Interview mit einem Blogger

Interview: Über Geld spricht man nicht

In meinem heutigen Interview habe ich Pascal Wegner zu Gast. Durch seine hochwertigen Beiträge in der „Aktien mit Kopf-“ und „Dividendenstrategie-Facebookgruppe“ bin ich auf ihn aufmerksam geworden und habe ihn zu einem Interview auf meinem Blog eingeladen. Ich freue mich, dass er sich bereit erklärt hat mir zu verschiedenen Themen Rede und Antwort zu stehen.

D: Bitte stell Dich meinen Lesern kurz vor!

P: Sehr gerne, ich bin 31 Jahre alt, in Kassel geboren und auf einem Dorf in der Nähe aufgewachsen. Nach meinem Abi bin ich zum Studieren nach Stuttgart gegangen, wo ich Wirtschaftsinformatiker wurde. Bereits weitaus vorher war ich neben Schule und später auch Studium selbstständig und habe verschiedene Projekte im oder mit Hilfe des Internets umgesetzt. Nach dem Ende meines Studiums wechselte ich vollständig in die Selbstständigkeit und gründete mit einem Kommilitonen zusammen ein weiteres Online-Unternehmen. In den nächsten Jahren bauten wir dies auf und gründeten außerdem weitere, organisatorisch wie wirtschaftlich verbundene, Online-Unternehmen. Bis 2014 hatte unser Unternehmen eine außergewöhnliche Entwicklung hingelegt und es ging darum, dass dieses jetzt Erwachsen werden sollte und musste. Hier war für mich der Punkt erreicht, wo ich das Unternehmen gerne verlassen wollte und ich sehr froh bin, dass mein Geschäftspartner angeboten hat das Unternehmen alleine weiter zu führen. Ich verkaufte einen Teil meiner Gesellschafteranteile und gab alle Aufgaben sowie meine Geschäftsführung ab. Seit 2014 arbeite ich also mit tagesweisen Ausnahmen gar nichts mehr und habe angefangen, insbesondere in den Wintermonaten, zu reisen. 2014 hatte ich noch die Illusion nie mehr zu arbeiten und mein Leben nur noch mit Hobbys auszufüllen. Seit 2017, nach 3 Jahren Nichtstun, merke ich so langsam, dass ich eine neue Aufgabe finden sollte.

D: Du gehst auf Deiner Facebook-Seite und in den oben genannten Gruppen relativ offen mit Deinem Vermögen und dem Thema Geld um. Dabei herrscht in Deutschland die Meinung, dass man nicht über Geld spricht. Wie kommt es zu Deiner Offenheit?

P: Das ist eine sehr gute Frage. Ich weiß durchaus, dass die (deutsche) Menschheit der Meinung ist, dass man nicht über Geld spricht. Mir persönlich erschließt sich aber in keiner Weise, warum man dies nicht tun sollte. Geld hat für mich, auf die eine Art und Weise, einen so niedrigen Stellenwert, dass ich keine Idee habe, warum ich ihm einen solch hohen Wert beimessen sollte, indem ich es zu einem Tabu-Thema erkläre. Offen gehe ich auch mit meinen Finanzen um, weil es mir vor allem wichtig ist darzustellen, dass ich nicht so vermögend bin, wie viele denken. Wenn viele Leute mein Leben betrachten, und sie danach gebeten werden mein Vermögen zu schätzen, dann schätzen diese Leute Werte, welche in Bereichen von Dieter Bohlen oder Boris Becker liegen. Mir ist in diesen Fällen einfach sehr wichtig darzustellen, dass mein Vermögen ganz deutlich unter diesen Personen liegt. Genau genommen habe ich für meinen beruflichen Werdegang sogar ein sehr durchschnittliches Vermögen. Allerdings durchaus 30 Jahre früher als normalerweise, dessen bin ich mir natürlich auch bewusst. Und zu guter Letzt weiß ich natürlich, dass es unheimlich motiviert. Ich schaue mir sehr gerne die Leben von Leuten an, die etwas haben, was ich gerne hätte. Materiell genau so wie immateriell. Und ich denke und glaube, dass ein gewisser Anteil meiner Follower auch motiviert bleibt, wenn sie Bilder oder Videos von mir sehen, wo ich Dinge tue, welche sie vielleicht auch gerne bald tun wollen.

