Charakter Moral

Verdirbt Geld den Charakter?

Heute möchte ich mich erneut mit einem typischen negativen Glaubenssatz zum Thema Geld beschäftigen. So wird landläufig immer gesagt, dass Geld den Charakter verderbe und reiche Menschen sich moralisch fragwürdig verhalten.

In einem vorherigen Artikel habe ich ja bereits die Frage geklärt, ob reiche Menschen nur durch das Betrügen von anderen Menschen ihren Wohlstand erlangen. Heute möchte ich mich eher auf den Charakter konzentrieren und analysieren, wie sich ein größeres Vermögen darauf auswirkt.

Studien scheinen die Frage zu beantworten

So veröffentlichte die Frankfurter Rundschau einen Artikel mit verschiedenen Studien mit der Überschrift „Forscher beweisen: Geld verdirbt den Charakter“ auf ihrer Homepage.

Ich möchte mich an dieser Stelle näher mit den einzelnen Studien auseinandersetzen und meine eigene Meinung zum Thema äußern. Unter anderem wurde analysiert, wie sich die verschiedenen Autofahrer im Straßenverkehr verhalten. Dabei wurde festgestellt:

„Wie die Forscher beobachteten, verhielten sich Menschen mit offensichtlich teureren Autos im Straßenverkehr unfairer: In San Francisco nahmen sie an einer Kreuzung häufiger die Vorfahrt und bremsten weniger oft für Fußgänger, die an einem Zebrastreifen warteten.“

Meiner Meinung nach haben die Forscher hierbei einem schwerwiegenden Denkfehler gemacht. In der Studie ist danach jemand reich, der ein teures Auto fährt. Dabei haben diverse Studien und das Buch „The Millionaire next Door“ gezeigt, dass viele reiche Menschen gebrauchte und keine teuren neuen Sportwagen fahren.  Im Gegenteil sind viele Menschen, die einen Porsche oder andere teurere Sportwagen fahren, sogar hoch verschuldet und haben einfach nur ein hohes Einkommen. Das hat allerdings nichts mit Reichtum zu tun. Die Menschen verschulden sich und versuchen durch ein teures Auto dem sozialen Umfeld zu signalisieren, dass sie reich sind.

Hierzu gibt es auch ein schönes Zitat:

„Wir kaufen Dinge, die wir nicht brauchen, von Geld, das wir nicht haben, um Menschen zu beeindrucken, die wir nicht mögen.“

Ein weiterer Punkt ist, dass Fahrer von teuren Sportwagen in der Regel kein schnelles Auto mit einer hohen Beschleunigung kaufen, um damit dann langsam mit 30 oder 50 km in der Stadt zu fahren. Zudem eignen sich Sportwagen nun mal viel besser zum Rasen als ein Kleinwagen, der nicht schneller als 120 km/h fahren kann und eine sehr niedrige Beschleunigung hat.

Reiche klauen Kindern Bonbons

So reißerisch würde wahrscheinlich die Bild die Studie betiteln. Mehrere Personen saßen in einem Raum und sollten dort warten. Der Studienleiter sagt zu Beginn, dass die auf dem Tisch stehenden Bonbons für Kinder bestimmt sind, die Teilnehmer sich allerdings auch etwas davon nehmen könnten. Bei dieser Versuchskonstellation wurde festgestellt, dass reiche Menschen eher und mehr zu den Bonbons gegriffen haben als die Ärmeren.

Ich gehe an dieser Stelle jetzt einfach mal davon aus, dass sie diesmal besser die Gruppen definiert haben und nicht verschuldete Menschen mit einem hohen Einkommen als reich gelten. Für mich sind nämlich nur Menschen mit einem hohen Nettovermögen wirklich vermögend.

Die Studie zeigt, dass die reichen Menschen tendenziell eher zu den Bonbons greifen als die armen Menschen. In der Überschrift des Artikels scheint allerdings schon bewiesen zu sein, dass mehr Geld den Charakter verderbe.  Für mich wird das allerdings aus dieser Studie auch nicht deutlich, dass das gezeigte Verhalten grundsätzlich unmoralisch ist und prinzipiell Geld den Charakter verderbe.

