Sixpack

Durch das Haushaltsbuch zum Sixpack

Bei vielen Finanzbloggern und Investoren ist mir immer wieder in der Vergangenheit aufgefallen, dass es bestimmte Parallelen gibt. Die Investoren schienen nicht nur alleine auf das Geld zu schauen und sich finanziell weiterzubilden. Im Gegenteil scheint es sehr verbreitet zu sein, dass die Menschen auch auf andere Lebensbereiche achten und sich dort weiterentwickeln.

So wird neben der Finanzplanung häufig:

  • auf die Ernährung geachtet
  • Zeit in die eigene (nichtfinanzielle) Weiterbildung gesteckt
  • Sport getrieben
  • die Karriere vorangetrieben
  • Konsumexzesse (Shopping, Alkohol, ständige Partys) vermieden
  • minimalistischer gelebt
  • großen Wert auf Beziehungen und gute Freunde gelegt
  • der Fokus auf ein positives und glückliches Leben gelenkt

Ich habe mir häufiger die Frage gestellt, ob mir meine Wahrnehmung nur einen Streich spielt und ich vielleicht einfach einem Denkfehler unterliege. Es kann ja auch gut sein, dass ich einfach nur das sehe, was ich sehen will. Schließlich haben sich bei mir selbst die einzelnen Lebensbereiche nach und nach verändert. Erst der Minimalismus hat mich zum Thema der Finanzen herangeführt.

Etwas ketzerisch könnte man die Frage formulieren: Kann Finanzbildung dazu führen, dass ich mehr auf die eigene Ernährung achte, Sport treibe und insgesamt ein glücklicheres Leben führe?

Vor kurzem hat mir das extrem lesenswerte Buch „Die Macht der Gewohnheit*“ diese Frage ausführlich beantwortet und meine Sichtweise bestätigt. Die kurze Antwort ist, dass es so ist. Doch lass uns die Details der Untersuchung näher anschauen.

Schlüsselgewohnheiten

Zur Untersuchung von Gewohnheiten wurden verschiedene Studien durchgeführt. In einer der Studien sollte getestet werden, ob die Willenskraft stärker wird, wenn man sie regelmäßig strapaziert. Dazu wurden (bisher) unsportliche Menschen dazu gebracht für zwei Monate regelmäßig Sport zu treiben.

Bei der Auswertung der Studie stellten die Wissenschaftler fest, dass die Probanden nicht nur körperlich viel fitter waren. Vielmehr hatte diese kleine Gewohnheitsänderung Auswirkungen auf viele andere Lebensbereiche. Die Probanden nahmen weniger Alkohol, Koffein und Fastfood zu sich. Sie rauchten weniger, verbrachten weniger Zeit vor dem Fernseher und machten mehr Hausarbeit.

Zuerst führten die Wissenschaftler den Effekt auf die positiven Wirkungen des Sports zurück und starteten daher noch einen Versuch.

Sie konzipierten ein Experiment, bei dem eine Personengruppe für vier Monate ihre Ausgaben minutiös aufschreiben und Luxusausgaben wie Restaurant- oder Kinobesuche reduzieren sollte. Anfangs wollten die Teilnehmer nicht gerne mitmachen und haben sich zum Teil dagegen gesträubt. Zum Ende hin empfanden es allerdings die meisten als hilfreich für die eigene Planung. Zu den Auswirkungen möchte ich einfach mal einen kurzen Ausschnitt aus dem Buch zitieren:

„Die finanzielle Lage der Teilnehmer verbesserte sich in dem Maße, wie sie das Programm durchliefen. Überraschender war, dass sie auch weniger Zigaretten rauchten und weniger Alkohol und Koffein tranken – im Schnitt zwei Tassen Kaffee weniger, zwei Bier weniger und, bei Rauchern, fünfzehn Zigaretten weniger pro Tag. Sie aßen weniger Junkfood und waren produktiver bei der Arbeit und in der Schule. Es war wie bei der Sport-Studie: In dem Maße, wie Menschen ihre Willenskraft-Muskeln in einem Bereich ihres Lebens stärkten – im Fitnessstudio oder einem Moneymanagement-Lehrgang-, färbte diese Stärke auf ihre Ernährungsgewohnheiten und ihre berufliche Leistungsbereitschaft aus.“

Als ich das in dem Buch gelesen habe, dachte ich mir nur: WOW!

Das war die eine Erkenntnis und der eine Beweis, den ich schon so lange gesucht habe und den ich so unglaublich fand. Niemand würde erwarten, dass das reine Aufschreiben und Kontrollieren der Ausgaben dazu führen kann, dass die Menschen glücklicher sind und sich auch ihre anderen Lebensbereiche verändern. Intuitiv hatte ich das für mich schon erfasst, aber ich hätte niemals gedacht, dass die Auswirkungen so groß sind. 15 Zigaretten weniger am Tag sind fast eine ganze Schachtel.