D: Manche Menschen reagieren auf den offenen Umgang mit Deinem Wohlstand ziemlich negativ und sagen, dass Du nicht darüber reden solltest und nur angeben wolltest. Dabei ist der Personenkreis schon auf Menschen eingeschränkt, die sich für Finanzen, Aktien und Börse interessieren und daher tendenziell vermögenderen Menschen positiver eingestellt sind. Hast Du eine Vorstellung, warum die Reaktionen so negativ sind?

P: Erst einmal muss ich sagen, dass ich empfinde, dass ich sehr wenig mit Neid oder Missgunst konfrontiert werde. Leute sagen mir dies sehr selten, aber lassen es mich auch sehr selten spüren. Einige meiner Freunde kaufen sich ab und an Autos in der Klasse „3 Jahre alter 3er BMW“. Diese Freunde erzählen mir dann ausnahmslos immer, dass sie mit diesen Autos zum Neid- und Hassobjekt geworden sind, welche zerkratzt wurden. Ich bin 9 Jahre lang Neuwagen der Marke BMW gefahren, ausschließlich Oberklasse. Nicht ein einziges Mal, egal wohin ich gefahren bin, hatte ich hier ein Problem. Niemals hat sich jemals einer an meinen Autos vergriffen. Ich kann mich an keine verbalen Anfeindungen erinnern. Vielleicht liegt es an der gezielten Auswahl derer Leute, mit denen ich mich umgebe. Vielleicht gibt es aber auch viel Neid und Missgunst mir gegenüber. Bemerken tu ich dies aber sehr, sehr selten. Vielleicht hängt es auch mit meiner Einstellung zusammen. Ich bin mir durchaus bewusst, dass ich überdurchschnittlich gut dastehe. Aber ich selbst mache mir nicht das Geringste daraus. Ich bewerte Leute niemals nach ihren Einkommen, ihren Vermögen, ihren Verdiensten, ihren Jobs, ihrer Schubildung, etc. Je härter und schlechter bezahlt Berufe sind, desto mehr schätze ich diese Menschen wert. Ich fahre zwar teure Autos, reise teuer, trage teure Uhren, etc. aber das war es auch. Ich finde Menschen, die das nicht tun, daher nicht weniger cool. Erstaunlicherweise bemerke ich das Gegenteilige häufiger auf anderen Niveaus. Will sagen: Viele Leute, die sich einen gebrauchten 3er BMW gekauft haben, erzählen Leuten, die ältere Polos fahren, auf einmal ungefragt, wie schlecht deren Autos sind. Leute, die 2 Wochen nach Thailand fliegen, erzählen ihren Arbeitskollegen auf einmal „Nachdem ich jetzt Thailand gesehen habe, kann ich mir nie mehr vorstellen in das asoziale Mallorca zu fliegen.“ Ich habe keine Idee woher diese Leute diese Attitude haben. Ich liebe meinen Standard. Aber ich finde jeden anderen Standard, über wie unter meinen, genau so cool und respektvoll und käme nie auf die Idee etwas anderes zu sagen oder zu denken. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum ich empfinde, dass mir sehr wenig Neid entgegengebracht wird. Zur eigentlichen Frage: 😉 Natürlich gibt es diese Leute, die mir einzig und allein auf Grund der Tatsachen negativ begegnen. Ich kann dies aber auch diesen Leuten nicht verübeln. Natürlich kann ich es mir vorstellen, dass es ein Mensch doof findet, wenn jemand anderes mehr hat und weniger dafür tut. Aber Sorgen würde ich mir dann machen, wenn ich das Gefühl hätte, dass es eine Mehrheit derer ist, mit denen ich mich umgebe. Aktuell habe ich das Gefühl, dass dies nicht mal im einstelligen Prozentbereich liegt.

D: Die Sichtweise von vermögenden Menschen wird maßgeblich durch die Medien geprägt. So denken die meisten Menschen, dass sich Millionäre alles leisten können und wie die Geissens durch die Welt reisen und das Geld mit beiden Händen für Luxus aus dem Fenster werfen. Sind Dir schon solche und andere Vorurteile entgegengebracht worden?

P: Mit diesem Vorurteil sehe ich mich in der Tat ununterbrochen konfrontiert. Das Wort Millionär wird für viele Menschen mit „unendlich Geld“ gleichgesetzt. Ein Millionär ist aber nicht gleich einem Millionär. Zwischen einem Vermögen von 1 Mio € und einem Vermögen von 100 Mio € oder gar mehreren Milliarden € liegt ein erheblicher Unterschied. Ich werde sehr häufig schräg angeschaut, warum ich im ALDI einkaufe. Ich werde angezählt, warum ich mir denn nun nicht endlich den Porsche kaufe, von dem ich träume. Menschen erwarten, dass ich nie mehr arbeiten gehe, mir jedes Auto (beliebig häufig) kaufen kann, jeden Tag in jedem Restaurant der Stadt essen gehen kann, jedes Biofleisch und jeden Champagner kaufen kann, etc.

