Investition bedeutet Weltuntergang

Was wäre, wenn alle investierten?

Häufig wird in verschiedenen Finanzforen, Facebookgruppen und unter YouTube-Videos in den Kommentaren diskutiert was passieren würde, wenn alle Menschen investieren würden. Dabei scheint schon von vornherein klar zu sein, dass es „Konsumidioten“ und „Nichtinvestierer“ geben muss, damit die Aktienkurse steigen und die Unternehmen regelmäßig eine Dividende ausschütten können. Aus diesem Grund möchte ich mich heute mit dieser Frage näher auseinandersetzen.

Begriffsdefinition

Bevor wir tiefer in das Thema einsteigen, sollte ich vielleicht erstmal genauer die Begriffe des Konsums und der Investition beleuchten. Hierzu wird es klarer, wenn ich als Beispiel einen selbstversorgenden Kartoffelbauer nehmen. Der Bauer erntet beispielhaft einmal im Jahr seine Kartoffeln. Diese kann er jetzt verzehren (Konsum) oder in den Boden stecken (Investieren), sodass im nächsten Jahr wieder mehr Kartoffeln geerntet werden können.

Nach dem Konsum ist der bestehende Wert (die Kartoffel) weg. Durch die Investition werden weitere Werte in Form von Kartoffeln geschaffen.

Ich denke, es ist wichtig sich zuerst einmal selbst klar zu machen, was eigentlich genau Konsum und Investition bedeuten. Durch das abstrakte Geld wird dieser einfache Zusammenhang leider verwässert, weil es schwieriger ist sich Konsum und Investitionen mit Geld alleine vorzustellen. Das Geld ist hierbei einfach nur ein Platzhalter, der dann stellvertretend für Kartoffeln, Maschinen oder irgendein anderes Gut steht.

Als dritte Umgangsweise kannst Du Dein Geld auch sparen. Das bedeutet, dass Du Dein Geld jetzt weder für Konsum ausgibst noch investierst. In unserem Beispiel mit den Kartoffeln wird der Bauer nach der Ernte nicht sofort seine kompletten Kartoffeln essen oder wieder einpflanzen. Vielmehr wird er einen Teil für später aufbewahren (sparen), damit er dann auch noch etwas zu essen hat.

Was wäre, wenn alle konsumierten und sparten?

Bevor ich Frage des Artikels näher beantworte, sollten erst einmal die alternativen Szenarien angeschaut werden. So gibt es insgesamt drei Verwendungsmöglichkeiten von Geld: Konsum, Sparen oder Investieren.

Wenn alle Menschen, Unternehmen und Organisationen alle Waren entweder verkonsumieren oder aufsparen, würde die Wirtschaft zusammenbrechen. Das würde nämlich bedeuten, dass kein Geld für die Erforschung und Entwicklung von neuen Produkten und Technologien und strenggenommen auch kein Geld für die Ausbildung (Schule, Universität, Ausbildung in Unternehmen) von Menschen ausgegeben beziehungsweise investiert werden würde.

Unser gesamter heutiger Lebensstandard ist das Ergebnis von Investitionen in unsere Bildung, in die Forschung und die Entwicklung von Technologien. Ohne diese Investitionen könnten die wenigsten Menschen lesen und schreiben, es gäbe keine Computer, keine Autos, keine Smartphones. Wir hätten heute immer noch einen Lebensstandard wie in der Steinzeit mit niedriger Lebenserwartung und schlechter Gesundheit.

Ich denke aus dieser Betrachtung heraus sollte klar sein, dass kein Weg an der Investition von Geld, Zeit und Knowhow vorbeiführt. Durch die Investition werden bessere Produkte, also bessere Lösungen für bestehende Probleme gefunden. Wir entwickeln uns als Menschheit fort und Erreichen dadurch einen besseren Lebensstandard und mehr Wohlstand für jeden einzelnen.

Aber es können doch nicht alle Menschen investieren?

Bei dieser Frage gehen die Menschen fälschlicherweise davon aus, dass alle auf einmal ausschließlich ihr Geld investieren würden und kein Geld mehr für Konsum ausgegeben würde. Es ist klar, dass die Unternehmen keine Gewinne machen können, wenn keiner ihre Produkte kauft und alle Menschen ihr gesamtes Einkommen investieren würden. Dabei wird allerdings außer acht gelassen, dass jeder Mensch einen bestimmten Anteil seines Einkommens alleine schon für seine Grundbedürfnisse (Essen, Unterkunft, Wärme) ausgeben muss. Sonst würde er schließlich nicht überleben.

Darüber hinaus haben die Menschen noch weitere Bedürfnisse (hierbei sei auf die Maslowsche Bedürfnispyramide verwiesen) und möchten in ihrer Freizeit bestimmten Aktivitäten (wie Kino, Essen gehen) nachgehen, bestimmte Produkte (wie zum Beispiel eine Waschmaschine) besitzen oder auch mal in den Urlaub fahren.

Erst wenn diese Bedürfnisse gedeckt sind, können die Menschen überlegen einen Teil ihres Einkommens zu investieren. Leider wird dieser Aspekt bei der Diskussion im Internet häufig außer acht gelassen und es sieht so aus, als würde Menschen ihr Geld entweder vollständig verkonsumieren oder investieren.

Weniger Konsum = Geringere Renditen?

