Die Milchmädchenrechnung des Sparens

Häufig wird bei einem Kauf behauptet, dass gespart worden ist. Hierbei handelt es sich oft um eine Milchmädchenrechnung, weil andere wichtige Kosten außer Acht gelassen werden. In diesem Artikel möchte ich auf einige Denkfehler in diesem Kontext eingehen.

Ausgaben werden nicht berücksichtigt

Beim Sparen entstehen manchmal Kosten, die nicht im Zusammenhang mit dem gesparten Betrag gesehen werden. So wird nur der gesparte Betrag alleine betrachtet. Wenn mehr Geld zum Sparen aufgewendet wird, als hinterher gespart wird, dann wurde in Wirklichkeit sogar ein Verlustgeschäft gemacht.

So fahren viele Leute durch die halbe Stadt, um ihren Treibstoff 1 Cent pro Liter günstiger zu kaufen. Bei einem 50 Liter Tank werden so auf den ersten Blick 50 Cent gespart, doch wenn das hierfür verbrauchte Benzin mit berechnet wird, dann kann es sogar sein, dass in Wirklichkeit sogar draufgezahlt wird.

Ein ähnlicher Effekt ist bei den Steuern zu erkennen. Die meisten zahlen nicht gerne Steuer und so sind Steuersparmodelle sehr beliebt. Darum werden dann Sachen gekauft, die eigentlich nicht gebraucht werden, nur um diese von der Steuer abzusetzen und damit weniger Steuern zu zahlen. Ich finde es schwachsinnig in diesem Kontext von Sparen zu sprechen, denn schließlich wird mehr Geld ausgegeben, als durch diesen Kauf gespart wird.

Dies ist auch allgemein beim Einkaufen zu beobachten. Überall wird mit reduzierten Preisen. Wirklich gespart werden kann beim Einkaufen nur, wenn ausschließlich die Sachen gekauft werden, die wirklich benötigt werden. Häufig ist dies nicht der Fall, denn durch die Werbung und die reduzierten Preise werden die Konsumenten zum Kaufen angeregt.

Hierbei ist es auch schwer rational zu bleiben, denn die Rabatte suggerieren dem Gehirn, dass es etwas geschenkt bekommt. Dadurch wird das Belohnungszentrum aktiviert und der Verstand ausgeschaltet. Viele Studien zeigen, dass in solchen Szenarien absolut irrationale Entscheidungen getroffen werden.

ROIT als wichtigste Kennzahl

Vielleicht wirst Du diesen Begriff bereits so ähnlich aus dem Bereich des Investierens kennen. Dort sagt die Kennziffer ROI (Return on Investment) aus, wann sich eine Investition auszahlt, also das investierte Geld wieder reingeholt wurde. Der ROIT (Return on invested Time) sagt aus, was Du für Deine investierte Zeit erhältst.

Beim Verdienen wird deutlich penibler auf den Stundenlohn geachtet, als das beim Sparen der Fall ist. Hier wird häufig das Sparen zum Selbstzweck.

So hätten wir bei dem Beispiel mit dem Tanken, wenn es ungefähr eine halbe Stunde länger dauert, einen Stundenlohn von einem Euro. Niemand würde freiwillig (zumindestens nicht in Deutschland) für diesen Preis für jemand anderen arbeiten. Trotzdem machen die Leute beim Sparen einen großen Aufwand, der in keinem Verhältnis zum gesparten Betrag liegt.

Die Opportunitätskosten sind zu beachten

Allgemein sind Opportunitätskosten (im Bezug aufs Sparen) entgangene Gewinne oder eine anderweitige Nutzung der fürs Sparen investierten Zeit. So hättest Du, anstelle des Sparens durch das Suchen einer günstigeren Tankstelle, die Zeit für etwas Anderes nutzen können.

So solltest Du Dir überlegen, ob es nicht eine andere bessere Verwendungsmöglichkeit für Deine Zeit gibt und ob das Sparen wertvoller ist, als das, was Du alternativ mit Deiner Zeit machen könntest.

Dabei sollten nicht nur alleine die Zeit und das Geld betrachtet werden. Zum Beispiel könntest Du vielleicht ein Recht auf die Rückerstattung von 500€ Miete haben, doch der Vermieter will das Geld nicht zahlen. Um das Geld zu erhalten, müsstest Du vor Gericht ziehen und Deinen Vermieter verklagen. Vielleicht würde es sich für die eingesetzte Zeit im Verhältnis zum Geld lohnen, doch es gibt schließlich noch die anderen Opportunitätskosten. Was bringt es, wenn durch diesen Prozess dann das Verhältnis zum Vermieter zerstört wird und es die nächsten Monate und Jahre nur noch Stress gibt, oder Du sogar umziehen musst?

Wenn Du nicht vor Gericht ziehst, dann gibt es keinen Stress und das lohnt sich auch mehr.

4 Kommentare

  • Hallo Dominik!
    Du schreibst: „Zum Beispiel könntest Du vielleicht ein Recht auf die Rückerstattung von 500€ Miete haben, doch der Vermieter will das Geld nicht zahlen. Um das Geld zu erhalten, müsstest Du vor Gericht ziehen … “
    Das hast du vollkommen richtig erkannt. Trifft übrigens in umgekehrter Richtung genau so zu! Gerichtliche Auseinandersetzungen liefern dir zwar Recht bzw. sorgen für Gerechtigkeit, kosten aber dein Geld. Das kann mehrere Tausend Euro ausmachen, denn unsere Rechtslage ist so, dass sich der Staat immer von dem das Geld holt, der noch etwas hat. – Finger weg! So viel Geld wie möglich zurück halten und nicht in geldkostende Abendteuer stechen.

    • finanziell-frei-mit-30.de

      Ja das habe ich besonders bei meinem Praktikum beim Gericht gesehen, wo einige Leute wirklich sehr irrationale Entscheidungen getroffen haben und geklagt haben, obwohl offensichtlich war, dass sie nach dem Gesetz nicht Recht haben können.
      Auch bei vielen Kleinigkeiten wird geklagt nur am Ende Recht zu behalten.
      Die Frage ist einfach, ob der ganze Stress und die ganzen Kosten es wert sind gemacht zu werden im Verhältnis zu dem erwarteten Vorteil. Für mich ist die Klage der allerletzte Weg, wenn nichts mehr geht.

      Schöne Grüße

      Dominik

      • Hallo Dominik!
        Habe zwei Tipps für dich. Da findest du Gleichgesinnte, mit denen du auch kommunizieren kannst. Es gibt Leute, von denen man viel lernen kann. z.B.: Tim Schäfers Blog. http://timschaefermedia.com/erst-die-arbeit-dann-die-belohnung/ . Außerdem finde ich auch gut, was „Erichsen“ auf seinem YouTube-Videokanal ins Netz stellt. Vom Traden halte ich allerdings nichts. Das ist in meinen Augen Betrug und füllt letztendlich nur die Taschen der Broker. (König Salomons Spruch ist mir da wesentlich sympathischer.) Aber schau trotzdem mal rein, der „Erichsen bringt viele gute Videos.
        https://youtu.be/auk6weJVD5M

        • finanziell-frei-mit-30.de

          Den Blog von Tim Schäfer kenne ich schon länger und verfolge ihn.
          Vielen dank für den Tipp mit dem YouTuber. Den werde ich mir nächste Woche mal näher anschauen.

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