Zinseszins-Effekt

Der Zinseszins-Effekt im Alltag – Teil 3

In den beiden ersten Beiträgen habe ich Beispiele für eine Einmalanlage und gleichbleibende regelmäßige Investitionen gegeben und daran den Zinseszins-Effekt verdeutlicht. Heute möchte ich näher darauf eingehen, wie die Ergebnisse sich bei verändernden Sparraten entwickeln können.

Hier nochmal die beiden vorherigen Beiträge:

Zinseszins-Effekt bei Einmalanlage

Zinseszins-Effekt bei regelmäßigen Investitionen

In den Kommentaren zum letzten Beitrag wurde ich von einem meiner Leser darauf hingewiesen, dass meine Annahmen unrealistisch seien, weil ich Steuern und die Inflation unberücksichtigt lasse. Zudem kann es ja auch zu unvorhergesehenen Ereignissen wie einer Scheidung, Krankheit oder ähnlichem kommen, die den eigenen Plan extrem erschweren. Wahrscheinlich wird dieser Leser meine heutigen Berechnungen vollkommen unrealistisch finden. Im heutigen Beitrag möchte ich aus meiner Sicht mal schildern, warum die ersten Beiträge und Hochrechnungen des Zinseszins-Effekts noch relativ konservativ sind, auch wenn sie Steuern und die Inflation nicht berücksichtigen.

Suchst Du Hürden oder Wege?

Ein ganz wichtiger Punkt aus meiner Sicht ist die eigene Einstellung. Die eigene Einstellung bestimmt darüber, ob ich nur die Hürden sehe, die mir den eigenen Weg erschweren können oder ob ich aktiv nach Wegen suche die Finanzielle Freiheit schneller zu erreichen. Im ersten Beitrag bin ich davon ausgegangen, dass nur einmalig ein bestimmter Betrag investiert wird und über Jahrzehnte hinweg das komplette Einkommen ausgegeben wird. Ich denke, es ist extrem unrealistisch nichts weiter zu sparen und zu investieren, wenn erst einmal angefangen wurde und der Fokus aufs Sparen und Investieren gelegt wurde. Ich bin mir ziemlich sicher, dass jeder, der die Finanzielle Freiheit anstrebt und sich das Sparen und Investieren zur Gewohnheit gemacht hat, damit nie wieder aufhören wird und mindestens 10% des Einkommens sparen wird.

Beim zweiten Beitrag wurde über Jahrzehnte hinweg immer der gleiche Betrag gespart und investiert. Ich denke, das ist auch ziemlich unrealistisch, weil hierbei davon ausgegangen wird, dass nie mehr Geld gespart werden kann und es niemals eine Gehaltserhöhung gibt. Ich denke selbst der größte Depp erhält innerhalb von mehreren Jahrzehnten Arbeitszeit auch mal eine Gehaltserhöhung. Wenn Du auch noch die Extrameile gehst, Dich immer weiterbildest, mehr Verantwortung bei der Arbeit übernimmst und den Fokus darauf legst Dein Einkommen zu steigern, wirst Du zwangsläufig irgendwann mehr Geld verdienen und damit auch investieren können. Zudem kannst Du ja auch neben Deinem Job noch eine Selbstständigkeit aufbauen oder einen Nebenjob machen und dadurch Dein Einkommen steigern.

Meine Entwicklung


Es ist knapp 2 Jahre her, als ich das erste Mal auf das Konzept der Finanziellen Freiheit gestoßen bin und durch das Buch „Rich Dad, Poor Dad“ motiviert wurde mein Geld zu investieren. Damals dachte ich mir, dass ich als dualer Student ja nicht so viel Geld verdiene und daher maximal 100 oder 200€ im Monat investieren könnte. Ich habe mir damals, wie viele andere Menschen auch, einen Zinseszinsrechner aus dem Internet zur Hand gezogen und angefangen solche Berechnungen wie in den ersten beiden Teilen zu machen. Wie viel Geld habe ich, wenn ich jeden Monat 100€ investiere? Was passiert, wenn ich doppelt oder sogar dreimal so viel jeden Monat investieren könnte? Für mich war es damals sehr motivierend und ich hatte mir als erstes Ziel gesetzt bis ans Ende des dualen Studiums insgesamt 10.000€ investiert zu haben. Mit einer erforderlichen Sparleistung von ca. 300€ jeden Monat war ich der Meinung, dass das schon ein sehr ambitioniertes Ziel wäre und ich mich dafür sehr anstrengen müsste.

