berechnungen

Rechne Dich arm

Ich möchte Dir heute eine Methode zeigen, die ich anwende und durch die viele reiche Menschen zu ihrem Vermögen gekommen sind. Viele arme Menschen machen es gerne so, dass sie ihre eigene finanzielle Situation viel besser darstellen, als sie in Wirklichkeit ist. Dadurch kann verdrängt werden, wie schlecht es um die eigenen Finanzen wirklich steht. So braucht die Person nichts sparen und kann weiter hemmungslos Geld ausgeben, ohne sich durchs Sparen einschränken zu müssen. Wir sind Meister darin uns die Welt schöner zu reden als sie ist, um nicht ins Handeln kommen zu müssen.

Berechnung ≠ Wirklichkeit

An meinem Beispiel zeigt sich, dass die eigenen Berechnungen zur finanziellen Situation nicht nur der Wirklichkeit nicht entsprechen, sondern sogar häufig das genaue Gegenteil darstellen. Das Beispiel in meinem Beitrag „Bist Du reicher als zu Deiner Geburt?“ zeigt exemplarisch, dass die Gesellschaft häufig auch Menschen mit einem negativen Nettovermögen als reich ansieht. Die vermeintlich reichen Menschen werden sich selbst wahrscheinlich genauso sehen, da sie die selbe Vorstellung von Reichtum haben.

Warum macht Armrechnen reich?

Du wirst Dir vielleicht die Frage stellen, warum das Armrechnen Dich reich machen sollte, da es schließlich ja nur eine andere Berechnungsweise des Vermögens ist. Das Armrechnen hat diverse positive Auswirkungen auf die eigenen Finanzen, da die Berechnungen schließlich Deine finanziellen Entscheidungen betreffen. So wirst Du Dir zum Beispiel keine neuen Klamotten kaufen, wenn Du nach Deinen eigenen Berechnungen diesen Monat schon mehr ausgegeben als eingenommen hast. Allgemein kann gesagt werden, dass Du sparsamer und bewusster mit Deinem Geld umgehst, da die Finanzen nach Deinen Berechnungen viel schlechter aussehen als sie in Wirklichkeit sind. So sparst und investierst Du mehr als mit einer positiveren Berechnung Deiner Finanzen, was letztendlich zu einem größeren Vermögen führt.

Wie kannst Du Dich Armrechnen?

Es gibt einige Methoden, die ich Dir hier vorstellen möchte.

Mehrere Konten

Viele Leute haben ihr gesamtes Vermögen auf einem einzigen Konto. Darauf ist dann das Geld für den nächsten Urlaub, die Ansparungen fürs neue Auto und letztendlich auch das restliche Vermögen. Ein hoher Kontostand führt immer dazu, dass auch mehr Geld ausgegeben wird. Wenn kein Geld auf dem Konto ist, dann kann auch nichts ausgegeben werden.

Der Trick ist mindestens 3 Konten zu besitzen:

  • Ausgaben-Konto
  • Rücklagen-Konto
  • Verrechnungs-Konto (Depot)

Auf dem Ausgaben-Konto kommen die Einnahmen rein und die normalen Ausgaben wie Miete, Strom und Lebensmittel werden hiervon bezahlt. Immer am Anfang des Monats wird ein bestimmter Prozentsatz des Einkommens automatisch aufs Rücklagen- und Verrechnungs-Konto überwiesen. Das Geld auf dem Verrechnungs-Konto wird dann investiert und das Geld vom Rücklagen-Konto wird nur für die vorher festgelegten Fälle verwendet. Es sollte hier für jede mögliche Ausgabe in der Zukunft (Auto, Fernseher, Waschmaschine, Urlaub) jeden Monat ein bestimmter Betrag zurückgelegt werden.

Falls etwas mehr Geld reinkommt, sollte immer ein Teil oder das gesamte Geld manuell aufs Verrechnungs-Konto überwiesen werden, da man bisher mit seinem normalen Einkommen auch ausgekommen ist. Dadurch kann der Vermögensaufbau extrem beschleunigt werden.

Da Du regelmäßig auf Dein normales Ausgabenkonto guckst und der Großteil automatisiert gespart wird, sieht es regelmäßig so aus, als wärst Du verhältnismäßig arm. So wirst Du langsam aber sicher reich, da Dir nicht bewusst ist, wie viel Geld Du besitzt. Wenn Du jeden Tag auf Deinem Konto Dein gesamtes Vermögen ablesen könntest, würdest Du wahrscheinlich irgendwann dazu verleitet werden einen großen Teil wieder auszugeben.

Rechne mit Ausgaben, nie mit Einnahmen

Dies ist ein weiterer Punkt, den ich häufig bei Menschen bemerke, die nicht mit ihrem Geld umgehen können. Es wird mit Einnahmen in der Zukunft gerechnet, auch wenn sie noch nicht ganz sicher sind und die Ausgaben werden regelmäßig nicht beachtet. An diesem Punkt sind schon viele Unternehmen gescheitert, die damit rechneten, dass es so weitergehen wird wie bisher mit den Einnahmen und dann durch eine Krise in den Bankrott getrieben wurden.