Damit war das Aufschreiben der Ausgaben effektiver als manches Raucherentwöhnungsprogramm, obwohl das überhaupt nicht das Ziel war. 😉

Man muss sich außerdem vor Augen führen, dass die Experimente nur zwei beziehungsweise vier Monate andauerten und in der kurzen Zeit bereits so große Veränderungen bewirkt wurden.

In den Studien wird hierbei von Schlüsselgewohnheiten gesprochen. Wenn ein Mensch seine Schlüsselgewohnheiten verändert, hilft es auch dabei weitere Gewohnheiten zu verändern.

Beispiele für Schlüsselgewohnheiten sind:

  1. Ernährung
  2. Sport
  3. Umgang mit Geld
  4. Süchte (wie Zigaretten und Alkohol)

Welche Auswirkungen kann also die Finanzplanung für die Finanzielle Freiheit haben?

Führt vielleicht die langfristige Finanzplanung dazu, dass die Menschen eher auf ihre Ernährung achten, mehr Sport treiben, weniger Abhängigkeiten haben und ein besseres Leben führen?

Wenn wir den Studien und den eigenen Erfahrungen trauen, müssen wir diese Frage mit einem klaren „Ja“ beantworten.

Doch warum sind die Auswirkungen von so kleinen Veränderungen so groß? Ich habe mal ein paar Punkte zusammengetragen.

Stärkung der Willenskraft

Der erste und bereits in der Studie genannte Punkt ist, dass wir durch den Aufbau von positiven Gewohnheiten es schaffen die eigene Willenskraft zu stärken. Das bedeutet mit jeder vorgenommenen Veränderung im eigenen Verhalten stärken wir die Willenskraft wie einen Muskel.

Es wird also von Mal zu Mal leichter die eigenen Gewohnheiten zu ändern, weil wir psychisch stärker werden.

Veränderung des Mindsets

Wenn ich es schaffe aus eigenen Anstrengungen heraus mein Leben zu verändern, obwohl ich es vorher nicht für möglich gehalten habe, verändert sich meine ganze Einstellung. Ich glaube auf einmal daran, dass Veränderungen möglich und durch mich aktiv gestaltet werden können. Ich komme zu der Erkenntnis, dass ich vielleicht auch andere Lebensbereiche verändern kann, die ich bisher für unveränderbar hielt.

Beispiel: Alter Glaubenssatz: „Ich kann einfach nicht gut mit Geld umgehen.“

Nachdem ich meine Sportgewohnheiten verändert habe: „Vielleicht kann ich ja auch beim Geld mehr rausholen. Schließlich habe ich das beim Sport vorher auch nie gedacht, dass solche Veränderungen möglich sind.“

Größeres Bewusstsein

Mit jeder Veränderung, die mich letzten Endes glücklicher macht, werden mir viel stärker die negativen Punkte im Leben bewusst. Ich merke viel eher, was bisher vielleicht noch nicht so gut läuft und wo ich selbst noch Verbesserungspotential habe.

Dieser Punkt ist natürlich auch ganz stark mit dem vorherigen Punkt verknüpft.

Belohnungsaufschub und Ziele

Ich lerne durch meine positiven Veränderungen, dass ich durch das kurzfristige Aufschieben einer Belohnung (z.B. Geld ausgeben oder sparen) langfristig mehr erreichen kann und dadurch glücklicher werde. Oder wie es im Englischen so schön heißt:

„Shortterm Pain for longterm Gain.”

Durch die Aufschiebung der Belohnung schaffe ich es später deutlich größere Ziele zu erreichen und im Leben voranzukommen. Wenn ich zum Beispiel merke, dass mich ein Cashpolster glücklicher macht als sofort alles auszugeben und immer Geldsorgen zu haben, werde ich in anderen Bereichen viel eher dazu bereit sein kurzfristig auf Dinge zu verzichten.

Mein Fazit

Langfristig betrachtet kann also ein Haushaltsbuch für Dich der Auslöser sein Dich zuerst mit den eigenen Finanzen auseinanderzusetzen und dann auch weitere Lebensbereiche zu verändern. Das Haushaltsbuch kann also Dein Sixpack zumindest begünstigen.

Wenn das nicht mal ein guter Grund ist sich um die eigenen Finanzen zu kümmern.

Hast Du schon ähnliche Beobachtungen bei Dir oder anderen Menschen gemacht?

2 Kommentare

  • In der Tat sehr interessant, wusste ich nicht. Ich habe so was nicht beobachtet, da ich von Anfang an die Einstellung hatte, dass man vieles ändern kann, auch den Geist und Charakter. Da sind Gewohnheiten eher pipifax.

    • finanziell-frei-mit-30.de

      Mit derr richtigen Einstellung geht natürlich einiges. Diese zu verändern braucht zu Beginn viel Kraft und Anstrengung, wenn man noch nicht selbst daran glaubt die Gewohnheiten verändern zu können.

      Schöne Grüße
      Dominik

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