Ich fing an ein Haushaltsbuch zu führen, bewusster mein Geld auszugeben und die eigenen Ausgaben zu hinterfragen. Überraschenderweise stellte sich für mich heraus, dass ich viel mehr Geld sparen kann und 300€ im Monat überhaupt kein Problem sind. Letztendlich kann ich sogar ohne Probleme 500€ im Monat investieren und habe damit meine Erwartungen weit übertroffen. Zudem habe ich in meiner Berechnung alle außergewöhnlichen Einnahmen wie Steuerrückerstattungen, Krankenkassenrückzahlungen, Reisekosten, Verkauf von Gegenständen und Geschenke vollkommen außeracht gelassen. Indem ich alles über mein normales Gehalt Hinausgehende auch noch investiere, kann ich meinen Weg noch mehr beschleunigen. Im letzten Jahr sind auf dieses Weise weitere 800€ dazugekommen, mit denen ich überhaupt nicht gerechnet habe. Weiterhin hatte ich auch noch auf einem Sparbuch, das ich gar nicht mehr auf dem Schirm hatte, einen mittleren vierstelligen Betrag, den ich von meinen Großeltern geerbt habe. Mehr als ein Jahr vor Ende des Studiums habe ich jetzt bereits einen Depotwert von über 14.000€. Knapp 1000€ sind auf Kurssteigerungen zurückzuführen, sodass ich knapp 13.000€ investiert habe. Zu Beginn meines dualen Studiums hätte ich niemals damit gerechnet. Ich hatte einfach extrem unterschätzt, was ich innerhalb dieser kurzen Zeit erreichen kann. Selbst wenn ich jetzt das nächste Jahr über „nur“ meine 500€ im Monat investiere, würde ich zum Ende meines dualen Studiums bereits bei über 20.000€ herauskommen, was mehr als das doppelte von meinem ursprünglichen Ziel ist.

Der hat doch nur Glück gehabt

Ich höre schon die Ausreden der anderen Menschen. Der hat doch nur Glück gehabt, bei mir geht sowas nicht und das sind sowieso nur Ausnahmen. Mit der Zeit habe ich immer wieder feststellen müssen, dass ich damit nicht allein dastehe. So rechnen die meisten eher konservativ bei ihren Plänen und Zielen und lassen mögliche positive Ereignisse vollkommen außen vor.

Unter anderem hat der Sparkojote nach weniger als einem Jahr seit Start seines Blogs bereits seine Ziele anpassen müssen. Und zwar auch deutlich nach oben, weil er viel mehr investieren konnte und viel schneller als erwartet vorangekommen ist.

Auch Alexander von Rente mit Dividende musste nach zwei Jahren des Blogbetreibens seine Ziele deutlich nach oben schrauben, weil alles viel besser gelaufen ist. So wird er voraussichtlich fünf Jahre früher in Rente gehen können, als er vorher geplant hat. Bei diesem längeren Anlagehorizont gehe ich auch davon aus, dass er sein Ziel noch deutlich früher erreichen kann.

Das gleiche gilt für Christopher von easydividend, der mit seinem Optionshandel und hohen Renditen viel schneller voranschreitet, als er es selbst erwartet. Bereits nach Ende des ersten Quartals musste er seine Ziele nochmal überdenken.

Ich bin also nicht alleine und die Finanzblogcommunity schafft es immer wieder die eigenen Ziele in den Schatten zu stellen und deutlich schneller zu erreichen. Es ist natürlich schön, wenn es schnell vorangeht. Das große Problem hierbei ist nur, dass es dadurch schwer wird zu berechnen, wo die einzelnen Personen in 3, 5 oder 10 Jahren stehen werden. Kleine Veränderungen in den Ausgangsbedingungen haben durch den Zinseszins-Effekt extreme Auswirkungen (Stichwort Chaostheorie). Wenn ich in den ersten 5 Jahren des Investierens zum Beispiel nur 100€ mehr im Monat sparen kann, wird das in 40 Jahren einen riesigen Unterschied machen. Ich hatte auf diesen Umstand auch schon in meinem Beitrag zum Berserkersparen hingewiesen.