Leider muss ich hier sagen, dass 1 Mio € eine „verdammt geringe“ Geldmenge ist. 1 Mio. € ist in etwa die Geldmenge, welcher jeder Selbstständige in seine Rente eingezahlt haben sollte, damit er im Alter nicht die Existenzsicherung benötigt. Trotzdem habe ich natürlich Verständnis dafür, dass diese Zahl soweit von vielen Menschen entfernt liegt, dass es schwer quantifizierbar ist, dass 1 Mio und 5 Mio. € ein erheblicher Unterschied sind.

D: In den USA wird viel offener über Geld und das Vermögen des anderen gesprochen. Es ist viel üblicher unternehmerisch zu handeln und sein Geld zu investieren. Denkst Du, dass der offenere Umgang dazu führt, dass Geld weniger negativ gesehen wird und sich dadurch auch weniger Vorurteile bilden?

P: Definitiv denke ich das. Ich liebe es, wenn ich mich mit Menschen über Geld und Vermögen unterhalten kann, die nicht nur offen sind, sondern selbst mehr Vermögen als ich besitzen. Denn ich kann unheimlich viel davon lernen. Ich bin nicht in einer reichen Familie aufgewachsen und habe den Umgang mit Geld grundsätzlich sehr gut, aber eben nicht detailliert für mittlere oder größere Vermögen gelernt. Daher musste ich mir dies irgendwann selbst erarbeiten, erlernen und habe natürlich auch viele Fehler gemacht. Ich liebe es von anderen Leuten, und vor allem deren Fehlern, zu lernen. Dies wird natürlich immer schwieriger, wenn Leute ungerne über Geld, Anlagen, Investitionen, etc. reden. Wenn meine Freunde mit mir über Geld reden würden, bin ich mir sicher, dass ich sehr behilflich sein könnte. Wollen die aber nicht, das ist OK für mich. J

D: Eine Studie der Consorsbank hat ergeben, dass nur 59% der Befragten wissen, wie viel ihr Partner verdient. Meiner Meinung nach sind das erschreckende Zahlen. Wenn noch nicht mal mit dem eigenen Lebenspartner über Geld gesprochen wird, obwohl es so ein wichtiges Thema ist. Wie gehst Du mit dem Thema Geld in Beziehungen zu anderen Menschen (Partnerschaft/Freundschaften) um?

P: Diese Zahl erschreckt mich in der Tat auch. Gegenüber meiner Partnerin geh ich sehr offen mit meinen Vermögen um. Gegenüber engen und bekannten Freunden weitestgehend verschlossen. Wenn mich jemand fragt, beantworte ich ihm die Frage natürlich. Aber ich habe kein Interesse von mir aus meinen Freunden zu erzählen, was ich habe, bekomme oder besitze. Ganz einfach, weil sie mit der Information nichts anfangen können, sich möglicherweise schlechter danach fühlen, anfangen mich doof zu finden oder weiteres. Mit unbekannteren Leuten, beispielsweise meinen Followern, gehe ich wieder offener über Investitionen, Vermögen, Renditen, etc. herum. Einfach auch um denen ggf. zu helfen.

D: Der Umgang und die Sichtweise von Geld wird maßgeblich durch die eigene Sozialisation geprägt. Was hast Du von Deinen Eltern/Deinem Umfeld (Negatives und Positives) über Finanzen und Geld gelernt?

P: Diese Frage habe ich mir häufig selbst gestellt. Ich habe einen sehr guten Umgang mit Geld. Ich vermeide mein ganzes Leben Schulden nahezu komplett. Ich habe noch nie ein einziges Konsumgut finanziert, noch nie in meinem Leben ein Dispo-Kredit gehabt. Weiterhin bin ich überdurchschnittlich sparsam. Seit ich 15 bin spare ich über 50% aller meiner Einnahmen, in den letzten Jahren ist der Prozent-Satz noch viel höher. Mehrfach habe ich mich gefragt, woher ich diese finanzielle Einstellung habe. Denn sie stimmt weder zu 100% mit dem überein, was meine Eltern mir vorgelebt haben. Noch ist es das Gegenteilige von dem, was meine Eltern getan habe. Ich bin in einer Unternehmerfamilie aufgewachsen. Daher habe ich sicherlich meine lockere Sichtweise auf mein eigenes Unternehmertum. Das Angestelltenverhältnis kannte ich immer nur von der gegenüberliegenden Seite. Hier kann ich mir meinen Werdegang erklären. Warum und woher ich diese glückliche Einstellung zu Geld bekommen habe, weiß ich wirklich nicht.

