Versicherung

Wann ist eine Versicherung sinnvoll?

Die Deutschen haben im Vergleich zu anderen Nationen enorm viele Versicherungen. Wir sind als Volk extrem risikoscheu, versuchen uns abzusichern und Risiken allgemein eher zu vermeiden. Das führt dazu, dass viele Menschen in Deutschland überversichert sind und viel zu viel Geld für ihre Versicherungen ausgeben. Versicherungen sind bei den meisten Menschen die größten Fixkostenposten, sodass hier potentiell viel Geld eingespart werden kann. Aus diesem Grund möchte ich mich heute allgemein damit auseinandersetzen, wann eine Versicherung sinnvoll ist.

Was ist eine Versicherung?

„Mit Versicherung (veraltet Assekuranz) wird das Grundprinzip der kollektiven Risikoübernahme (Versicherungsprinzip oder Äquivalenzprinzip) bezeichnet: Viele zahlen einen Geldbetrag (= Versicherungsbeitrag) in die Kapitalsammelstelle Versicherer ein, um beim Eintreten eines entsprechenden Schadens, dem Versicherungsfall, aus dieser Kapitalsammelstelle einen Schadenausgleich zu erhalten.“ (vgl. Versicherung auf Wikipedia)

Das wäre die grundsätzliche Definition von Wikipedia. Die Versicherung wurde von der Gesellschaft eingeführt, damit hohe Schäden eines einzelnen abgefangen werden können und das Risiko auf die Gesellschaft verteilt werden kann. Das ist besonders bei selten eintretenden Ereignissen mit möglichen hohen Schäden sinnvoll. Hierbei kann am Besten das große Risiko auf die ganzen Versicherten übertragen werden.

Die Versicherungsbeiträge

Damit Du im Schadensfall das Recht hast die Versicherung in Anspruch zu nehmen, musst Du (logischerweise) immer die festgelegten Versicherungsbeiträge bezahlen. Hierbei kann natürlich nicht anhand der Höhe der Versicherungsbeiträge alleine entschieden werden, ob eine Versicherung sinnvoll ist. Allerdings hilft es beim Verständnis, was eine Versicherung ausmacht, in welche Teile sich der Versicherungsbeitrag aufteilt. Es handelt sich dabei um die folgenden drei:

Schadensdeckung

Zu allererst müssen die Versicherungsbeiträge die entstehenden Schäden decken. Wenn wir zum Beispiel eine Gebäudeversicherung haben, müssen aus den Versicherungsbeiträgen aller Versicherten der Schaden der wenigen Schadensfälle bezahlt werden.

Weitere Kosten

Die gesamte Verwaltung, Abwicklung und Prüfung kostet natürlich auch Geld, welches durch die Versicherungsbeträge bezahlt werden muss. So müssen die Versicherungsverträge entworfen, geprüft und immer rechtlichen Veränderungen angepasst werden. Die Bezahlung der Beiträge muss überwacht und im schlimmsten Fall muss das Geld eingetrieben werden. Zudem müssen gemeldete Schadensfälle ausführlich geprüft und bestätigt werden.

Gewinn

Versicherungsunternehmen sind gewinnorientiert und keine reine Wohlfahrtsorganisation. So muss nach Deckung aller Kosten und der Bezahlung aller Schäden auch noch ein Gewinn für die Eigentümer des Unternehmens bleiben. Versicherungsunternehmen haben häufig relativ konstante Gewinne, weswegen Warren Buffet auch viele Versicherungsunternehmen besitzt. Die Allianz zahlt zum Beispiel schon seit Jahren eine schöne Dividende.

Was ist das Worst-Case-Szenario?

Es ist natürlich in keinem Fall sinnvoll die Versicherung ausschließlich anhand der Höhe der Beiträge zu bewerten. Vielmehr solltest Du näher betrachten, welches Worst-Case-Szenario durch die Versicherung abgedeckt wäre und welche Kosten es verursachen könnte.

Im Falle einer Privathaftpflichtversicherung kannst Du zum Beispiel als Fußgänger bei Rot über die Ampel gehen, sodass ein Auto ausweichen muss und in einen Laden fährt. Dabei werden mehrere Personen dauerhaft verletzt, sodass ein Schaden in Millionenhöhe entsteht. Dieses Risiko kannst Du mit einer Privathaftpflichtversicherung für unter 100€ im Jahr absichern.