Das ist für mich auch der Grund, warum ich die Inflation und Steuern nicht berücksichtige, weil selbst Ergebnisse für die nächsten 3 Jahre durch die ganzen Unwägbarkeiten nur schwer zu berechnen sind. Selbst meine Vorhersage für die nächsten 3 Jahre war extrem daneben und ich werde mindestens doppelt so viel bis zum Ende des dualen Studiums investiert haben. Aus diesem Grund möchte ich mal ein paar unterschiedliche Szenarien für meinen Weg zur Finanziellen Freiheit näher skizzieren.

Extrem konservative Berechnung

Zum Ende meines Studiums werde ich mindestens 30.000€ bereits investiert haben. Mit der Verdoppelung meines Einkommens nach dem Studium sollte es ohne große Einschränkungen möglich sein, mindestens 50% mehr zu sparen und zu investieren (750€ im Monat). Mit Abschluss meines dualen Studiums bin ich 21 Jahre alt und habe noch knapp 9 Jahre bis zu meinem 30. Geburtstag.

Bei einer Rendite von 6% im Jahr hätte ich zu meinem 30. Geburtstag einen Depotwert von 157.000€. Wenn ich meine monatliche Sparrate von 750€ auf 1000€ erhöhen kann, hätte ich sogar 193.000€.

Bei dieser Berechnung habe ich eine relativ niedrige Rendite angesetzt und bin davon ausgegangen, dass ich in den 9 Jahren nach Abschluss meines Studiums nie mehr sparen oder verdienen kann und es auch keine außergewöhnlichen Einnahmen gibt.

Konservative Berechnung

Ich lasse weiterhin außergewöhnliche Einnahmen außen vor. Wenn ich jetzt die anfängliche Sparrate von knapp 1000€ im Monat durch mehr Einsatz bei der Arbeit, selbstständige Tätigkeiten oder einen Nebenjob jedes Jahr nur um 5% steigern kann, habe ich zu meinem 30. Geburtstag ein Vermögen von knapp 221.000€. Bei einer Steigerung von 10% pro Jahr, käme ich sogar auf 257.000€.

Ich denke das sind beides noch relativ konservative Betrachtungen, weil die außergewöhnlichen Einnahmen im letzten Jahr noch mal die investierte Summe um über 10% gesteigert haben. Hier sollte es durch Gehaltserhöhungen und nebenberufliche Anstrengungen möglich sein, deutlich höhere Steigerungen zu erzielen. Eventuell wird dieser Blog auch irgendwann in größerem Maße zu meinen verfügbaren Mitteln für Investitionen beitragen.

Sportliche Berechnung

Wenn ich mich noch mehr anstrenge und noch mehr sparen und investieren kann, schaffe ich vielleicht bis zum Ende des dualen Studiums 40.000€ investiert zu haben. Ich denke, es ist durchaus realistisch eine durchschnittliche Rendite von 8% im Jahr mit der Investition in Aktien zu erzielen, die ich jetzt auch mal für diese Berechnung benutzen werde. Für meine Berechnungen in anderen Artikeln nehme ich immer 6%, damit es etwas konservativer ist. Weiterhin gehe ich davon aus, dass ich jedes Jahr neben der 10-prozentigen Steigerung meiner regelmäßigen Sparrate auch noch 1000€ aus unregelmäßigen Einnahmen habe. In diesem Fall käme ich bereits auf über 335.000€ mit 30 Jahren. In dieser Berechnung würde ich (bei Weiterführung) bereits mit 33 Jahren über eine halbe Million Euro besitzen.

Unrealistischere Berechnung

Wir nehmen jetzt alle zuvor genannten Voraussetzung und drehen noch etwas an der Renditeschraube. So könnten eventuell höhere (Eigenkapital-) Renditen erzielt werden, wenn durch die Aufnahme von Fremdkapital Immobilien zur Vermietung erworben werden. Außerdem könnten durch den Handel mit Optionen oder die Spezialisierung auf andere Formen des Investierens wahrscheinlich deutlich höhere Renditen erzielt werden. So hat Christopher von easydividend mit seinem Optionshandel innerhalb des letzten Jahres 32% Rendite erzielen können.

Unter der Annahme von regelmäßigen Renditen von 12% pro Jahr, käme ich bereits auf über 412.000€ zu meinem 30. Geburtstag. Bei 15% steigert sich das Depot auf 484.000€ und bei unglaublichen Renditen von 20% käme ich sogar auf über 630.000€. Du erkennst wahrscheinlich jetzt langsam die Macht des Zinseszins-Effekts erst richtig.