Ich bin viel eher der Meinung, dass es förderlich für den eigenen Reichtum ist, wenn man sich nicht zu 100% an die gegebenen sozialen Normen hält. So wird uns von der Gesellschaft bereits in der Schule vermittelt:

„Stich nicht aus der Masse heraus.“ Übersetzung: Verhalt Dich wie alle anderen.

„Sei bescheiden.“ Übersetzung: Lass den anderen den Vortritt und beanspruche nichts für Dich.

„Sei kein Egoist.“ Übersetzung: Die anderen Interessen sind wichtiger als die eigenen. Ordne Dich dem Kollektiv unter.

Ich bin der Meinung, dass es für Menschen, die allgemein die sozialen Normen eher missachten, leichter ist reich zu werden, weil sie dann auch nicht so leicht von den negativen und limitierenden Überzeugungen der Gesellschaft zurückgehalten werden. Damit werden sie dann tendenziell auch eher unmoralisch handeln, weil sie sich trauen überhaupt zu handeln.

Steve Jobs als reicher Bösewicht

Zum Schluss wird dann noch auf die negativen Charaktereigenschaften von Steve Jobs abgestellt, um ein plastisches Beispiel für die bösen Reichen zu geben.

Jobs glaubte, dass er allen anderen Mitmenschen wegen seinem höheren Intellekt überlegen sei und verhielt sich daher seinen Mitarbeitern gegenüber arrogant und cholerisch. Außerdem habe er auch Mitarbeiter unfair behandelt und Boni nicht gerecht verteilt.

Durch dieses Beispiel wollen die Redakteure ihre eigene These untermauern und „beweisen“, dass Geld den Charakter verderbe. Ich glaube kaum, dass der eigene Charakter durch das Geld so dermaßen verändert wird, dass Du dadurch ein „schlechterer“ Mensch wirst.

Im Gegenteil ist Steve Jobs durch seinen unerschütterlichen Glauben an sich selbst und die unglaublich hohe Kreativität überhaupt erst reich geworden. So hatte er die aufgezählten Charaktereigenschaften auch schon vorher.

Geld verstärkt bestehendes

Meiner Meinung nach hat Geld die Eigenschaft die eigenen Charaktereigenschaften noch weiter zu verstärken und sichtbarer zu machen. Wenn ich arrogant und cholerisch bin, werde ich das als kleiner Angestellter mit wenig Geld viel weniger zeigen können, als wenn ich der Gründer und Geschäftsführer eines Unternehmens mit tausenden von Mitarbeitern bin. Durch das Geld wird mein Charakter noch sichtbarer und mein Erfolg bestätigt mich in meinem eigenen Handeln. Zudem habe ich mit mehr Geld auch eher die Möglichkeit in größerem Ausmaß mich unmoralisch zu verhalten.

Der Artikel endet dann doch beschwichtigend:

„Die Schlussfolgerung der Forscher lautet daher: „Soziale Klasse und Unethik sind weder grundsätzlich noch notwendigerweise miteinander gekoppelt.“

Mit einer solchen Überschrift hätten sie selbstverständlich nicht so viele Klicks bekommen und hätten nicht so viele Leser gehabt. Letztendlich zeigt sich also, dass die Forscher keinesfalls den Zusammenhang zwischen Geld und einem verdorbenen Charakter herstellen konnten. Die Studien zeigen allenfalls Tendenzen, die sich meiner Meinung nach durch meine Begründungen schlüssig erklären lassen.

Zudem stellen sie noch kurz in wenigen Sätzen fest, dass es unter den Reichen auch rühmliche „Ausnahmen“ wie Bill Gates und Warren Buffet gibt, die einen Großteil ihres Vermögens einer Stiftung vererben und viel für die Menschheit tun.

Glaubt Ihr, dass Geld den eigenen Charakter verdirbt? Was haltet Ihr von den Studien?