In diesem Fall sollte klar sein, dass eine Privathaftpflichtversicherung für jede Person ein absolutes Muss ist. Sonst könnte Dich ein solches Ereignis in den finanziellen Ruin treiben und die Versicherungsbeträge zur Absicherung sind auch sehr niedrig. Außer, Du hast ein paar Millionen zur Absicherung auf der hohen Kante.

Grundsätzlich sollte jedes Risiko, welches Du im Worst-Case-Szenario nicht mit Deinem eigenen Vermögen abdecken kannst, durch eine Versicherung abgesichert werden. Das wäre im Grunde auch schon die Antwort auf die oben gestellte Frage, wann eine Versicherung sinnvoll ist.

Abhängigkeit von der eigenen finanziellen Situation

Hierbei variiert es natürlich auch stark von Person zu Person, welche Versicherung sinnvoll ist. Hierzu möchte ich kurz ein eigenes Beispiel schildern:

Mit 14 Jahren kaufte ich mir für knapp 500€ Euro meinen ersten Laptop. Ich hatte sehr lange darauf gespart und der Wert entsprach ungefähr meinem Jahreseinkommen (Taschengeld). Es war also für mich durchaus eine große Sache. Der Verkäufer bei Media Markt machte damals das Angebot, dass ich für einen einmaligen Betrag von (schätzungsweise, denn ich weiß es nicht mehr genau) 90€ meinen Laptop für 4 Jahre gegen alles mögliche (Feuer, Wasser, Diebstahl, Unfall und eigene Schusseligkeit) versichern könnte und ich zusätzlich noch ein weiteres Jahr Garantie erhalten würde. Ich hatte das mit meiner Mutter besprochen und hinterher zu dem Laptop noch zusätzlich eine Versicherung abgeschlossen.

Damals war es für mich durchaus sinnvoll, denn ich hätte über ein Jahr wieder auf einen neuen Laptop sparen müssen. In meiner aktuellen Situation wäre das allerdings nicht mehr notwendig, weil ich jeden Monat 500€ investiere und mir locker einen neuen Laptop aus meinem Cashflow leisten könnte.

Deswegen finde ich es immer so interessant, wenn im Internet leidenschaftlich darüber gestritten wird, ob eine xy-Versicherung sinnvoll ist. Eigentlich haben alle Versicherungen in irgendeiner Form ihre Daseinsberechtigung (mal mehr, mal weniger). Deswegen halte ich auch nichts davon über einzelne Versicherungen zu stark im Detail zu reden. Viel wichtiger ist das Prinzip hinter einer Versicherung zu verstehen und dann eine eigene Entscheidung zu treffen.

Die beste Versicherung ist Dein Vermögen

Für alle Schäden, die Du aus Deinem Vermögen bezahlen kannst, solltest Du keine Versicherung abschließen. Neben der reinen Schadensabdeckung bezahlst Du nämlich (wie zuvor beschrieben) auch noch die Kosten und den Gewinn des Versicherungsunternehmens. Zudem kannst Du die ansonsten anfallenden Versicherungsbeiträge sogar komplett sparen, wenn bei Dir gar keine Schäden eintreten. Indem Du die Risiken mit Deinem eigenen Vermögen abdeckst, kannst Du viel Geld sparen.

Im besten Fall (=dem Erreichen der Finanziellen Freiheit) bist Du zum Beispiel nicht mehr auf eine Arbeitslosen-, Risikolebens-, Berufsunfähigkeits-, Lebens- oder Rentenversicherung angewiesen, weil Du nicht mehr von Deinem Arbeitseinkommen abhängig bist. Du kannst Dir gerne ja mal ausrechnen, was für Beträge das in Deinem Fall wären. Da kommt schon einiges zusammen.

Das erinnert mich an das schöne französische Sprichwort:

„Ich muss zur Arbeit, damit ich mir Benzin leisten kann, um zur Arbeit zu fahren.“

In diesem Fall würde es dann nur heißen:

„Ich muss arbeiten, damit ich mich absichern kann, wenn ich nicht mehr arbeiten kann.“

Durch das Sparen von bestimmten Versicherungsbeiträgen kannst Du Deine Investitionssummen erhöhen und schneller von den Versicherungen unabhängiger werden. Daher solltest Du Dir vorher genau überlegen, ob Du eine bestimmte Versicherung abschließen solltest und ob Du diese Versicherung auch wirklich brauchst.