Mein Fazit

Ich finde solche Berechnungen immer sehr motivierend, weil sie einem zeigen, was alles in einem so kurzen Zeitraum bereits möglich ist. Nach meinen Berechnungen hätte ich zu meinem 30. Geburtstag ein Vermögen zwischen 150.000€ im „schlechtesten“ Fall und 630.000€ im „besten“ Fall. Ich habe die Abgeltungssteuer und Inflation nicht berücksichtigt, weil ich nicht weiß, was in der Zukunft passieren wird und ich die Inflation oder die Steuergesetzgebung nicht beeinflussen kann. Das einzige, was ich vollkommen kontrollieren kann, ist wieviel Geld ich jeden Monat spare und investiere. Ich lege bei meinen Bemühungen meinen Fokus auf die Dinge, die ich auch beeinflussen kann und werde daher jetzt und in der Zukunft versuchen so viel wie möglich zu sparen und zu investieren.

Zudem möchte ich mit meinen Berechnungen auch nicht auf den Cent genau feststellen, welches Vermögen ich mit 30 Jahren besitzen werde. Das ist auch überhaupt nicht möglich, weil bereits kleine Veränderungen der Ausgangsbedingungen zu enormen Abweichungen bei dem Endergebnis führen. Ich könnte jetzt natürlich auch noch irgendwie versuchen die schwankende Inflation und die sich ständig ändernde Steuergesetzgebung zu berücksichtigen, doch meiner Meinung nach macht das das Endergebnis auch nicht viel aussagekräftiger, weil dadurch die große Spanne zwischen kleinstem und größten Ergebnis immer noch bleiben würde. Es ist alles eine Frage davon, was ich als Annahme für meine Berechnungen heranziehe.

Mich würde mal Deine Erfahrung zu dem Thema interessieren:

Hast Du für Dich auch schon mal solche Hochrechnungen angestellt? Von welchen Annahmen gehst Du dabei aus? Musstest Du auch schon mal Deine Ziele anpassen?

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10 Kommentare

  • Hallo Dominik,

    Eerstmal vielen Dank für die Erwähnung 🙂 Ich handhabe das ähnlich wie du und habe mir verschiedene Rechnungen aufgestellt, à la Best und Worst Case 😉

    Tatsächlich denke ich das ich es schaffen werden mit dem Best Case Szenario den Abgang zu machen. Gründe dafür sind meine positive Einstellung und mein Ehrgeiz. Dennoch ignoriere ich keine Risiken und versuche mich so gut wie möglich ab zu sichern.

    Du bist ebenfalls auf gutem Weg! Weiter so 🙂

    Gruss
    Thomas

    • finanziell-frei-mit-30.de

      Hallo Thomas,

      nichts zu danken.
      Das wäre bei Dir bestimmte auch mal interessant von Deinen Berechnungen zu lesen. 😉
      Ich denke es ist wichtig einen guten Mittelweg zwischen extrem Pessimismus und zu großem Optimismus zu finden.
      Nur bei allem auf Sicherheit gehen und versuchen keine Risiken einzugehen ist genauso schlecht wie alles nur auf eine sehr riskante Karte zu setzen.
      Danke Dir für Deine Zusprache.

      Schöne Grüße
      Dominik

  • Dieser Leser hat zwar einen Berechtigten Einwand getätigt, aber es hängt auch viel mit Motivation zusammen, wie du schon geschrieben hast „eigene Einstellung“ seine ist/war „das Glas ist halb leer“

    Liebe Grüße Sanja

    • finanziell-frei-mit-30.de

      Wie heißt es so schön:

      Der Optimist sagt: Guck mal das ist Licht am Ende des Tunnels.
      Der Pessimist antwortet: Na toll jetzt kommt uns auch noch ein Zug entgegen.

      Schöne Grüße
      Dominik

  • DocSchneider

    Hallo Dominik,

    sehr schön erklärt und zusammengerechnet!
    Mit nunmehr über 30 Jahren Spar- und Anlageerfahrung kann ich Dir sagen: Am Ende kommt es immer anders als man denkt.
    Trotzdem ist es wichtig sich immer Ziele zu setzen. Du hast ja für Dich selber quasi einen „Zielkorridor“ definiert. Mein Rat an Dich für die Zukunft: Bleibe weiter so motiviert und setze Dir Ziele die für Dich motivierend und erreichbar sind, aber nicht zu leicht erreichbar. Ich sage immer: Die Wurst muss so hoch hängen, dass man schon gehörig springen muss um sie zu erreichen. Nur den Hals recken und abbeißen ist zu einfach. Allerdings darf die Wurst auch nicht so hoch hängen dass man schon vor dem Absprung merkt, dass man so hoch nie kommt – das demotiviert nur.
    In diesem Sinne
    Gruß vom Doc