8 Gedanken zu „Verdirbt Geld den Charakter?

  1. Geld selbst verdirbt nicht den Charakter. Es gibt viele, die sich damit für wohltätige Zwecke einsetzen. Ich denke eher, dass man durch Gier blind werden kann. Im Sinne von „Das Ziel heiligt die Mittel“ auch mal über Leichen geht und andere ausbeutet. Zumal kann Erfolg und Macht zu Kopf steigen oder zu falschen Entscheidungen führen. Wer mit dem Auto durch die Stadt rast, der ist sich der Tragweite einfach nicht bewusst und überschätzt sich.

    1. Hallo Jenny,

      ich sehe das genauso.
      Unter keinen Umständen sollten alle anderen Belange (die Mitmenschen oder das eigene Umfeld) missbraucht werden, um die eigenen Ziele zu erreichen.
      Mit den Rasern in der Stadt kann ich nur unterschreiben.
      Ich finde es unverantwortlich mit dem eigenen Leben (das ist ja noch jedem selbst überlassen), aber vor allem das Leben anderer Menschen in diesem Maß zu gefährden, nur um kurz ein wenig Spaß zu haben.

      Schöne Grüße
      Dominik

  2. Hallo Dominik,
    es gibt Menschen mit schlechtem Charakter die Geld haben – das sind dann die, die mit ihrem (bezahlten) Sportwagen über den Zebrastreifen rasen und es gibt Menschen mit schlechtem Charakter ohne Geld,
    das sind dann die, die sich vom Hartz 4 Satz ihrer Kinder für sich selbst z.B. Zigaretten und Alkohol kaufen.
    Mein Fazit also: Charakter und Geld stehen nicht in direktem Zusammenhang.
    Das Beispiel mit den Bonbons weist meiner Ansicht nach auf etwas hin, von dem ich einmal gelesen habe: nämlich, dass es einen Zusammenhang zwischen der „Weltsicht“ und Reichtum gibt.
    Danach leben Reiche in der Sicht der „Fülle“ – es ist genug für alle da und es können immer wieder durch
    unternehmerisches Handeln zusätzliche Werte erschaffen werden. – Also, wenn mir ein Bonbon angeboten wird nehme ich niemandem etwas weg wenn ich „mich bediene“. Sie sehen also die Erlaubnis sich zu bedienen.
    Arme Menschen hingegen leben in einer Sicht des „Mangels“ – es gibt nur eine bestimmte Menge an Werten
    zu verteilen und wenn ich mir etwas nehme was anderen zusteht (den Kindern) nehme ich denen etwas weg
    das ist unsozial daher „bediene ich mich nicht“. Sie sehen also den Hinweis, dass die Bonbons den Kindern zustehen.
    Diese Unterschiede führen dann auch zwangsläufig zu unterschiedlichen Einschätzungen ob ein Geschäft „moralisch vertretbar“ ist (z.B. Erwerb einer Immobilie aus der Zwangsversteigerung). Hierüber kann man glaube ich lange diskutieren.
    Viele Grüße
    Betongoldhamster

    1. Hallo Betongoldhamster,

      Ja das Beispiel mit den Bonbons ist wirklich sehr gut gewählt und verdeutlicht wie tief verwurzelt viele auch nicht mehr zeitgemäße Glaubenssätze in unserer Gesellschaft sind. Während die meisten diese Glaubensätzten mehr oder weniger unbewusst übernehmen, scheinen Reiche viel häufiger diese zu hinterfragen und verhalten sich dementsprechend anders. Damit stoßen sie wohl bei vielen anderen einfach auf Unmut.

      Wie Dominik schon im Artikel schreib, wird das sich Unterordnen und Anpassen leider sehr stark von Schulen gefördert. Grund hierfür dürfte wohl ein Schulsystem sein, dass aus Zeiten der Industrialisierung stammt, in dem vor allem Arbeiter gebraucht wurden. Hier ist dringend ein Umdenken bei der Erziehung der Schüler hin zu individuellen Persönlichkeiten nötig. Denn gerade in Zukunft werden Berufe mit fest vorgeschriebenen Abläufen immer mehr wegfallen, worauf das jetzige Schul- und Ausbildungssystem alles andere als vorbereitet.