Versicherungsbeiträge sind keine Investition

Ich habe schon häufiger im Internet gelesen, dass sich eine bestimmte Versicherung nicht rechnen würde, weil ich viel mehr einzahle, als ich herausbekomme und der Versicherungsfall sowieso nicht bei der Person eintreten werde. Dieses Argument habe ich zum Beispiel auch schon zu der Diskussion gelesen, ob Du eine Privathaftpflichtversicherung benötigst.

Wie ich vorhin bereits beschrieben habe, dient eine Versicherung zur Absicherung von Risiken, die Du selbst nicht mit Deinem Vermögen tragen könntest. Es geht bei einer Versicherung in keinem Fall darum, dass Du dadurch mehr rauskriegst, als Du einzahlst. So bezahlen etwa 90% mit ihren Beiträgen die Schäden, die anderen versicherten Menschen geschehen.

Viele Leute scheinen diese Sachen nicht zu verstehen und betrachten die Versicherungsbeiträge als herausgeworfenes Geld, weil sie nur ihre Einzahlungen sehen und nicht das abgedeckte Risiko. Auch wenn ich meine Versicherung niemals in Anspruch nehme und mein ganzes Leben über nur einzahle, kann eine Versicherung durchaus eine vernünftige Entscheidung sein.

Dieser Denkfehler tritt besonders oft bei der Haftpflichtversicherung auf, weil hier meistens eingezahlt wird und es zu keinem Versicherungsfall kommt. Natürlich würde ich finanziell besser dastehen, wenn ich vorher gewusst hätte, dass ich die Versicherung nie in Anspruch nehme werde und daher mich gar nicht versichert hätte. Das kann ich allerdings nie vorher wissen, denn ein Restrisiko bleibt bestehen.

Selbst wenn ich bei der Haftpflichtversicherung hypothetisch 1000 Jahre lang (falls ich selbst solange leben würde) jedes Jahr 100€ bezahlt habe, kann sich die Versicherung finanziell immer noch rechnen. Dann hätte ich insgesamt 100.000€ an Beiträgen bezahlt und damit werden Schäden in Millionenhöhe abgedeckt.

Pseudoversicherungen

Mit der Zeit haben sich auch sehr viele „Pseudoversicherungen“ entwickelt, die nicht primär das Ziel haben irgendwelche Risiken abzusichern. Ein Beispiel hierfür ist die Rentenversicherung. Bei dieser Form der Versicherung zahlst Du eine bestimmte Zeit lang Geld ein und kannst dann später eine zusätzliche regelmäßige Rente oder eine größere Auszahlung erhalten. Das große Problem bei dieser Form der Anlage ist, dass Du viele Gebühren an die Versicherung und den Makler zahlen musst und zusätzlich bei der Investition in einen Fonds nochmal hohe Gebühren anfallen.

Diese Pseudoversicherungen haben einfach nicht den großen Vorteil der Schadensdeckung. Für mich ergibt es keinen Sinn eine Versicherung abzuschließen, die keinen Schaden abdeckt und auch sonst keinen erkennbaren Vorteil aufweist. Manchmal haben diese Pseudoversicherungen einen gewissen Steuervorteil, sodass es sich doch lohnen kann, doch im Regelfall würde ich von diesen Versicherungen abraten. Zudem sollten sie auch nur nach ausführlicher Beratung durch einen unabhängigen Berater abgeschlossen werden.

Häufig werden die Pseudoversicherungen auch in Kombination mit einer echten Versicherung angeboten, weil Versicherungen an den Pseudoversicherungen viel Geld verdienen können. Du solltest Dir daher immer ein getrenntes Angebot geben lassen und nur die echte Versicherung abschließen. Dadurch kannst Du bereits viel Geld sparen.

Zusammenfassung

Nach Ende der Schulzeit musste ich mich mit Beginn meines dualen Studiums und dem Verdienst meines ersten Geldes auf einmal um das Abschließen von unterschiedlichen Versicherungen kümmern. Davor hatte ich mich mit dem Thema überhaupt nicht auseinandergesetzt und stand daher diesem extrem komplexen Thema sehr verwirrt und verunsichert gegenüber. Ich wusste nicht welche Versicherungen es alles gibt, was eine Versicherung genau ist und wann es sich lohnt eine Versicherung abzuschließen.

