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Wieso arbeiten wir 40 Stunden die Woche?

In den 1970er Jahren wurde die 40-Stunden-Woche in Deutschland von Gewerkschaften in vielen Branchen durchgesetzt und dieses entwickelte sich zum Standard. Davor wurde häufig deutlich mehr gearbeitet, doch durch die Produktivitätssteigerungen konnten gleichzeitig die Löhne gesteigert werden, während die Arbeitszeit sich verringerte. In den letzten 40 Jahren gab es enorme Effizienzsteigerungen, sodass es durchaus möglich gewesen wäre die Arbeitszeit weiter zu verringern. Es gibt einen wichtigen Grund, warum sich die Arbeitszeit nicht verändert hat:

Der Rebound-Effekt

Dieser Begriff stammt aus der Energieökonomie und bedeutet, dass das Einsparpotential von Effizienzsteigerungen nicht oder nur teilweise genutzt wird (siehe Wikipedia). Das bedeutet, dass durch die Steigerung der Effizienz eigentlich die Arbeitszeit hätte reduziert werden können, dies aber aus verschiedenen Gründen nicht passiert ist.

Konsumveränderungen

Wir befinden uns heute in einer Konsumgesellschaft, in der sich fast jeder in Deutschland einen Fernseher, ein Auto und ein Haus leisten kann. Durch die Steigerung der Produktivität ist die gesamte Gesellschaft reicher geworden und konnte sich damit immer mehr leisten. Langfristig gesehen werden alle Güter immer günstiger. So war in den 1970er Jahren (gemessen an der Kaufkraft) ein Auto deutlich teurer als es heute mit deutlich besserer Technik ist. Statt jetzt aber einfach die eigene Arbeitszeit zu reduzieren, mehr Geld zu sparen oder zu investieren hat sich der eigene Konsum einfach erhöht. Wenn Du diesem Effekt entgegenwirkst und nur noch das kaufst, was Du wirklich benötigst, kannst Du sehr viel Geld sparen.

Die Reduzierung des eigenen Konsums fällt vielen Menschen natürlich sehr schwer, da die Werbung einem vormacht, dass Konsum glücklich mache und alle eigenen Probleme löst. Zudem haben wir eine Konsumgesellschaft, in der es normal ist sich alle möglichen Sachen (häufig auch auf Kredit) zu kaufen.

Mangelnde Skalierbarkeit

Ein weiterer Grund für den Erhalt der 40-Stunden-Woche ist, dass die Arbeitszeit nicht so flexibel verändert werden kann. Die Firmen müssen mit der Zeit der Arbeitnehmer planen können. Wenn jeder die Möglichkeit hätte die Arbeitszeit nach den eigenen Wünschen zu gestalten, wäre es nur sehr schwer möglich das Unternehmen zu führen. Auch Selbstständige können ihre Zeit nicht ganz flexibel bestimmen, da sie schließlich von der Auftragslage abhängig sind. Hier sind die Freiräume nur etwas größer, da es dem Auftragsgeber meistens mehr auf das Ergebnis, als auf die konkrete Arbeitszeit ankommt.

Soziale Normen

Zusätzlich verstärkt wird der Effekt auch noch dadurch, dass der einzelne nur sehr ungerne aus der Gesellschaft heraussticht. So werden die feststehenden sozialen Normen wie die 40-Stunden-Woche in der Regel von den Menschen überhaupt nicht hinterfragt. Wieso sollte ich etwas anders machen, wenn schließlich jeder so handelt? Schließlich gibt es die 40-Stunden-Woche schon sehr lange und die Mehrheit wird schon recht haben. So wärst Du, wenn Du nur 20 Stunden in der Woche arbeitest, zum Außenseiter neben den ganzen vollzeitarbeitenden Menschen. Auch ist das gesellschaftliche Leben zum großen Teil für die arbeitende Bevölkerung ausgelegt, da schließlich die meisten einen großen Teil der wachen Zeit mit Arbeiten verbringen und nur abends oder am Wochenende für Aktivitäten Zeit haben.

Sollte die Arbeitszeit reduziert werden?

Du wirst Dir vielleicht die Frage stellen, ob ich die 40-Stunden-Woche abschaffen und durch geringere Arbeitszeiten ersetzen würde. Meine Ausführungen sollten nur die Augen dafür öffnen, dass die 40-Stunden-Woche nicht ein Naturgesetz ist. Es ist eine willkürliche Erfindung von Menschen, dass 40 Stunden pro Woche gearbeitet werden muss, obwohl deutlich geringere Arbeitszeiten möglich wären. An einer 40-Stunden-Woche ist meiner Meinung nach auch überhaupt nichts auszusetzen, wenn wir eine Arbeit ausüben, die wir gerne machen. Viel zu oft ist das aber nicht gegeben, sodass eine Reduktion der Arbeitszeit das eigene Glücksgefühl enorm steigern würde.

Mit Erreichen der Finanziellen Freiheit möchte ich auch keinesfalls aufhören zu arbeiten. Ich möchte die Möglichkeit haben meine Arbeitszeit und meine Arbeit selbst frei aussuchen zu können und mich nicht strikt an die Vorgaben einer 40-Stunden-Woche halten zu müssen. Das Ziel sollte es sein eine Arbeit zu finden, die einem Spaß macht und wo die Arbeitszeit keine Rolle spielt. Ich denke, dass jeder einen Hassjob mit einer 40-Stunden-Woche gegen einen Traumjob mit einer 50-Stunden-Woche tauschen würde. Niemand findet Arbeit per se schlecht. Die meisten wollen einfach nicht arbeiten, da sie keine Arbeit haben, die ihnen Spaß macht und wer will ihnen das verübeln.