      Viele Grüße
      Richard

      1. Hallo Richard,

        mir hat die Erkenntnis sehr geholfen, dass jeder Glaubenssatz falsch ist.
        Ein Glaubenssatz reduziert immer die Komplexität der Welt, um es als Mensch einfacher zu haben.
        Im Unterschied zu Erfolglosen Menschen, versuchen erfolgreiche Menschen Glaubenssätze, die sie ausbremsen oder zurückhalten zu hinterfragen und neue hilfreichere Glaubenssätze zu installieren.
        Dabei ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass die unterbewusst installieren Glaubenssätze uns bei der Erreichung unserer Ziele behilflich sind, denn sie sind ja nicht bewusst gewählt.

        Über das Schulsystem und den Einfluss auf den einzelnen können ganze Bücher geschrieben werden.
        Leider sehe ich hier nicht in der Zukunft drastische Verbesserungen.

        Schöne Grüße
        Dominik

        1. Hallo Richard, hallo Dominik,
          ein schönes Zitat zum Thema Glaubenssätze wird Henry Ford zugeschrieben und lautet:
          „Egal ob du glaubst du kannst es oder du kannst es nicht – du wirst recht behalten!“
          Da unsere unbewussten Glaubenssätze unser Verhalten bedingen ist es meiner Meinung nach
          so, dass sie uns bei der Erreichung unserer Ziele fördern oder behindern.
          Hierbei unterstellt ihr, dass erfolgreiche/reiche Menschen ihre Glaubenssätze hinterfragen und anpassen. Das sehe ich etwas anders. Wahrscheinlich haben erfolgreiche/reiche Menschen unbewusste Glaubenssätze die funktionieren und bei der Zielerreichung förderlich sind. Diese werden dann nicht hinterfragt. Anders bei uns, die wir bewusst die Unterschiede zwischen erfolgreichen und mäßig erfolgreichen bzw. erfolglosen Menschen wahrnehmen und reflektieren was die einen von den anderen unterscheidet.
          Viele Grüße
          Betongoldhamster

          1. Hallo Betongoldhamster,

            in der Tat sind die eigenen Glaubenssätze sehr mächtig und bestimmen zu einem großen Teil, wie ich mich verhalte und welche Ergebnisse ich daraus erhalte.
            Es gibt hierbei immer zwei Kategorien von Menschen: Die, die sich mit den Glaubenssätzen auseinandersetzen und sie selbst formen und die, die noch nicht mal wissen, dass sie Glaubenssätze haben. Bei den unbewussten Menschen ist der Erfolg dann alleine darauf zurückzuführen, ob sie das Glück hatten förderliche Glaubenssätze zu besitzen. Wenn ich an meinen Glaubenssätzen arbeite und negative nach und anch ausschalte oder hemme, dann werde ich langfristig auch mehr Erfolg haben.

            Schöne Grüße
            Dominik

    2. Hallo Betongoldhamster,

      vielen Dank für Deine Ergänzungen.
      Deine Ausführungen unterstreichen noch mehr, dass der eigene Charakter und das eigene Vermögen in keinem Fall miteinander verbunden sein müssen.
      So scheint es für mich durchaus logisch, dass reiche Menschen kein Mangelbild von der Welt haben und aus diesem Grund eher zu den Bonbons greifen als arme Menschen.
      Ich glaube ein weiterer Gedanke in der Richtung ist, dass arme Menschen glauben, wirtschaften sei ein Nullsummenspiel. Das bedeutet, dass sie anderen Menschen etwas wegnehmen müssen, um reicher zu werden und alle reiche Menschen nur reich sein können, weil andere Menschen arm sind.
      So funktioniert allerdings Wirtschaft nicht, denn ich muss in einem legalen Rechtsgeschäft immer etwas mit Mehrwert für den anderen gegen Geld eintauschen.

      Schöne Grüße
      Dominik

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*