Eine weitere Annahme bei den Diskussionen ist die einseitige Sicht, dass der geringere Konsum zu geringeren Gewinnen bei den Unternehmen führt und dadurch auch die Renditen niedriger sind. Diese Sichtweise ist maximal auf Einzelunternehmenssicht vertretbar.

Das möchte ich an einem kleinen Beispiel verdeutlichen:

Wir nehmen jetzt einfach mal an, dass alle Menschen die Finanzielle Freiheit anstreben und daher ihr Auto verkaufen und auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen, um das gesparte Geld investieren zu können. In diesem Fall würden natürlich alle Autokonzerne pleitegehen und Ölunternehmen wie Shell hätten ein erhebliches Problem. (Alles unter der vereinfachenden Annahme, dass diese Konzerne ausschließlich Autos produzieren.) In der Tat wäre das für die Einzelaktionäre von VW, Daimler oder Porsche sehr schlecht.

Gesamtwirtschaftlich gesehen wäre das aber überhaupt kein Problem, weil zum einen durch die Substitution einfach ein anderer Wirtschaftszweig (hier zum Beispiel die Deutsche Bahn) profitieren würde. Zum anderen kann das eingesparte Geld dann dazu genutzt werden in anderen Bereichen zu investieren und dort Mehrwerte zu schaffen. Durch den geringeren Konsum sinken daher nicht automatisch die Aktienrenditen des globalen Marktes.

Wie siehst Du die ganze Thematik?

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6 Kommentare

  • Hallo Dominik,

    wir dürfen uns auch immer wieder Sprüche wie „Wenn alle so wären, wie ihr, dann ginge die Wirtschaft zugrunde!“ anhören. Dadurch, dass wir nun mit dem Blog mehr Leute mit unserer Spar- und Investitionsmentalität erreichen als bislang im privaten Umfeld, haben wir uns die Frage: „Was wäre, wenn alle so sparsam wären wie wir?“ auch schon gestellt. Allerdings haben wir die Frage ehrlich gestanden nicht zu Ende durchdacht, da wir durch unsere Erfahrungen mit Leuten keinerlei „Befürchtung“ hatten, dass alle so werden wie wir 😉 Deswegen hatte sich für uns diese Frage erstmal erledigt. Umso mehr haben wir uns über deinen Artikel gefreut! Sehr schön erklärt mit der Substitution und der Verlagerung der Wirtschaftszweige. Können wir also beruhigt unseren Blog weiterführen und unsere Ansichten unters Volk bringen 😉

    Viele Grüße von
    Pia und Martin

    • finanziell-frei-mit-30.de

      Hallo Pia und Martin,

      ich hatte mir auch längere Zeit keinerlei Gedanken darüber gemacht, da ich weiß wie langsam sich Veränderungen in der Gesellschaft vollziehen. Ich hatte mich mit diesem Thema ausschließlich auseinandergesetzt, weil ich in letzter Zeit dazu häufiger etwas unter YouTube-Videos und auf Facebook gelesen hatte. Mir schienen dabei die Argument wenig hilfreich und tiefsinnig.
      Schließlich könnte das für einen selbst als Blogger auch eine Art Blockade sein, weil ich damit ja mir selbst schaden würde, was ich mit der ganzen Arbeit mit meinem Blog eigentlich nicht vor hatte. Vielen Dank für euer Lob.

      Schöne Grüße
      Dominik

  • Hallo Dominik,

    Nette Anschaung, aber der Markt regelt. Angebot und Nachfrage, es wird immer ein gewisses Gleichgewicht geben. Es wird immer Konsumenten, Profiteure, Investoren, Sparer und diverse Mischungen geben.

    Das ist aber nur meine Meinung.

    Gruss
    Thomas

    • finanziell-frei-mit-30.de

      Hallo Thomas,

      ich glaube auch nicht daran, dass alle Menschen anfangen werden ihr Geld zu investieren. Trotzdem wollte ich mich mal dem Szenario auseinandersetzen, weil es schließlich am ehesten deutlich macht, dass es nicht schlecht ist wenn mehr Menschen Aktionäre sind.

      Schöne Grüße
      Dominik

  • Hey Dominik,

    man könnte jetzt sagen, dass Sparen auch Investieren ist. Außer das Ersparte liegt zuhause unterm Kopfkissen. Trotzdem wäre das doof, weil nichts konsumiert wird – blöd.
    Deine Aufschlüsselung finde ich gut und nachvollziehbar. Beim Autobeispiel kommt hinzu, dass vllt. neue Innovationen das Auto in der Form wie wir es kennen ablösen und dadurch neue Wirtschaftszweige profitieren (Stichwort schöpferische Zerstörung).

    LG
    Johannes

    • finanziell-frei-mit-30.de

      Hallo Johannes,

      ich wollte es in der Tat mit meinem Beispiel nicht unnötig verkomplizieren, indem ich noch das Sparen mit einbeziehe.
      Gespartes Geld ist schließlich so ein Mittelding. Das gesparte Geld kann danach entweder verkonsumiert oder investiert werden. Das Sparen ist dafür nur ein Zwischenschritt. Die schöpferische Zerstörung wird meistens leider eher negativ angesehen, weil die Menschen nur daran denken, was wegfällt.

      Schöne Grüße
      Dominik

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