    • finanziell-frei-mit-30.de

      Hallo Doc,

      danke für das Lob von Dir.
      Ich kann mir gut vorstellen, dass sich die Dinge über einen so langen Zeitraum ganz anders entwickeln, als man es zuerst erwartet hätte.
      Meintest Du das jetzt eher positiv oder negativ? Das konnte ich aus Deinem Kommentar nicht ganz herauslesen.

      Du beschreibst sehr gut das Problem bei der (langfristigen) Zielsetzung. Wenn ich es zu lasch formuliere, werde ich mich nicht so anstrengen müssen um es zu erreichen und mich daher auch nicht so stark anstrengen. Wenn es dagegen vollkommen unrealistisch ist, werde ich vermutlich einfach nur untätig bleiben. Dabei beeinflusst die eigene Sichtweise auch maßgeblich was als realistisch und unrealistisch anzusehen ist. Mir gefällt auf jeden Fall Deine Metapher dazu sehr.

      Schöne Grüße
      Dominik

      • DocSchneider

        Hallo Dominic,
        bei mir hat sich manches erheblich besser entwickelt als gedacht. Andere Dinge wiederum haben mir einen gehörigen Strich durch die Planrechnung gemacht. In der Gesamtbetrachtung ist fast nichts so gekommen wie ich es vorher für mich selber überlegt und gerechnet habe. Möchtest Du Beispiele?
        Ich habe mit einer sehr konservativen Kapitalmarktrendite kalkuliert – wurde aber deutlich übertroffen.
        Ich habe alles gesamtbetrachtend für meine kleine Familie kalkuliert – meine Frau wollte plötzlich und unerwartet eine Scheidung. Da fällt mal eben ein ganzes Einkommen weg, der fällige Zugewinnausgleich kostet Dich auf einen Schlag die Hälfte Deines kompletten Vermögens und somit auch die Hälfte Deines passiven Einkommens. Der Rest Deines passiven Einkommens geht für Unterhaltszahlungen drauf und plötzlich lebst Du nicht mehr im Überfluss sondern trotz gutem Einkommen knapp oberhalb von Hartz4-Niveau.
        Dann kündigt Dir urplötzlich und ohne jeden für Dich erkennbaren Grund nach 25-jähriger Partnerschaft Dein Fahrzeuglieferant die Händlerverträge und Du stehst statt als Vertragshändler plötzlich nur noch mit einer freien Werkstatt da. Im Nachhinein kenne ich den Grund: Eine große Autohandelskette hat sich hinter meinem Rücken mein Vertragsgebiet unter den Nagel gerissen mit dem Versprechen an der Autohersteller in diesem Gebiet deutlich mehr Autos zu vermarkten als ein einzelner kleiner Händler. Da wird Dir echt der Boden unter den Füssen weggezogen und Du weißt nicht mehr wie Du alle Löhne und Gehälter zahlen sollst.
        Ein notgedrungen angenommener Händlervertrag einer anderen erst mal nicht so interessanten Fahrzeugmarke entpuppt sich als wahrer Glücksgriff. Durch gelungene neue Modelle und vernünftige Preispolitik wächst die Marke in Deutschland sehr stark und ich verkaufe plötzlich und unerwartet mehr Autos als jemals zu vor. Unnötig zu erwähnen dass meine „alte“ Marke mir der neuen Händlerkette in meiner Stadt Schiffbruch erleidet, weil die Kunden es doof finden in einem riesigen Autohaus-Glaspalast total unpersönlich und unfreundlich bedient zu werden, niemand erkennt Sie sofort mit Namen und deutlich teurer ist das ganze auch noch. Ich habe mittlerweile fast alle alten Kunden wieder zurück die nun das neue Fabrikat fahren und damit sehr zufrieden sind. Warum? Sie kaufen nicht die Marke sondern lieber guten Service und Freundlichkeit am Kunden.
        Ich habe viel Mist erlebt aber auch genauso oft Glück im Unglück gehabt. Wichtig ist es immer dranzubleiben. Nicht herumjammern und entmutigen lassen. Es gibt immer einen Weg und irgendwie geht es auch immer weiter. Wer hartnäckig genug ist und hart arbeitet der wird es immer irgendwie schaffen, egal wie aussichtslos die Lage manchmal erscheinen mag.