Zudem wirst Du bei den meisten Jobs für Deine Zeit und nicht für Deine Ergebnisse bezahlt. Natürlich führen gute Ergebnisse tendenziell eher zu einer Beförderung und zu einem besseren Gehalt, während schlechte Ergebnisse Deine Entlassung zur Folge haben können. Trotzdem wirst Du nicht früher Feierabend machen können, wenn Du produktiver als Deine Kollegen bist und so Deine Arbeit schneller erledigen kannst. Ich habe auch schon von Bekannten gehört, dass es an manchen Tagen einfach nichts zu tun gibt und trotzdem müssen sie ihre vorgegebene Zeit von 8 Stunden im Büro verbringen. Wenn so etwas häufiger vorkommt, kann es schnell demotivieren und im schlimmsten Fall sogar in einer Krankheit enden.

Fazit

Aus diesen Gründen plädiere ich dafür, dass mehr für die wirkliche Leistung, als für die Zeit bezahlt wird. Zudem sollten wir uns bemühen eine Arbeit zu finden, in der wir vollkommen aufgehen können. Wenn wir diese Ziele erreicht haben, dann kann die Anzahl der Arbeitsstunden in der Woche uns relativ egal sein.

4 Kommentare

  • Hey Hey,

    guter Beitrag wieder von dir.
    Bei dem Thema bin ich komplett bei dir. Das unser Gehalt an die Zeit gekoppelt ist, ist ein Überbleibsel aus der Industriellen Zeit. Die Unternehmen haben mit der Arbeitszeit und mit der Stempeluhr versucht eine Produktion aufrecht zu erhalten.
    Dies ist aber heute einfach nicht mehr nötig zumindest in vielen Berufen. Trotzdem bleiben wir bei diesem vorgehen, wie du richtig geschrieben hast. Selbst wäre auch dafür, dass wir generell nach Leistung bezahlt werden, denn somit könnten wir unseren allgemeinen Standard und unsere Qualität steigern.

    Gruß
    Christian

    • finanziell-frei-mit-30.de

      Vielen dank.
      Viele Leute sehen nicht, dass es Alternativen zu einer 40-Stunden-Woche geben könnte, weil es schließlich schon immer so ist.
      Wie würde dann wohl das Leben aussehen, wenn jeder selbst die eigene Tätigkeit (ohne gesellschaftliche Zwänge) wählen könnten und nicht darauf angewiesen ist 40 Stunden in der Woche zu arbeiten?

      Das Bezahlen für die eigene Leistung wäre wirklich eine gute Altenative, nur ist das bei manchen Tätigkeiten schwierig zu messen, wie hoch die eigene Leistung ist.
      Beispiel: Ein guter oder schlechter Lehrer.

      Schöne Grüße

      Dominik

  • Dieses Zählen von Stunden habe ich schon in meinem ersten Praktikum gehasst. Wenn ich ehrlich bin, will ich nie wieder nach Stunden bezahlt werden. Momentan arbeite ich mit Sicherheit auch nicht weniger als 30 Stunden und hätte auch gar kein Problem damit, 60 Stunden zu arbeiten. Wichtig ist mir nur, dass ich mir auch mal ein paar Stunden Ruhe gönnen kann und einen kurzen Mittagsschlaf machen kann. Meinetwegen sitze ich dann auch bis nachts vor dem Computer, aber solange ich keine Familie habe und mir meine Zeit selbst einteilen kann, will ich das auch ausnutzen.

    Bei anderen Jobs habe ich auch festgestellt, dass man tatsächlich schief angeschaut wird, wenn man freitags mal ein paar Stunden früher heimgeht oder auch unter der Woche pünktlich Feierabend macht. „Wie, schon Feierabend? Das müsste ich auch mal haben..“ – typische Aussage!

    Finanzielle Freiheit ist natürlich ein Weg, nicht mehr in diesem „Stunden-Schema“ zu arbeiten. Morgens einfach zu wissen: „Hey, ich könnte jetzt auch einfach noch 3 Stunden schlafen und es interessiert niemanden“. Das ist mein Ziel. (Gut, habe ich momentan zwar schon erreicht, aber ein bisschen mehr Einkommen und Rücklagen wären dann schon wünschenswert :D)

    Schöner Artikel!

    Lg Jannik

    • finanziell-frei-mit-30.de

      Es ist einfach die Normalität geworden in unserer Arbeitswelt.
      Es wird immer noch darauf geachtet wie viel Zeit die Menschen im Büro verbracht haben. Auch unabhängig davon wie viel die einzelnen Angestellten ganz genau geleistet haben.
      Die größere Flexibilität bei einem eigenen Unternehmen beziehungsweise einer eigenen Selbstständigkeit finde ich auch sehr reizvoll.
      So ist es häufig bei einem Angestelltenverhältnis schwierig dringende Termin zwischendurch zu erledigen und die Arbeit dann einfach später nachzuholen.
      Hier müssen dann die 8 Stunden am Tag gearbeitet werden, unabhängig davon wie viel es eigentlich zu tun gibt.

      Schöne Grüße
      Dominik

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