So ist die Abhängigkeit vom eigenen Einkommen bei Privatpersonen häufig so groß, dass das Ausbleiben des monatlichen Einkommens zu ernsthaften Problemen führt. Ich habe das auch schon bei einem meiner Kollegen hier festgestellt, wo zu Anfang die Kontodaten nicht richtig erfasst wurden und so das Gehalt erst Mitte des Monats ausgezahlt wurde. Das führte zu enormen Problemen und der Kollege beschwerte sich, dass er schließlich auch seine Ausgaben zu begleichen hat. Das ist das Problem, wenn ich mit Einnahmen in der Zukunft rechne und von diesen Einnahmen vollkommen abhängig bin.

Ich bin der Meinung, dass jeder mindestens Geld für 3-6 Monate auf der hohen Kante haben sollte. Dann ist man selbst viel entspannter und braucht sich im Fall, dass das Einkommen wegbricht, nicht so große Sorgen zu machen.

Dieser Punkt gilt auch für das Bilden von Rücklagen. Wenn mit etwas höheren Ausgaben gerechnet wird und das Geld hinterher nicht gebraucht wird, ist die Freude umso größer, dass jetzt wieder mehr Geld investiert oder auch ausgegeben werden kann.

Berechnung des Nettovermögens

Bei der Berechnung des Nettovermögens würde ich (wenn keine Schulden bestehen) für mich einfach den aktuellen Depotwert nehmen. Ich rechne einfach damit, dass mein gesamter Besitz keinen Wert hat, denn er könnte jederzeit kaputtgehen und ich kann ihn ja auch nicht in Geld umwandeln, wenn ich ihn benötige. Viele machen dort die geschönte Berechnung und beziehen ihr Auto, die eigenen Möbel und ihre Klamotten mit den Neupreisen in die Rechnung ein, sodass das Ergebnis extrem verfälscht wird.

Positive Nebeneffekte

Neben dem Begünstigen eines schnelleren Vermögensaufbaus gibt es von der Methode des Armrechnens noch einige schöne Nebeneffekte. Glücksempfinden ist die Folge, dass eine Situation besser ist als vorher erwartet worden ist. Ein schönes Beispiel ist dafür, dass bei niedrigen Erwartungen an einen Film diese nur übertroffen werden können und Du hinterher glücklich bist. Wenn Du immer mit deutlich höheren möglichen Ausgaben und niedrigen Einnahmen rechnest, können Deine Erwartungen eigentlich nur übertroffen werden. Viele fokussieren sich auf die möglichen Einnahmen in der Zukunft und sind enttäuscht, wenn sie dann nicht oder nicht in der erwarteten Höhe eintreffen. Wenn gar nicht damit gerechnet wird, dann kannst Du Dich nur freuen.

Bei vielen Menschen löst eine kaputte Waschmaschine oder ein kaputtes Auto großen Stress aus, da sie überhaupt nicht wissen, wie sie die aktuellen Zahlungen stemmen können. Wenn Du Dich ärmer rechnest und Rücklagen bildest, blickst Du viel entspannter in die Zukunft, da Du viel besser für alle Ausgaben gewappnet bist.

9 Kommentare

  • Hi,
    Interessanter Artikel – hier zeigst du einen interessanten Trick auf, wie man sich selbst überlisten kann, nämlich durch das Verstecken/Verschieben von Geld und so das Auslösen von Mangelgefühlen. Das mag effektiv sein, ich finde den Ansatz allerdings nicht besonders positiv…bei ängstlicheren Zeitgenossen könnte das zu Panikatacken führen 😉
    Für mich selbst, habe ich auf Automatisierung gesetzt und dabei nur eine gewisse, einfache finanzielle Grundausstattung vorausgesetzt. Vielleicht sind die beiden Artikel ja von Interesse:
    https://meinefinanziellefreiheit.com/2016/06/30/automatisiertes-sparen/
    https://meinefinanziellefreiheit.com/2016/07/07/die-finanzielle-grundausstattung/
    Viele Grüße,
    FF

    • finanziell-frei-mit-30.de

      In Deinen Beiträgen mit dem automatisierten Sparen und dem Kleingeldsparen nutzt Du im Prinzip auch die Möglichkeit Dich selbst arm zu rechnen.
      Durch das automatisierte Sparen und das „Verstecken“ in der Spardose wirkt Dein Vermögen auf dem Girokonto und der Geldbörse deutlich niedriger, sodass Du auch weniger ausgibt.
      Ich bin der Meinung, dass es ohne das Armrechnen nicht oder nur sehr schwer geht wirklich reich zu werden.
      Hier muss dann jeder für sich selbst überlegen wie stark er es selbst für sich umsetzen will und was für einen am besten funktioniert.