        • finanziell-frei-mit-30.de

          Hey Doc,

          Deine ganze Geschichte hört sich wirklich sehr spannend an.
          Zuerst läuft alles viel besser als erwartet mit besseren Renditen am Aktienmarkt und dann kommen einige herbe Rückschläge mit der Scheidung und der quasi Kündigung für Dich als Unternehmer. So wie Du das erzählst, scheinst Du allerdings aus allen Sachen das beste gemacht zu haben und immer weiter zu machen. Es gibt so viele Menschen, die bei deutlich geringeren und kleineren Rückschlägen bereits aufgeben und nicht mehr weitermachen.
          Du kannst zwar nicht beeinflussen, was das Leben Dir bringt, doch Du kannst versuchen das beste aus Deiner Situation zu machen und in die Zukunft zu schauen.

          Langfristig setzt sich der bessere Service und die bessere Behandlung von Kunden immer durch. Das hört sich natürlich alles schön und gut an, doch es bringt einem nichts, wenn man vorher die Kosten nicht mehr tragen kann und sein Geschäft zumachen muss.

          Schöne Grüße
          Dominik

  • Huhu Dominik,
    dass jeder „Depp“ irgendwann eine Gehaltserhöhung bekommt, finde ich ein wenig überheblich formuliert. Es gibt viele Berufe, in denen man froh ist, wenn man überhaupt eine Stelle findet/behält und zumindest die Inflation ausgeglichen bekommt. Mein Vater hat 10 Jahre lang keine Gehaltserhöhung bekommen – hatte aber keine Alternative auf dem Land, Ü50 mit Haus und 3 Kindern.

    Zu den Zielen: So ganz grob habe ich im Kopf, was ich die nächsten Jahre erreichen könnte. Dabei denke ich aktuell nicht weiter als bis 30, weil dann vielleicht ein paar Kinder die Sparrate runter ziehen. Ziel sind auf jeden Fall die 100k Nettovermögen. Habe bis dahin noch 5,5 Jahre Zeit. Der Zinseszins macht bei mir bisher nicht viel aus und wird auch noch viele Jahre dauern, bis sich dieser bemerkbar macht. Meine hohe Sparrate bringt mir gerade am meisten.

    Respekt für deine großen Ambitionen. Nach dem Studium hatte ich rund 4.000€ auf dem Konto, weil ich das Kindergeld gespart hatte. Es war nicht klar, ob ich es behalten darf. Mein komplettes Einkommen ging für meinen Lebensunterhalt drauf. Ich hatte immerhin Glück, dass ich durchs duale Studium keine Schulden hatte. Zu erben gibt es für mich die nächsten Jahre hoffentlich nichts. Ich bin recht stolz, dass ich ohne finanzielle Unterstützung so weit gekommen bin. Aber Glück braucht man trotzdem.

    • finanziell-frei-mit-30.de

      Hallo Jenny,

      das wird ganz bestimmt in manchen Berufen schwieriger sein als in anderen.
      Es ist meine Sichtweise, dass für jeden Gehaltssteigerungen möglich sind. Vielleicht bedeutet es dafür den Arbeitgeber wechseln zu müssen, umziehen zu müssen, noch mehr Aufgaben im Job zu übernehmen oder noch nebenher sich weiterzubilden. Auch durch eine nebenberufliche Beschäftigung könnte das eigene Einkommen noch weiter gesteigert werden, doch darum ging es an dieser Stelle ja nicht.

      100k mit 30 Jahren ist wirklich auch schon einiges. Besonders wenn Du Dir mal ausrechnest, was daraus innerhalb von 30 Jahren wird, wenn Du nichts weiter einzahlst. Ich denke in 5 Jahren kann sich einiges entwickeln und sehr viel passieren.
      Danke für Deine netten Worte. Ich habe mit meinem dualen Studium wirklich ein ganz schönes Glück so viel sparen zu können und habe dadurch natürlich schon einen ganz schönen Vorsprung. Du brauchst Dich aber auch nicht zu lumpen, weil die meisten Menschen nicht schuldenfrei aus dem Studium herauskommen und über eine solche Ausgangssituation sehr glücklich wären.

      Schöne Grüße
      Dominik

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