Ich habe bislang nur das Risiko hinter den Währungen, nicht jedoch die Chancen bzw. den Ausgleich dahinter gesehen, der definitiv vorteilhaft ist.

        Ich werde ab Januar auch im ETF-Bereich durchstarten, in den MSCI World und EM investieren und endlich mein Geld für mich arbeiten lassen…

        Ich wünsche Dir eine schöne Weihnachtszeit und einen guten Start ins neue Jahr – mach weiter so mit deinem Blog, du schreibst sehr lesenswerte Beiträge! 🙂

        Beste Grüße
        Basti

  • Hallo Dominik,
    guter Artikel und der Vergleich mit der Immobilie ist sehr einprägsam und einleuchtend.
    Ich kaufe meine Aktien-ETFs (und wenige Einzelaktien) auch um sie sehr sehr lange (Jahrzehnte lang) zu halten. Dass ich mal was verkauft habe war die absolute Ausnahme und ich habe nicht vor, in der nächsten Krise/Crash zu verkaufen.
    Grüße,
    Noemi

    • finanziell-frei-mit-30.de

      Hallo Noemi,

      vielen Dank.
      Der Vergleich hat mir zu Beginn wirklich sehr weitergeholfen.
      Dann hoffen wir mal, dass wir den nächsten Crash gut überstehen und es schaffen an unseren Investments standhaft festzuhalten.

      Schöne Grüße
      Dominik

  • Hey Dominik!

    Du hast Recht, Aktien können beides sein – konservativ oder spekulativ. Ich sehe den Börsenmarkt als konservative Anlage, die das Vermögen erhält, und über einen sehr langen Zeitraum auch aufbauen kann. Rich Dad, Poor Dad war auch mein erstes Buch über Finanzen! Es war sozusagen der Einstieg und Anfängern kann man das gut empfehlen 🙂 Es kann an der Börse aber auch wirklich zugehen wie im Casino. Überall Market-Timing und Lotto-Spieler. Ich finde es daher nachvollziehbar, wenn einige Menschen dieses Bild davon haben, es stimmt ja auch irgendwo. Man muss sich nur bewusst machen, dass das nicht zwangsläufig so laufen MUSS.

    Ich habe übrigens jetzt auch einen Finanzblog gestartet, vielleicht hast du Lust, vorbeizuschauen? Ich würde mich sehr freuen!

    Viele Grüße,
    Anna

    • finanziell-frei-mit-30.de

      Hallo Anna,

      ich denke Rich Dad, Poor Dad war für viele der Einstieg in das Thema Finanzen.
      Zurecht ist das Buch millionenfach verkauft worden.

      Früher hatte ich auch das Bild vom Börsen-Casino. Mittlerweile treibe ich mich mit in der Investmentszene so viel herum, dass ich mein damaliges Bild von der Börse überhaupt nicht mehr verstehe. Es gibt zwar einige, die ohne viel nachdenken Aktien kaufen und verkaufen, versuchen den Markt zu timen oder die beste Aktie zu picken. Diese Leute lesen allerdings keine Finanzblogs oder Fachbücher zum Investieren.

      Selbstverständlich werde ich mir Deinen Blog mal näher anschauen!
      Ich weiß ja selbst, wie schwer es zu Beginn ist.

      Schöne Grüße
      Dominik

  • Hallo Dominik,

    Irgendwie finde ich auf deiner Website keine Möglichkeit dich direkt zu kontaktieren.

    Bitte sag Bescheid, wenn du ein Lesertreffen in deiner Gegend organisierst oder wenn du in Düsseldorf und Umgebung zu Treffen hin gehst 🙂 wir leben ja nicht soo weit voneinander entfernt. Das habe ich auf dem Treffen in Hamburg erfahren 🙂

    Ganz viele Grüße

    Tanja

  • Pingback: Aktie verkaufen, was kommt auf mich zu? – HTZ

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