      Ich sage ja nicht in meinem Beitrag, dass Du es genauso umsetzen musst, denn es geht mehr um das Prinzip.

      Schöne Grüße

      Dominik

    • @ „FF“
      ? Dein Ansatz spiegelt doch dasselbe Prinzip wider. Dominik schreibt in seinem Artikel „Immer am Anfang des Monats wird ein bestimmter Prozentsatz des Einkommens automatisch aufs Rücklagen- und Verrechnungs-Konto überwiesen“… wo also liegt der Unterschied zu Deiner Automatisierung? Oder wolltest Du nur mal ganz dezent auf Deinen Blog aufmerkam machen… 😉 ?

  • Huhu Dominik, finde deinen Gedankenansatz gut! Mache es eigentlich auch so. Ich habe stets minimum 1000€ auf dem Konto. Mein Gehalt kommt drauf, meine feste Sparrate und meine Fixkosten gehen ab. Habe ich am Ende des Monats rund 1500€ drauf, kommt das überschüssige Geld aufs Sparkonto. Bin ich grundlos unter 1000, ist das für mich ein kleiner Alarm. Generell versuche ich, meine Ausgaben sehr konstant zu halten und Anschaffungen ein bisschen übers Jahr zu verteilen.

    • finanziell-frei-mit-30.de

      Das finde ich auch einen guten Punkt die Anschaffungen übers Jahr zu verteilen, sodass die Ausgaben immer relativ konstant sind.
      Hast Du noch weitere Rücklagen auf einem getrennten Tagesgeldkonto? Ich finde 1000€ ist nämlich ziemlich wenig für Rücklagen. Ich versuche mein Konto immer so bei 2.500€ zu halten.
      Ich habe meine Versicherungen auf jährliche Zahlweise umgestellt und spare dadurch etwas Geld und ordne gleichzeitig meine Finanzen. Ist natürlich dann immer eine ziemlich große Abbuchung, wenn die Krankenversicherung fürs ganze Jahr auf einmal abgebucht wird. Dafür halte ich so mein Konto besser im Blick und plane besser für die Zukunft.

      Schöne Grüße
      Dominik

  • Hi,
    Ich finde man kann nicht pauschalisieren wie viel man auf der Seite haben muss. Mir reichen auch 1.000€. Bei mir kann nichts teureres kaputt gehen, der einzige Posten den das bei den meisten rechtfertig ist ein Auto. Da ich Dienstwagen fahre kommt das auf mich nicht zu, also was kann kaputt gehen? Mac, Fernseher, Waschmaschine… nichts was richtig teuer ist. Und ich habe 1.000€ freien Cash Flow. Wenn was ist fange ich es damit auf. Daher, jeder muss für sich festlegen was er braucht, hast ein Haus braucht man ggf 20.000€ oder mehr.

    • finanziell-frei-mit-30.de

      Natürlich kann man das nicht absolut festlegen und die 3-6 Monatsgehälter auf jede Lebenssituation übertragen.
      Ich meinte das eher als Richtlinie und grobe Richtung an der man sich orientieren kann, denn ich halte es selbst auch nicht ein.
      So habe ich kein Auto, keine feste Wohnung (ich wohne zur Hälfte bei meinen Eltern und zur Hälfte in einem Studentenzimmer in Münster), keine Waschmaschine und keinen Fernseher.
      Das einzige, was kaputt gehen könnte ist mein Handy und mein Laptop.

      Genau aus diesem Grund sind meine Rücklagen auch nicht ganz so hoch, weil ich schließlich auch nicht so viel auffangen muss.

      Schöne Grüße
      Dominik

      • Ich habe ebenfalls nichts teures, will aber trotzdem Rücklagen von mindestens 3000 € als Tagesgeld aufbauen. Neben den Dingen die kaputt gehen können, kann es ja auch sein, dass einem die Wohnung wegen Eigenbedarf gekündigt wird. Dann will ich zumindest einen Umzug adhoc finanzieren können. Bedeutet evtl. Abschlag für die Küche in der neuen Wohnung und Kaution. Auch wenn ich diese Gelder ja von meinem alten Vermieter wiederbekomme, kann da für ein paar Wochen / Monate bis alles abgewickelt ist, doch ein höherer Bedarf an Cash entstehen. Es ist cool, dann nicht bei der Bank anrufen und nach einem Dispo fragen zu müssen.

        • finanziell-frei-mit-30.de

          Ich denke 3000€ sollte auch schon das absolute Minimum sein.
          Bei einer Autoreparatur oder einem Umzug kommen schnell solche Summen zustande und in solchen Situationen möchte man sich ja keine Sorgen um das Geld machen müssen.
          Das gleiche gilt bei dem Verlust eines Arbeitsplatzes.
          Ich denke viele Mieter wissen überhaupt nicht, dass ihnen auch wegen Eigenbedarf gekündigt werden können uns sind dann erstmal selbst ganz überrascht.

          Schöne Grüße
          Dominik

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