D: Pascal ich danke Dir vielmals dafür, dass Du Dir die Zeit für ein Interview genommen hast.

P: Ich bedanke mich auch, hat mir Freude bereitet.

5 Gedanken zu „Interview: Über Geld spricht man nicht

  1. Sehr cooles Interview, ich kenne Pascal auch aus den Kommentaren und Posts aus den genannten Gruppen. Ich kann praktisch allen Punkten die erwähnt worden sind zustimmen, insbesondere das 1 Mio eigentlich gar nicht so viel ist. Vor allem in der Schweiz, natürlich kommt es ganz auf den Lebensstil an. Mit meinem derzeitigen Lebensstil wäre ich mit 1 Mio bereits mehrfach finanziell Frei. Aber das ändert sich mit Familie, Krankheit, Unfall etc.

    Gruss
    Thomas

    1. Hallo Thomas,

      Danke für Dein Feedback.
      Ich glaube da hast Du als Schweizer nochmal eine komplett andere Sichtweise.
      Ich finde schon heftig, was Du alleine an Miete in der Schweiz bezahlst. In Teilen von Gelsenkirchen könntest Du dafür ein großes Haus mieten. Dafür sind natürlich die Löhne in der Schweiz auch deutlich höher.

      Schöne Grüße
      Dominik

      1. Hallo Dominik,

        Das ist Tatsächlich so, aber ich denke es ist in der Schweiz je nach Job und Brache relativ „leicht“ finanziell Frei zu werden. Die Sparquote muss stimmen, die Ausgaben optimiert sein und regelmässig investiert werden. In der Schweiz verdient man gut und gerne 10’000 monatlich wenn man den richtigen Beruf gewählt hat und das schon ab Mitte bis Ende 20. Selbst wenn man bei einem Beruf an seine Grenzen kommt mit 5000-7000 CHF monatlich, könnte man sich einen Nebenverdienst aufbauen, aber dafür habe die meisten Menschen „keine Zeit“ und Lust. Aber meckern tun diese Leute dann trotzdem, das zu wenig Geld da wäre und alles doch ach so teuer ist.

        Gruss
        Thomas

  2. Hi zusammen,

    klasse Interview! Ich fand schon den Podcast mit Kolja super.
    Ich denke auch, dass gerade die, die eher weniger haben, Statusobjekte benötigen um in ihrem Umfeld „angenommen“ zu werden bzw. „toll“ rüber zu kommen. Wahrscheinlich leben auch in meiner Nachbarschaft Leute, die die 1 Mio bereits geknackt haben. Ich denke, dass viele Reiche, die ihr Geld nicht in der Öffentlichkeit verdient haben, würden sich eher weniger Publicity wünschen. Siehe z.B. die beiden bereits verstorbenen Aldi-Brüder, die sehr scheu und zurückgezogen gelebt haben.
    Bei den Geissens gehts wirklich um Aufmerksamkeit + ein ausgeklügeltes Geschäftsmodell. Wahrscheinlich können die durch Gage schon einen großen Teil der ganzen Reisen finanzieren. Zudem gibt es keine bessere Werbefläche, als die eigene Sendung.

    Gruß,
    Emanuel

    1. Hallo Emanuel,

      mir hat das Interview von Kolja und Pascal auch sehr gut gefallen.
      Ich stimme Dir da vollkommen zu. Wenn Du nicht vermögend bist, musst Du nach den gesellschaftlichen Vorstellungen wenigstens nach außen hin reich wirken, damit dich andere Menschen für erfolgreich halten. Um ein Vermögen aufzubauen, musst Du Dich ja zwangsläufig damit auseinandersetzen, was Dir wichtig ist und wofür Du Dein Geld ausgibst. Eine teure Angeberkarre steht wahrscheinlich nicht ganz oben auf der Liste.
      Die wirklich reichen sind wahrscheinlich auch froh darüber, wenn sie nicht so sehr im Mittelpunkt stehen.

      Schöne Grüße
      Dominik

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