Damals wäre ich über mein heutiges Wissen sehr froh gewesen und ich hoffe, dass ich auch anderen Menschen einen guten ersten Eindruck zum Thema Versicherungen geben konnte. Ich bin dabei absichtlich nicht auf konkrete Versicherungen und Details eingegangen, weil es von Person zu Person sehr unterschiedlich ist und ich dort auch keine konkreten Tipps geben könnte.

Was für Tipps habt Ihr bei dem Thema Versicherungen? Welche Versicherungen habt Ihr? Welche lohnen sich und welche lohnen sich nicht?

5 Kommentare

  • Neben der Haftpflicht empfehle ich eine Rechtschutzversicherung. Kosten auch nicht viel, aber man ist bei Geschäftsabwicklungen (Kauf/Verkauf Auto, Haus etc.) abgesichert. So ein Erstgespräch mit einem Anwalt kann schon mal über 100 Euro kosten + später der Rest wie Anschreiben, Mahnung schreiben usw.

    Ansonsten eine Berufsunfähigkeit (BU), da man damit sich selbst versichert, ein Unfall ist schnell passiert und auch eine BU-Versicherung kostet im Verhältnis recht wenig. Eine BU versichert auch für einige Monate die man im Krankenhaus liegen könnte. Ich zahle für die Rechtsschutz und BU ca. 70 Euro monatlich. Das ist es mir aber wert. Sollte ich irgendwann etwas mehr Ansprüche auf Rente/Pension und mehr (passives) Nebeneinkommen haben, geh ich mit der BU runter. Den Rechtsschutz musste ich auch schon in Anspruch nehmen für Beratungsgespräche.

    Ahsen von http://www.shazad.de

    • finanziell-frei-mit-30.de

      Hallo Shazad,

      ich denke das muss jeder mit seiner individuellen Situation entscheiden.
      Dabei ist natürlich das eigene Vermögen und die familiäre Situation enorm wichtig.
      Ich selbst besitze ebenfalls eine Dienstunfähigkeitsversicherung und sichere damit den Wegfall meiner Arbeitskraft ab.
      Einer Rechtsschutzversicherung stehe ich kritisch gegenüber, weil ich die Anwaltskosten auch selbst decken kann und durch meine grundlegende juristische Ausbildung die Erfolgsaussichten auch schon ohne einen Anwalt näher abschätzen kann.

      Ich habe bei meinem Praktikum am Verwaltungsgericht so oft erlebt, dass Menschen gegen einen Verwaltungsakt geklagt haben, obwohl sie nicht den Hauch einer Chance auf ein Urteil zu ihren Gunsten hatten, weil sie komplett dem Anwalt vertraut haben und überhaupt nicht in das entsprechende Gesetz geschaut haben.

      Schöne Grüße
      Dominik

      • Ja, klar. Es kommt auch auf die persönliche Situation an. Muss man selber abwägen.
        Ich habe mit der Rechtsschutz gute Erfahrung gemacht und hab keine juristische Ausbildung, zwar schaue in Gesetze, aber der Teufel liegt da im Detail. Muss jeder selber wissen. Rechtsschutz deckt ja auch die Gerichtskosten ab.
        Man sollte aber wirklich zumindest die Haftpflicht haben, die kostet wirklich sehr wenig dafür das was man da bekommen kann. Sichert ja auch ab, falls das eigene Kind was kaputt macht.

        Gruß
        Ahsen
        http://www.shazad.de

  • Hallo Dominik,

    Ich gebe dir vollkommen recht, ic hhabe auch nur das nätigste an Versicherungen. Vorallem in der Schweiz sind unzählige Versicherungen die einem angedreht werden, schweine teuer!

    Ich kann meine Versicherungen die ich aktiv selber bezahle von meiner Hand abzählen. Da einige Versicherungen gesetztlich automatisch vom Gehalt abgezogen werden
    – Krankenversicherung
    – Privat- & Haftpflichtverischerung

    Gruss
    Der Sparkojote

    • finanziell-frei-mit-30.de

      Hallo Sparkojote,

      ich glaube das ist nicht nur in der Schweiz so, dass die Versicherungen teuer sind. 😉
      Bei mir sieht es von der Anzahl der Versicherungen ähnlich aus.

      Schöne Grüße
      Dominik

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